Nobu-Pop up Wien: Black Cod und No-Go-Sushi

Nobu-Pop up Wien: Black Cod und No-Go-Sushi

Nobu-Pop up Wien: Black Cod und No-Go-Sushi


Nun ist es also nach mehr als zwanzig Jahren soweit. Der in den 90er Jahren vom genialen Nobuyuki Matsuhisa erfundene - und weltweit gekupferte - Black Cod mit Miso und Yuzu kann auch in Wien verkostet werden. Dies eine amüsante Untermalung der oft geäußerten These, ein Trend, ob bei Mode oder Essen, sei endgültig tot, wenn er endlich einmal in Wien angekommen sei. Beim Black Cod alla Nobu handelt es sich allerdings nicht um einen Trend, sondern um einen Klassiker, vergleichbar dem Huhn in der Schweinsblase von Paul Bocuse.

In der so genannten Lounge des Wiener Bristol, einem der schönsten und gleichzeitig bislang unspannendsten Restaurant der Stadt, gibt es noch bis 18. März eines der sensationellsten Gastspiele (man sagt auch gerne Pop Up dazu) der letzten Zeit. Das Nobu Budapest ist samt eines Teils der Mannschaft und mit vielen Rezepten nach Wien gereist und kocht in der Bristol-Küche Klassiker des in New York, Sankt Moritz, London, Budapest, aber selbstverständlich nicht in Wien beheimateten Nobu, das durch seine karibisch-peruanisch-japanische Kreationen in Fress-Kreisen eine gewisse Weltgeltung erlangt hat.

Man könnte jetzt wieder mal die Frage stellen, warum Weltköche konsequent einen Bogen um die Wienerstadt machen.

Black Cod lohnt jede Mühe - Die Frage, die Sie sich aber vielleicht stellen und die wir an dieser Stelle beantworten wollen, lautet ja: Lohnt es sich, das Nobu-Pop-Up im Bristol zu besuchen? Viele Wiener sind der Meinung, dass das so sei, und das Lokal ist abends für die folgenden Tage fast ausgebucht und auch an diesem Samstagmittag ziemlich gut besetzt. Man sollte es unbedingt probieren, einen Tisch zu ergattern und sich den Black Cod mit Miso und Yuzu eventuell sogar im Stehen servieren lassen. Er alleine lohnt die Mühe.

Dieser Black Cod, auf der Bristol-Speisenkarte fälschlich mit „Schwarzer Kabeljau“ übersetzt, wird einen Tag in Miso gebeizt, dann gebraten, er verströmt karamellig-zitronige Süße, die sich mit dem Jod des am Punkt gegarten, bei der ersten Berührung in seine Lamellen zerfallenden weißen Fleisches perfekt vermählt. Serviert wird der Fisch auf einem grünen Bananenblatt. Keine Beilagen, kein Reis, nichts. Warum nimmt sich kein österreichischer Koch ein Vorbild an einem derart radikalen Purismus?

Misosuppe enttäuschend - Es bleibt der Black Cod allerdings das einzige wirkliche Highlight der Mahlzeit, die von einem eine Spur zu jovial agierenden Service begleitet wird. Das Sushi kriege ich ehrlich gesagt ums Eck im Unkai um einiges besser. Zwar sind vor allem die Makis superb, der Reis aber längst erkaltet, als das Gericht aufgetragen wird, was ein No-Go darstellt. Die Fische sind natürlich beste Ware, aber nicht so, dass man Vergleichbares in Wien nicht anderswo auch bekommen könnte. Die zum Sushi gereichte Misosuppe stellt mich wiederum vor eine große Frage. In jeder besseren Wiener Sushi-Quetsche kriegen sie eine Misosuppe hin, die halbwegs ansprechend ist, warum scheitert ausgerechnet die Nobu-Mannschaft im Bristol an dieser doch verhältnismäßig einfachen Aufgabe? Diese zu den Sushis gereichte Misosuppe ist nämlich die große Enttäuschung, wird aber immerhin, so wie es sich gehört, ohne Löffel und also zum Schlürfen serviert. Das hilft ihr geschmacklich halt nicht weiter.

Ähnlichies gilt für die Variation des vegetarischen Sushi, das vor allem in seiner optischen Aufmachung beeindruckt. Doch da ist wenig, was dem Gast in Erinnerung bleibt. Der Umami Halibut mit Foie Gras und Shii Take-Pilze-Gyoza lässt diesen ebenfalls ein wenig ratlos. Der Fisch ist perfekt, nichts anderes. Doch wo versteckt sich hier die Foie Gras und warum hat das Gyoza die lächerliche Form eines verschnürten Teigtascherls?

Lost in Translation - Als Nachspeise gibt es unter anderem Sacher Cappuccino mit Santory Whisky Schaum. Da taucht die Erinnerung an den wunderbaren Film „Lost in Translation“ auf. Kann sein, dass zwischen New York, Budapest und Wien halt dann doch ein paar Details verloren gehen. Dennoch: Trotz kleiner Vorbehalte ist ein Besuch anzuraten. Und schön wäre es, wenn sich das Bristol-Management zu einem dauerhaften Engagement durchringen könnte. Am Sushi kann ja noch gearbeitet werden und den Black Cod hätte ich gerne öfter.

Über die Weinkarte ist zu sagen, dass sie im Vergleich zu den früheren Korso-Weinkarten geradezu bemitleidenswert mickrig wirkt. Da ist kein Mut, ausgetretene Weinkarten-Pfade auch nur ein paar Meterlein zu verlassen, sondern die üblichen Verdächtigen. Immerhin: Ein Corton Charlemagne von Bonneau du Matray um 180 Euro entspricht dem lokalen Preisniveau. Ein kleiner Chablis um 45 Euro ist als Begleitung auch sehr recht.

www.bristolvienna.com
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