Sommelier-EM: Sieger kommt aus Lettland!

Sommelier-EM: Sieger kommt aus Lettland!

Bester Sommelier Europas und Afrikas kommt aus Lettland!


Er überzeugte die Jury mit gleichermaßen viel Kompetenz und Charme: der lettische Sommelier Raimonds Tomsons (37) eroberte in Wien den Titel „Bester Sommelier Europas und Afrikas “. Österreich war in der Vorwoche Austragungsort der Sommeliermeisterschaft für Europa und Afrika, daher der etwas sperrige Titel. Österreichs Vertreter im Bewerb, der Tiroler Topsommelier Suvad Zlatic, schied bereits in der ersten Runde aus.

„Wir suchten nach einem Sommelier, der die Idee des Gastgebers am besten wiedergibt“, fasste Gerard Basset die Entscheidung des technischen Komitees zusammen. Doch was so einfach klingt, verlangte den Finalisten des Wettbewerbs „Bester Sommelier Europas und Afrikas“ zuvor Unglaubliches an praktischem Können, theoretischem Wissen und Nervenstärke ab. Das Finale dieser drei Tage dauernden Meisterschaft fand im Ballsaal des Wiener Parkhotels Schönbrunn statt.

Vier der 37 angetretenen Top-Sommeliers wahrten die Chance auf den Sieg und bestritten das Finale. Über mehrere Stunden hinweg betraten David Biraud (Frankreich), Raimonds Tomsons (Lettland), Piotr Pietras (Polen) und Julia Scavo (Rumänien) abwechselnd die Bühne des Parkhotels Schönbrunn und erfüllten vor internationalem Publikum die anspruchsvollen Aufgaben der Jury.

Irritation als Verhängnis - In der Weltspitze der Sommellerie geht es um Präzision, aber auch um Persönlichkeit. So waren für das Finale drei Restauranttische auf der Bühne aufgebaut und die erste Anforderung lautete: „Servieren Sie diesen beiden Gästen einen Sake als Aperitif und begründen Sie Ihre Auswahl. Sie haben zwei Minuten und 30 Sekunden Zeit dafür.“ Auf dem Beistelltisch waren verschiedene Sake-Spezialitäten aufgebaut, eine davon hochprozentig. Genau diese eingebaute Falle wurde von einem Kandidaten in der Hitze des Gefechts übersehen.

Bei einer anderen Aufgabe ging es darum, zu einem Geburtstagsmenü die passende Weinbegleitung aus jeweils einem anderen Land zu empfehlen. Hier war es gefragt, die Weine genau zu beschreiben und zu begründen, warum diese zur jeweiligen Speise so gut passen würden. Das dafür vorgesehene kurze Zeitlimit war für zwei Kandidaten nicht ganz zu schaffen, zumal ein Gast als kleine Irritation um einen anderen Wein als den empfohlenen bat.

Blindverkostung einmal anders - „Sie haben vier Minuten Zeit, um diese Magnumflasche zu öffnen und auf 18 Gläser aufzuteilen. Sie dürfen aber bei keinem Glas nachjustieren.“ Hier taten die Kandidaten gut daran, zuerst die Anzahl der Gläser zu überprüfen und auch deren untadelige Sauberkeit. Die gleichmäßige Verteilung des Inhalts gelang den Kandidaten bravourös. Richtig knifflig wurde es, als die Sommeliers zehn schwarz gefärbten Gläsern gegenüberstanden. Von den darin befindlichen Flüssigkeiten waren jeweils zwei identisch – aber nur als Produkt. Diese Getränke galt es als Paare auf Basis des Grundprodukts beziehungsweise der Herstellungsart zu identifizieren, zu beschreiben und die getroffene Paarung wiederum zu begründen.

Sieg nach Lettland - Raimonds Tomsons setzte sich in diesem spannenden Finale durch und gewann den Europa- und Afrika-Titel. Tomsons ist Jahrgang 1980 und arbeitet in der lettischen Hauptstadt Riga als Head Sommelier im Restaurant Vincents. Seit 2007 nimmt er regelmäßig an nationalen und internationalen Wettbewerben teil, zuletzt 2016 an der Sommelier Weltmeisterschaft in Argentinien.

Weniger Glück hatten die beiden Kandidaten aus Österreich (Suvad Zlatic) und aus Deutschland (Torsten Junker), welche nach der ersten Runde ausschieden. Der Schweizer Fabio Masi schaffte es hingegen ins Semifinale. Auffällig an diesem Wettbewerb war die hohe Dichte an erfolgreichen Sommeliers aus osteuropäischen Ländern. Sichtbar machten dies bereits die fünf von zwölf Semifinalisten aus Tschechien, Lettland, Polen, Rumänien und Russland. Im Finale reihten sich an Frankreich die Vertreter aus Lettland, Polen und Rumänien.

INFO - Die Sommelier Weltmeisterschaft wurde 1969 von The Association de la Sommellerie Internationale (A.S.I.) ins Leben gerufen. Seit 1988 wird die Sommelier Europameisterschaft ausgetragen. Ebenso soll ein gesundes Wettbewerbsdenken zwischen den Teilnehmern forciert werden. Sämtliche Kandidaten, welche an einem Wettbewerb teilnehmen, entstammen entweder einem Mitgliedsland der A.S.I. oder einem sich dafür bewerbenden Land. Mehr als 1.000 Kandidaten haben in den vergangenen Jahren an diesen Wettbewerben teilgenommen. Voraussetzung dafür ist die aktive Arbeit in einem Restaurant, in einer Weinbar, einer Vinothek oder einer weintouristischen Sparte.

Annemarie Foidl, Präsidentin der Sommelier Union Austria, freut sich über die erstmals in Kooperation europäischer und afrikanischer Sommelierorganisationen ausgetragene Veranstaltung.
www.sommelierunion.at
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