Die besten Gourmet-Tipps an der Côte d’Azur

Die besten Gourmet-Tipps an der Côte d’Azur

Die besten Gourmet-Tipps an der Côte d’Azur


Natürlich reisen „Feinschmecker“ aka „Foodies“ heutzutage nicht mehr an die französische Riviera. Genießer und Auskenner tun es nach wie vor. Vinaria hat die besten Adressen zusammen gestellt.

Zuerst Spanien und dann Skandinavien haben der einstigen Pflichtdestination den Rang abgelaufen. Ob bei dieser Entwicklung wirklich bloß Qualität und Innovation und nicht auch ein kräftiger Schuss PR und Geschäftssinn im Spiel waren, kann man trefflich diskutieren. Dass die Köche der Weltgegend sich zwischenzeitlich statt am Herd zu stehen und über Neuerungen nachzudenken, auf ihren wohlverdienten Lorbeeren ausruhten, darf aber ruhig gesagt werden.

Die Preise zwischen Menton und Saint Tropez wuchsen schneller in die Höhe als die Wohntürme der Immobilienspekulanten. Allerdings: Côte-Bashing war schon in den Achtzigern und Neunzigern modern, da sich viele nicht damit abfinden können, dass es die Idylle der 60er und 70er Jahre, mit den mondänen Ausschweifungen und dem Glamour von Cannes, Saint Tropez oder Saint Paul de Vence nur noch in Hochglanz-Fotobüchern gibt.

Vieles, was Jahre später als Trend gefeiert wird, hat an der Küste, die als schönste am Mittelmeer gilt, angefangen. Es seien erwähnt die Fusions-Küche aus Frankreich und Thailand, eingeführt im „L’Oasis“ in Napoule oder eines der ersten komplett vegetarischen Menüs des Kontinents, serviert bei Alain Ducasse in Monaco bereits zu Beginn der Neunziger. Während wiederum in der Bastide de Saint Antoine in Grasse die ersten Pairings von sortenreinen Olivenölen mit Essen zu beobachten waren.

Klar, man kann hier teuer essen, aber auch besonders hervorragend. Und es gibt eine junge Riege von Köchen, die es bedeutend billiger geben, ohne es an Güte und Raffinement am Teller fehlen zu lassen. Der besondere Charme der Gegend, die um Nizza von den italienischen Nachbarn geprägt ist, während es in Richtung Marseille immer afrikanischer zu werden beginnt, ist etwas, dem sich kaum jemand entziehen kann. Falls Ihnen Spanien zu exaltiert und die Nordic Cuisine zu langweilig geworden ist, eine kleine Liste an guten alten und guten neuen Adressen. Für Schönheit und Kunst zwischen den Mahlzeiten ist dank der Leistung von Personen wie Leger, Matisse, Cezanne, Chagal und anderen bekanntlich gesorgt. An lokalen Weinen fehlt es dann ebenso wenig wie an exklusivsten Champagnern.

Gott - Was gibt es Neues? Das gibt es Neues: Das Hotel de Paris in Monaco, ein Luxuskasten seltener Güte, wurde während der vergangenen Monate komplett umgebaut. Zum Zug kam dabei auch das Interieur des Prestige-Restaurants der Alain-Ducasse-Gruppe, des „Louis XV“. Das mit üppigen Spiegeln, Lüstern und dem Glanz und Lumiere alter Zeiten ausgestattete Restaurant mit seiner glamourösen Terrasse mit Blick auf Casino und Autorennen erhielt, was die meisten Ducasse-Restaurants der Oberklasse ausmacht. Hier paart sich alter Luxus mit kontemporärem Design, weht nicht nur ein Hauch, sondern ein kräftiger Wind von Hochgastronomie der Zukunft. Der Maitre Michel Lang ist indessen derselbe geblieben. Der langjährige Küchenchef bekam einen zweiten Küchenchef dazu. Die Küche ist mehr denn je eine Essenz dessen, was man bei Ducasse unter mediterranem Essen versteht. Aufwändigste Küchentechniken bringen einfachste Ergebnisse, Risotto mit Erbsen und Bittersalaten oder einen perfekten Steinbutt mit Salzzitrone. Das Ganze hat einerseits etwas Standardisiertes, weil sich die Karte nur alle paar Monate ändert, andererseits den Bissen für Bissen schmeckbaren Glanz einer Spitzenküche, für die kein Preis für die beste und frischeste Zutaten zu hoch zu scheint. Neben Ducasse verblassen alle anderen Restaurants in Monte Carlo. Kann aber sein, dass Sie, wenn Sie in den kleineren Gourmet-Adressen in Nizza speisen, dort einen Küchenchef kennenlernen, der demnächst bei AD als Chef eines 3-Sterne-Restaurants arbeiten wird. Seien Sie also achtsam. Leider teuer, aber ziemlich gut: Die legendäre Weinauswahl des Hauses.

Angriff - Zu den jüngeren Köchen, die gerade an die Spitze der Riviera-Gastronomie streben, gehören unter anderem Folgende:

Mirazur

Mauro Colagreco gilt unter den Jüngern der San Pellegrino-Liste als einer der steilsten Köche Frankreichs. Der gebürtige Argentinier hat bei Alain Passard in Paris gearbeitet und man merkt dessen Schule bei Konzept und Exekution vieler Gerichte auch heute noch. Das kann nur ein Vorteil sein. Colagreco arbeitet viel mit Gemüse und Pinzette, seine Gerichte sind allesamt eine Augenweide. Und dann diese Entenbrust! Große Schule, ein denkwürdiges Essen zu einem milden Preis. Nur ein paar Meter weiter von dem etwas erhöht mit prachtvollem Blick auf den Hafen von Menton gelegene Restaurant beginnt Italien.

Villa Archange

Nein, Bruno Oger gehört nicht zu den jungen Wilden der Côte d’Azur. Er kochte schon in Cannes im Majestic auf zwei Sternen, die hat er in die Villa im Vorort Le Cannet mitnehmen können. Hier ist alles luftiger, leichter und gefälliger als an der Hoteladresse, wo Oger seinen Ruf als Küchenmeister begründete. Ein ruhiger, elegant und stilvoll ausgestatteter Innenhof gehört zu den Attraktionen des Hauses, ein perfektes Platz für ein großes Essen. Auf den Tellern findet man Artischocken, Bresse-Taube, Ziegenkäse aus der Gegend und alles, was in einem Haus wie diesem zu erwarten ist. Die derzeit beste Adresse in Cannes.

Flaveur

Das Flavour gehört zu den neusten Adressen in Nizza. Kürzlich mit einem Stern ausgezeichnet, ein kompaktes Lokal mit viel Flair und der deutlich wahrnehmbaren Ansage, dass man sich ein junges aufgeschlossenes Publikum wünscht und dabei auch bereit ist, auf hohe Eintrittsgebühren in Form von Menüpreisen zu verzichten. Zwei Brüder arbeiten hier in Küche und Service, alles wirkt modern und traditionsverbunden gleichermaßen, vor allem das Interieur des kleinen Saales. Hier isst man dann eine erfrischend stimmige Kombination aus Lauch und grünem Spargel oder Milchkalb mit bitteren Kräutern. Ein Aufsteiger, von dem man noch hören und lesen wird.

Kult - Kaum sonst wo in Frankreich reiht sich ein berühmtes Restaurant ans andere. Dass manche schon in die Jahre bekommen sind, tut ihrer Attraktivität keinen Abbruch. Sie speisen quasi auf historischem Boden, sitzen auf Stühlen, auf denen schon manche Berühmtheit saß und essen Gerichte mit Geschichte.

La Colombe d’Or

Spricht man vom Essen an der Côte, fällt unweigerlich der Name dieses wunderbaren Restaurants, das am Eingang des Künstlerdorfes Saint Paul de Vence liegt. Sie wissen es vermutlich eh, seien aber noch einmal darauf hingewiesen, dass die Bilder von Leger, Braque und Chagall, in deren Nachbarschaft die Gäste der Colombe speisen, echt sind. Oder zumindest ist nicht bekannt, falls es sich doch da und dort um eine Fälschung handeln sollte. Das Huhn in Vin Jaune mit Morcheln ist übrigens mit Sicherheit echt. Und das sollte als Argument für einen Besuch hier reichen.

Bastide Saint Antoine

Jaques Chibois gehört zu den Grand Cuisiniers und hat mit seiner Bastide im Hinterland der Küste gastronomische Geschichte geschrieben. Der Ort hat dann auch Magie, wenn sich am Abend die Sonne zwischen die Hügel der Provence legt und man im Garten den Champagner-Aperitif einnimmt. Chibois ist immer noch und zu Recht berühmt für seine Olivenöl-Gerichte, darunter eine herrliche Kombination aus Kaisergranat mit Olivenöl und Orangen oder ein Kalbsbries mit Püree aus schwarzen Oliven. Großes, altes Kino. Und eine entsprechend bestückte Weinkarte mit allen Stars aus Frankreich.

La Miranda

Ein verstecktes Loch in der Nähe des Blumenmarktes. Der Hinweis auf der Straße: Keine Reservierungen, keine Kreditkarte. Würde nicht verwundern, wenn sich Antony Bourdain den Titel seines TV-Formats „No Reservations“ von hier abgeschaut hätte. Der Patron und Küchenchef dieses Kultlokals ist Dominique LeStanc, der einst im Negresco auf zwei Sternen kochte. Alain Weissgerber vom Taubenkobel hat dort gearbeitet. Gebackene Zucchiniblüten, Mini-Pizzen, köstliche Kutteln und Kalbskopf mit Sauce Gribiche gibt es hier. Und herrliche Nachspeisen, Torten oder Mousse au chocolat, serviert in einem kleinen Schälchen ohne Beiwerk. An Weinen haben sie Weiß, Rosé und Rot, das reicht, muss reichen, denn viel Platz ist hier leider nicht.

Le Bacon

Natürlich muss es auch einmal Bouillabaisse sein und wenn die Frage auftaucht, wo es denn die beste gibt, spielt sich der Name dieses Lokals an die erste Stelle. Mag sein, dass Freunde leicht versiffter Hafenromantik, die überdies über eine kleine Brieftasche verfügen, dieses Lokal meiden wie der Teufel das Weihwasser. Das Le Bacon ist etwas teuer, aber nicht hochpreisig, statt Hafenflair gibt es Kunst an den Wänden und einen phantastischen Sonnenuntergang in der Baie des Anges. Man leite die Mahlzeit ein mit roh mariniertem Loup de Mer, wundere sich aber nicht, dass man die mächtige Portion Rascasse und der anderen Fische, die mit der Suppe serviert werden, am Ende nicht packt. Ein gefühlter halber Kilo Fisch pro Portion. Die Weinliste des Le Bacon ist lang, die Champagnerauswahl richtet sich nach der Zahl der Celebrities, die hier speisen, während sie im nahegelegenen Hotel du Cap Edenroc Quartier beziehen. Hier, am Cap d’Antibes, ist das Wort Krise Teil einer Fremdsprache, die niemand versteht.

Clubs, Cafés und Weinbars


Club 55 in Saint Tropez

Drei Wochen Reservierung für einen Mittagstisch in einem Strandclub? Gut möglich. Dafür bieten sie hier die große Show des unbeschwerten Lebens à la tropezienne. Die Schönen und Reichen? Mag sein, es mischen sich auch viele gewöhnliche Touristen darunter. Doch der Service verleiht dem Ganzen die Magie des Besonderen. Nehmen Sie Champagner mit Himbeeren, essen Sie frittierte Fische, einen Loup de Mer vom Grill und schließen Sie mit der unverzichtbaren Zitronentarte.

Café des Arts in Saint Tropez

Die Place des Lices ist neben dem Hafen von Saint Tropez die beliebteste Flanierzone. Schwer, zwischen den zahlreichen Bistros und Bar eine Adresse zu finden, wo man nicht Gefahr läuft, abgezockt zu werden. Allerdings ist da am Rande ein einfaches Café, das Vertrauen erweckt. Im „Des Arts“ sitzen dann auch nicht nur Besucher, sondern auch Einheimische. Weil die marinierten Sardinen mit Paradeiser hier genauso schmecken wie das Beef Tatar.

Cave 35 in Nice

Luxuriös sortierte Vinothek, die auch zu später Stunde noch Kunden empfängt. Dann an die Vinothek angeschlossen ist eine kleine Weinbar, in der man gepflegte Snacks zu sich nehmen kann und die Nizzaer machen von dieser Gelegenheit auch heftig Gebrauch.

Champagnerbar im Edenroc

Auf dem Dach des berühmten Edenroc am Cap d’Antibes hat vor ein paar Jahren eine Bar eröffnet, welche sich ausnahmslos der Zufuhr von edlen Champagnern widmet, die hier von schönen Menschen schönen Menschen serviert werden. Krug und anderen vornehmen Sprudel und zwar glasweise, das hat man auch an der Riviera nicht überall. Dazu ein Ausblick, der die Preise eigentlich viel zu niedrig scheinen lässt.

Welche Weine wozu? - Im Sommer lautet das Motto in Südfrankreich und nicht nur an der Riviera ganz einfach Rosé. Mit diesem Wissen kann eigentlich wenig schiefgehen, denn Rosé wird im Sommer in Frankreich praktisch zu allem getrunken, vom gegrillten Fisch bis zur Pasta, vom Mizzasalat bis zur Bouillabaisse. Entfernt man sich ein wenig von der doch auch ein wenig klischeebehafteten Welt des Rosé, tut sich ein etwas differenziertes Bild auf.

In Cassis wachsen filigrane und elegante Weißweine, perfekt geeignet zum Fisch, ob als Bouillabaisse oder vom Grill. Diese passen auch zu den sehr kultiviert angebotenen Ziegenkäsen der Region. In Nizza hat sich die kleine Region Bellet einen guten Namen gemacht.

Vor Cannes wird auf einer kleinen Insel – Saint Honorat – Chardonnay produziert, während die Domaine de la Courtade auf der Insel Porquerolles für die historische Rebsorte Rolle bekannt ist.

Die Weine aus Südfrankreich stehen im Ruf besonderer Preiswürdigkeit, was bei Massenweinen auch der Fall ist. Greift man aber zu Chateau Simone oder zur Domaine Ott, wird man erleben, dass auch im Süden besondere Weine besondere Preise rechtfertigen und dafür auch bezahlt werden.

Und das Thema Rotwein? Hier versorgt die an die Riviera angrenzende Provence die Weingenießer mit dichten, nach Wald und Trüffel duftenden Rotweinen, in denen die Sorten Grenache und Syrah, selten auch Cabernet Sauvignon eine Rolle spielen. Falls Sie Weine von der Domaine du Deffends aus Saint Maxime de Provence auf der Karte finden, greifen Sie ruhig zu.

Ein Tipp zum süßen Abschluss: Der Vin Cuit naturel à l’ancienne von Jean Salen in Le Puy Sainte Reparde.

Das Bandol ist ebenfalls für seine Rotweine berühmt. Die Trauben haben hier ganz schön zu kämpfen, es ist mal heiß und trocken, dann aber auch wieder windig. Wein hat hier eine Tradition, die bis ins 5. Jahrhundert vor Christi zurückreicht. Und die Rebsorte, die dem Rotwein Fleischigkeit und Charakter verleiht, hört auf den Namen Mourvèdre.
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