Wer braucht Jamie Oliver in Österreich?

Wer braucht Jamie Oliver in Österreich?

Wer braucht Jamie Oliver in Österreich?

Der britische Fernsehkoch und einstige „junge Wilde“ eröffnet nach einem Imbisslokal am Flughafen Wien nun auch in der Innenstadt am Dr. Karl Lueger-Platz. Dort, wo zuvor nach nur sechs Monaten Eatalico der Familie Huth und zuvor Harry’s Time scheiterten. Letzteres nach jahrzehntelangem Bestand, aber auch jahrelangem Todeskampf.

Jamie Oliver braucht man nicht vorzustellen. Der Brite wurde durch seine bis damals nicht gekannte, unkonventionell-freche Art, im Fernsehen aufzukochen, berühmt. Da hat er in der Tat ein neues Format geschaffen und ist es ihm gelungen, junge Leute für’s Kochen und Essen zu begeistern. Das ist sein unbestrittenes Verdienst. Daneben schrieb der Jungstar Kochbücher in Serie, mit meist banalen Rezepten. War Dauergast in Talkshows, schrieb sich die Finger wund mit Autogrammen. Und hatte fast jede Woche eine neue Idee.

Ein großer Koch war Jamie nie. Ist auch nicht nötig, um in Großbritannien kulinarisch Furore zu machen. Noch dazu, wenn man im Fernsehen kocht. Ein Lokal eröffnete er nach dem anderen. Bald rieten ihm findige Investmentbanker, seine Konzepte in ein Franchise-System zu packen, um in Serie noch mehr Kohle zu machen und dabei das Risiko des Lokalbetriebes an gutgläubige (und zahlungskräftige) Franchisenehmer abzustreifen.

Damit war der Sprung auf den Kontinent geschafft. Vorwiegend italophile Restaurantkonzepte prägten fortan Jamie Olivers Stil im Franchise. Schnelle, unkonventionelle Küche. Im Supermarkt, am Bahnhof, am Airport, in den Frequenzlagen der Metropolen. Ein Konzept, wie es viele andere auch gibt.

Mit einer Schrecksekunde von etwa zehn Jahren kam Jamie O. vor einigen Monaten nach Österreich. Genauer gesagt in den Abflugbereich des Terminal 3 am Flughafen Wien-Schwechat. Dort gibt es jetzt „Jamie Olivers Deli“. Nicht mehr als ein besserer Imbiss-Stand, gleich neben dem flächenmäßigen Platzhirschen Julius Meinl. Alles zum Mitnehmen und im Stehen. Das Abgebot reicht - man braucht darob nicht ins Staunen zu verfallen – von Sandwiches und Tramezzini über Burger bis zu Donuts, dazu Getränke aus PET-Flaschen und Kühlautomaten, die unvermeidlichen Smoothis und ein paar frisch gepresste Säfte. Wo der Fleischanteil fehlt, ist es gleich vegan, wenn ein Salatblatt dabei ist, gleich besonders gesund.

All dieses Zeugs bekommt man auch beim Meinl nebenan, aber in viel größerer Auswahl, mit Stehtisch oder echten Tischen, auf Wunsch im Servicebereich. Dazu wird frisch gekocht (mit echten Köchen) und laufend zubereitet. Auch der Laden gegenüber, eine Mischung aus Bar, Cafè und Feinkostgeschäft, schlägt den Jamie um Längen.

Der Oliver-Fan darf sich freuen: schon demnächst sollen zwei weitere seiner Franchise-Lokale hier Einzug halten, eine Bar und ein Italo-Restaurant, alles zusammen 800 Quadratmeter. Die Kulinarik im Terminal 3 hat einen prominenten Namen mehr, für den Gast bleibt das Angebot austauschbar.

In der Innenstadt am Lueger-Platz möchte der neue Franchisenehmer das italienische Lokalmuster von Jamie Oliver umsetzen. Schon Eatalico hatt Vapiano dort den Krieg erklären wollen, nun versucht es ein neuer Glücksritter offenbar mit ähnlichem Konzept. Dass die gestandenen Wiener Gastronomen lieber die Finger davon ließen, spricht für ihr Gespür. Franchisenehmer ist eine bis dato hierzulande noch nicht aktive Gesellschaft aus Ungarn, die in Budapest eine Reihe ganz unterschiedlicher Lokale betreibt.

www.jamieoliver.com
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