Vinaria Lokaltipp: MAST have in Wien

Vinaria Lokaltipp: MAST have in Wien

Vinaria Lokaltipp: MAST have in Wien

Die Nische perfekt erkannt und in Folge ausgefüllt haben Steve Breitzke und Matthias Pitra mit ihrem MAST, das (neben O boufès, Heunisch & Erben sowie in einer bestimmten Art auch Fuhrmann) eine neue Kategorie der Weinlokale mit exzellenter Küche mit begründet. Und das optisch ebenso als wegweisendes Bauwerk bezeichnet werden darf wie inhaltlich. Martin Schmid, der jahrelang an der Spitze der Döllerer-Küche gearbeitet hat, trägt das Seine zum Kulinarischen bei und legt eine Karte vor, die sich ganz wunderbar dem nordisch inspirierten Natural-Wine-Gedanken der beiden Sommeliers einfügt.

Er schlägt dem Gast einen Mix aus Snacks und erwachsenen Kreationen vor, bietet ein interessantes Mittagsmenü, das den Gästen aus der Umgebung wohl eine Freude sein wird, sowie zwei Speisenfolgen, zu denen sich Pitra und Breitzke wiederum die Weinbegleitung ausgedacht haben. Crissini mit Creme Fraiche und Schnittlauch – warum ist man da nicht schon selbst draufgekommen? Ein Statement, wie einfache Küche sein kann ohne simpel zu sein, ist der mit Rieslingessig marinierte, kleine Salat aus Paradeisern und Physalis. Zu den Dosen-Sardinen schenkt Breitzke einen Weißwein aus dem Jura ein, dessen leicht oxydativer Charakter den gereiften Fisch, zu dem getoastetes und gebuttertes Landbrot serviert wird, perfekt unterstützt.

Pulled Pork, ein mittlerweile in Wien schon inflationäres Gericht, gelingt hervorragend, dazu wiederum getoastetes Landbrot und Vogerlsalat. Dazu ein perfekt aufgebautes Glas Bier vom IPA Brauwerk. Lauch kommt mit Miso, Erdnuss und Senfsalat, ein also durchwegs frankophil wie auch asiatisch inspirierter Teller, der den Weinen, diesfalls ein herrlicher Chablis Alice de Moor, ordentlich paroli bietet. Gut so.

Das Kalbsbries, das man sich bei einem Küchenchef, der jahrelang an der Herstellung des besten Kalbsbrieses Österreichs (Döllerer) beteiligt war, erwartet, ist natürlich sehr gut, aber noch nicht so perfekt wie in seiner Salzburger Heimat. Zum Bries gibt Schmid zart schmelzende, vermutlich tagelang gegarte Zwiebelchen und im Rohr gabackene Erdäpfelhälften, die großzügig mit Markscheiben veredelt werden. Eine schöne Idee. Und Breitzke/Pitra schenken einen weihnachtlich duftenden, aber durch und durch trockenen Garnacha Tintoero Envinata dazu ein.

Alleine für die Idee, ihr Lokal nicht in den üblichen verdächtigen Bezirken (1., 2., 4., 6., 7.) anzusiedeln, sondern in der Nähe des Josefsbahnhofs, gehört den beiden jungen Patrons ein Preis verliehen. (Und für die Idee, sonntags geöffent zu halten.) Sie haben damit nicht nur eine schon lange nach etwas Gescheitem dürstende Nachbarschaft, sondern auch die Nähe zum 19. Bezirk, der in Angelegenheiten moderner Gastronomie ohnehin eine Wüste darstellt. Martin Schmid hat sich erfreulich schnell von der Döllerer-Küche emanzipiert und eine eingene Linie eingeschlagen, ein bisschen nordisch zwar wie auch das Interieur des Lokals, aber das mag man ja zur Zeit in Wien auch sehr gerne.

MAST
Porzellangasse 53
1090 Wien
T: +43 1 9226679
www.mast.wine
Zurück