Hirtzberger Raritäten glasweise & großes Kino

Hirtzberger Raritäten glasweise & großes Kino

Hirtzberger Raritäten glasweise & großes Kochkino

Auch ein Winzer vom Rang eines Franz Hirtzberger hat Dinge, welche ihm aufs Gemüt gehen. Es handelt sich dabei nicht um die in der Wachau zur Zeit des Besuchs des Autors schon länger währende Trockenperiode, über die er sich den Kopf zerbräche. Es ist der sich stetig wiederholende Kindesmord an seinen Riesling Smaragden vom Singerriedel oder den köstlichen Grünen Veltliner Honivogl. Denn klar ist, dass diese Weine erst nach frühestens fünf Jahren ihre Qualitäten ausspielen. Aber wer serviert heute schon einen Hirtzberger aus den Nullerjahren oder sogar aus der Zeit davor? „Geht doch in die Hofmeisterei, da haben sie meine alten Weine,“ sagt Hirtzberger.
 
Patron Hofmeisterei-Chef Hartmuth Rameder ist bestens gebrieft und gießt zum ersten Gang – erfrischende Kombination aus Spargel in weiß und grün mit heimischem Schafs-Ricotta, geräuchertem Eigelb und Senfsalat - ein Glas vom Riesling Singerriedel 2010 ein, ein Wachauer Wein in Bestform, nein: Ein Hirtzberger-Riesling in Bestform. Rameder und sein Partner in der Küche, Erwin Windhaber, haben sich in den vergangenen Jahren nahezu perfekt eingelebt.
 
Und immer wieder überrascht das Pächter-Duo mit neuen Ideen, die dem 2-Hauben-Lokal neue Gäste und Umsatz bringen. Windhaber ist ein Könner des Abschmeckens und der Saucen. Die schaumige Flußkrebssuppe hat Volumen und Biss, sowie leichte Schärfe im Abgang, allerdings wirkt das das gebackene Teil mit Krebsenfleisch und Avocado darin ein wenig wie ein Fremdkörper der Übertriebenheit.
 
Ganz toll gelingt der lauwarm gegarte, deshalb butterweiche Saibling mit gebackenen Hollunderblütenknospen und etwas Fenchel, eine intelligente Kombination. Die Kalbsleber mit Zwiebel mit knackigem und gut gewürztem Apfel sowie einem in diesem Zusammenhang sinnvoll buttrigen Erdäpfelpüree hat die Pole Position im Beliebtheits-Ranking unter den Gästen - ein Bissen von der zarten Leber und man versteht, warum. Dazu schenkt Rameder Chardonnay 2000 Smaragd von Franz Hirtzberger ein – wo kann man das sonst noch haben? Vielleicht irgendwo in New York, in Österreich eher selten, wo ja nicht nur Hirtzbergers, sondern auch die Weine anderer großer Weißweinwinzer viel zu jung vernichtet werden.
 
Beim Maibock braucht man mehrere kräftige Schlucke vom Axpoint 2002, denn das Stück Wild ist richtig rosa gegart, aber etwas trocken. Die Kirschen im Ragout mit Maibock, die dazu gereicht werden, versuchen ihr Bestes, dem Ganzen Saft zu verleihen. Großes Lob verdienen dann die Nachspeisen, gebackene Hollunderblüten mit einer genialischen Vanillesauce oder gratinierte Erdbeeren, ein leider vollkommen aus der Mode geratenes Frühsommerdessert aus der guten alten Witzigmann-Ära. So köstliche Desserts kriegt man sogar im Mehlspeisenparadies Wachau nicht an jeder Ecke, ja nicht einmal an jeder zweiten.
 
Das oft gesungene Loblied auf die Weine des Hauses Hirtzberger muss an dieser Stelle durch eine kleine Strophe ergänzt werden. Was Matthias Hirtzberger für die Weinhofmeisterei keltert, darf jetzt schon als große Sache bezeichnet werden. Der Papa hat da sicher eine Meng Ezzes gegeben. Grüne Veltliner und Rieslinge von bezwingender wie vergnüglicher Frische und Reichtum an Aromen sind das, leichter zwar als die Weine der Hitzbergers, aber keine Leichtgewichte.
 

Restaurant Hofmeisterei Hirtzberger
3610 Wösendorf in der Wachau, Hauptstraße 74
Tel. +43 2715 22 931
restaurant@hofmeisterei.at
www.hofmeisterei.at



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