Duell der Verschlüsse: Schrauber schlägt Kork

Duell der Verschlüsse: Schrauber schlägt Kork

Duell der Verschlüsse: Schrauber schlägt Kork


Eine spannende Verkostung organisierte kürzlich Relais&Chateau-Hotelier Christian Thiery im Vinothekskeller von Schloss Dürnstein: gute und gereifte österreichische Weiß- und Rotweine mit unterschiedlichen Verschlüssen. Das lief erwartungsgemäß auf ein vinophiles Match Schrauber gegen Kork hinaus. Ins Glas gelangten ausschließlich namhafte Weine der Jahrgänge 2002 bis 2015, wovon von jedem Wein zumindest zwei Verschlussvarianten gegeneinander antreten mussten.

Das Ergebnis gleich vorweg: der Schrauber setzte sich bei 17 von 22 Weinproben durch, der Kork viermal und der Glasverschluss einmal. Wobei Glas nur in insgesamt vier Runden ins Rennen geschickt wurde. So eindeutig das Ergebnis ausfiel, die Wahrheit liegt im Detail. Soll heißen: so abgeschlagen wie das Ergebnis vermuten lässt, war der Kork nicht. Er lag im direkten Vergleich manchmal nur knapp hinter dem Schrauber. Bewertet wurde nach dem klassischen 20-Punkte-System von Vinaria. Die ausgewiesenen Bewertungen wurden gemittelt. Für das Match Schrauber gegen Kork zählte die Punktewertung nur im direkten Duell.

Die Bandbreite war entsprechend groß: die niedrigste Wertung mit 14,18 Punkten erfuhr ein mit Glas verschlossener Riesling 2007 Steinterrassen von Erich Machherndl aus der Wachau, dessen verschraubtes Pendant allerdings beachtliche 16,27 Punkte erreichte. Die höchsten Wertungen fuhren erwartungsgemäß die großen Rotweine ein: 18,39 verschraubte Punkte für Albert Gesellmanns G 2004 vor dem G 2002 und dem Opus Eximium 2003 (je 18,15).

„Die spannenden Verkostungsergebnisse bestätigen unsere bisherige Einschätzung: Drehverschluss im Durchschnitt am besten, gute einzelne Flaschen mit perfektem Kork aber toll“, meinte Meisterwinzer Willi Bründlmayer nach Studium der Details. Er sieht aber auch Licht am Korkhorizont: „Von den ab 2015 bei uns verkorkten Flaschen mit individuell und vollständig geprüften Korken hatten wir noch keine einzige schlechte Flasche dabei!“

Schmunzelnd enttäuscht gab sich in Rust im Burgenland Kurt Feiler, neuerdings Präsident der Renommierten Weingüter Burgenland (RWB), der drei Weine im Rennen hatte: „Eigentlich hätte ich mir erwartet, dass die Schrauber alle Vergleiche gewinnen!“

Conclusio – Ungeachtet von Tradition und Etikette, von Prestige und Emotion bewies diese Degustation einmal mehr, dass der Schraubverschluss auch bei längerer Lagerung eine seriöse Alternative zum fehleranfälligen Korken abgibt. Auch wenn die haptische Emotion Domäne des Korkens bleibt: mit Kapsel, Korkenzieher, dem sinnlich „Blopp“ und dem Riechen am feuchten Ende des Rindenstücks.

Glas bleibt eine Nische und hat sich nicht durchgesetzt, das mag an den Kosten liegen und am Erfolg des Schraubers. Wiewohl namhafte Winzer wie Fred Loimer in Langenlois oder die Tements in der Südsteiermark mit den Glasverschlüssen sehr erfolgreich sind. Zu Recht keinen Markt hat der Kunststoff-Verschluss, abseits jung zu trinkender und billiger Massenweine.



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