Zwei Loire-Chateaus mit neuen Eigentümern

Zwei Loire-Chateaus mit neuen Eigentümern

Zwei Loire-Chateaus mit neuen Eigentümern

An der Loire haben zwei bekannte Chateaus den Eigentümer gewechselt: die Milliardäre Martin und Olivier Bouygues kauften Chateau Clos Rougeard, wie vor wenigen Tagen bekannt wurde. Schon vor ein paar Wochen bekam Chateau de Sancerre neue Eigentümer.

Clos Rougeard zählt zu den Kult-Chateaus an der Loire und ist für seine reinsortigen Rotweine der Rebsorte Cabernet Franc und seine ebenfalls reinsortig ausgebauten Weißweine der Sorte Chenin blanc bekannt, letztere besonders rar. Seit Monaten brodelte die Gerüchteküche wegen des Verkaufs, ein Kaufpreis wurde nicht genannt, dieser dürfte aber erheblich sein. Das Closing des Deals fand vor wenigen Tagen statt.

Die Käufer Martin und Olivier Bouygues zählen mit einem Vermögen von 2,3 Millarden Euro zu den reichsten Franzosen. Ihr Geld haben sie vor allem in der Bau-, Immobilien- und Telekombranche verdient. Die beiden sind bereits Mitbesitzer von Château Montrose in St-Estèphe, Bordeaux. Der Verkauf wurde 18 Monate nach dem überraschenden Tod von Charly Foucault bekannt, die Clos Rougeard gemeinsam mit seinem Bruder Nady Foucault zum Kult-Weingut machte.

Wieder einmal dürfte die absurd hohe französische Erbschaftssteuer den Ausschlag für den Verkauf gegeben haben. Bis zu 55 Prozent des Verkehrswertes (!) müssen selbst Erben in direkter Linie (Eltern, Kinder) bezahlen. Das ist bei den enorm hohen Grundstückswerten in den Topweinregionen Frankreichs aus dem Betrieb selbst erfolgreicher Chateaus kaum zu finanzieren. Daher kommen in weiterer Folge als Käufer meist Banken, Versicherungen, Fonds, Großkonzerne – oft aus China – oder schwerreiche Entrepreneurs zum Zug.

Charly and Nady Foucault machten Chateau Clos Rougeard zum Vorzeigebetrieb in der Saumur Region an der Loire. Die Fachpresse attestierte mehrfach, dass die Brüder den weltweit besten Cabernet Franc produzieren. Die Foucault-Familie führte das Chateau in achter Generation in Saumur-Champigny, die Grundsteine des Chateaus wurden bereits 1664 gelegt.

Schon vor einigen Wochen wurde an der Loire Château de Sancerre verkauft, und zwar vom Campari-Konzern an die an der Loire ansäßige Maison Ackerman-Gruppe. Als Kaufpreis für Château de Sancerre mit 55 Hektar Rebfläche, allen Gebäuden und Produktionsanlagen wurden 20,5 Millionen Euro genannt. Die Ackermann Gruppe ist die Wein-Division des französischen Agrarkonzerns Terrena.

Campari selbst hatte Château de Sancerre erst im Vorjahr im Zuge eines großen Pakets erworben. Vorbesitzer Alexandre Marnier Lapostolle, Gründer und Erfinder der Weltmarke Grand Marnier und des Cognac Liqueur, verkaufte seine komplette Unternehmensgruppe unter dem Dach seiner Holding Société des Produits Marnier Lapostolle im Vorjahr um 490 Millionen Euro an Campari. Im Paket enthalten auch Château de Sancerre sowie das chilenische Weingut Lapostolle.

Campari verkaufte danach das Weingut Lapostolle in Chile um 30 Millionen Euro an Vorbesitzer Alexandre Marnier Lapostolle zurück und Château de Sancerre eben an die Ackerman-Gruppe. Der Kaufpreis von 20,5 Millionen Euro ist wohl nur durch den Wert der Liegenschaften zu rechtfertigen, zumal der Jahresumsatz von Château de Sancerre nur 3,5 Millionen Euro beträgt.

Campari ordnete im Zuge dieser Deals auch sein Weingeschäft in Italien neu. Die Weingüter Sella & Mosca und Terruzzi & Puthod wurden um kolpiortierte 62 Millionen Euro an den Händler Terra Moretti abgegeben. Dafür kaufte Campari die Welt-Ginmarke Bulldog für 58,4 Millionen Dollar (53 Millionen Euro).
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