Ein König sagt ade: Adi Schmid in Pension

Ein König sagt ade: Adi Schmid in Pension

Steirereck-Legende Adi Schmid nach 41 Jahren in Pension


Er wurde verabschiedet wie ein König. Und ein König ist er auch: Adi Schmid (63), der König der Sommeliers in Österreich. Nach fast 41 Jahren Dienst als „Weinkellner“ im Steiereck ging Adi in Pension. Das Steirereck, Österreichs bestes Restaurant, bereitete ihm einen königlichen Abschied.

Viele Stammgäste waren dabei, am letzten Arbeitstag von Adi Schmid im Steiereck. Einige haben geweint. Gut 100.000 Gäste hat Adi in seinen 41 Jahren betreut, sehr viele über Jahrzehnte. Freundschaften sind da entstanden. Den Rekord an Firmentreue im Gastro-Business dürfte er ohnehin halten. Darauf sind auch seine Chefs, pardon: Ex-Chefs Birgit und Heinz Reitbauer stolz. Eine hohe Latte für seinen Nachfolger, Renè Andrag, den Adi seit zehn Jahren aufgebaut hat und dem er zum Abschied Rosen streut: „Ein toller Bursche!“

Aushelfen und einmischen will er sich nicht mehr. Das möchte er seinem Nachfolger nicht antun. Ins Steirereck aber, da kommt er auch in der Pension immer wieder gerne. Sonst widmet sich Adi Schmid – seit vielen Jahren auch Kolumnist von Vinaria – künftig vermehrt seiner Frau Margit, den beiden erwachsenen Kindern, seinem Weinkeller in Zellerndorf im Weinviertel, wo gut 12.500 Flaschen lagern. Und natürlich den großen Hobbys, der Oper und dem Fußball.

Eigentlich wäre er am liebsten Fußballer geworden, der junge Adi Schmid aus Kirchberg am Walde im oberen Waldviertel. Einer von drei Söhnen des örtlichen Fleischhauers und Gastwirten. Real ging er aber nach Wien in die Lehre, Koch und Kellner, aber „kochen war nie das meine“. Angefangen hat im Gasthaus zum Hochstrahlbrunnen in der Nähe des Schwarzenberg-Platzes. Dort lernte er auch Heinz und Margarete Reitbauer kennen, die Stammgäste waren. Eines Tages auch Klein-Heinzi, seinen späteren Chef, Österreichs besten Koch.

Über Zwischenstationen landete Adi Schmid im alten Steirereck in der Rasumovskygasse im 3. Bezirk. Start war am 11. Oktober 1976, das Steirereck damals noch ein einfaches Wirtshaus, wo Bier und G’spritze getrunken wurden und „Hektoliterweise der saure Schilcher“, wie sich Adi Schmid mit Schaudern erinnert.

1976, überhaupt ein Schicksalsjahr. Schmid heiratet seine Margit. Franz Klammer wird Olympiasieger in Innsbruck. Die Reichsbrücke stürzt ein. Niki Lauda kommt am Nürburgring fast ums Leben. Danach ging es Schlag auf Schlag. Heinz Reitbauer bereist mit Rudi Kellner Frankreich, bringt von jeder Reise ein Stückchen feine französische Küche mit. Und Weine, vor allem Weine aus dem Bordeaux und dem Burgund.

Adi Schmid arbeitet sich als Autodidakt ins Thema ein, kauft wie besessen Weine, kostet daheim und blind. Wird 1985 Sommelier des Jahres, einer der ersten. Er fährt in die Wachau, holt von dort einen tollen Muskateller eines Franz Pichler, begleitet diesen später als F.X. zur Winzer-Weltkarriere. Wie Knoll, Hirtzberger & Co. Josef Jamek kam einst ins Steirereck, speiste anonym, war begeistert und entschied: „Wenn Sie wollen, liefern wir unseren Wein auch.“ War damals nicht üblich, die Winzer fuhren kaum selbst in die große Stadt.

Der Wachau bleibt Adi Schmid als Herzensfan verbunden. Sonst zieht es ihn ins Bordeaux (rot), Burgund (weiß) und in die Champagne. Im Steirereck hütet er über 30.000 Flaschen im Keller, hatte „immer viel Arbeit, aber auch viel Spaß.“ Im Dienst trank er nichts, aus Überzeugung. Trends gegenüber war er stets aufgeschlossen, auch den Natural Wines: „Sonst wird man schnell alt, verliert den Kontakt zu den Jungen.“

Über die Unterschiede seine Gäste einst und heute kann man mit Adi Schmid philosophieren. Früher kamen die Gäste aus dem Staunen nicht heraus, waren dankbar für einen Tisch. Heute ist jeder Gast ein Tester. Seine Eindrücke sind via Internet und Sozialen Medien fast in Echtzeit online, öffentlich. Fake News inklusive. Erwartungshaltungen sind immer schwerer zu erfüllen. Alles ist offener, gefährlicher geworden, aber „ich war immer locker, was soll’s?“

Ist das Steirereck eigentlich gerecht bewertet, mit 99 Punkten, 4 Hauben, zwei Sternen? „Klar, besser geht’s gar nicht“, ist Adi Schmid überzeugt. Ein 3. Stern? „Den wird es für Österreich so schnell nicht geben“, meint der Meister, „aber ist auch egal, der Guide Michelin ist sowieso überschätzt.“ Viel wichtiger sei aktuell das Ranking „World’s 50 Best Restaurants“, ehemals die San Pellegrino Liste. Da liegt das Steirereck unter den Top Ten der Welt! „Das bewegt die Gäste weltweit, das ist modern, das spüren wir im Geschäft, jeden Tag“, strahlt der Sommelier a.D. Das Ranking ist modern, jung, dynamisch; da sehen die Sterne alt aus.

Reisen möchte er noch viel, der Adi Schmid, mit Ehefrau Margit. Wein- und Opernreisen. Vor allem Richard Wagner hat es ihm angetan. Dazu der Fussball. Den Goldenen Weltpokal trägt Adi stets am Revers seiner Sakkos. Ein spontanes Geschenk des früheren FIFA-Präsidenten Jospeh Blatter, als dieser im Steirereck speiste. Und einen Korkenzieher wird er auch immer bei sich haben, wie 41 Jahre lang im Steirereck, weil „ohne den fühle ich mich nackt.

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