Interview: Auf ein Glas mit Elisabetta Foradori

Interview: Auf ein Glas mit Elisabetta Foradori

Interview: Auf ein Glas mit Elisabetta Foradori


Visionärin und Pionierin der lokalen Sortenraritäten ihrer Heimat Trentino, ist Elisabetta Foradori auch Prototyp einer Frau und Winzerin, die dank klarer Vorstellungen, Entscheidungsfreude und Konsequenz jegliche Hürden in diesem stark von Männern dominierten Gewerbe überwinden konnte.

Vinaria: Sie haben in sehr jungen Jahren den Betrieb übernommen – was hat Sie zu dieser Entscheidung geführt?

Elisabetta Foradori: Diese Entscheidung war für mich schon damals, mit 19 oder 20 Jahren, selbstverständlich und hatte auch damit zu tun, die Verantwortung in unserer damaligen Situation zu übernehmen: Mein Vater war früh verstorben und das Weingut hätte in der Form nicht überleben können. Wir haben unsere Weine nur in der Gegend verkauft, viel im Gebinde, nur ein Fass abgefüllt. Ich bin stolz, Winzerin und Bäuerin zu sein.

V: Wie haben Sie sich Respekt verschafft?

E.F.: Schlicht und einfach dank meiner klaren Visionen und der Konsequenz, mit der ich meine Ziele verfolgt habe – ich tue, was ich sage.

V: Wann haben Sie mit der biodynamischen Bewirtschaftung begonnen und warum?

E.F.: Wesentliche Impulse lieferten meine tiefgreifenden Diskussionen mit dem elsässischen Winzer Marc Kreydenweiss sowie die Begegnungen und der Austausch mit Persönlichkeiten wie Jacques Mell, Pierre Masson und Adriano Zago. Wir haben bereits im Jahr 2000 die ersten Parzellen auf biodynamische Bewirtschaftung umgestellt, 2002 war dann der erste komplett biodynamische Jahrgang.

V: Was sind für Sie die Vorteile gegenüber der konventionellen Bewirtschaftung?

E.F.: Wenn man biodynamisch wirtschaftet, dann baut man im Laufe der Zeit Vertrauen zu den Reben bzw. Trauben auf – danach ist das Weinmachen einfach ein Dabeisein, ein Begleiten, in dem Respekt für den ehrlichen Ausdruck der Terroirs ein essenzielle Rolle spielt.

V: Sie haben vor vielen Jahren begonnen, mit Amphoren zu arbeiten; was war der Grund?

E.F.: Auf die Amphoren hat mich ursprünglich ein Freund aus Sizilien, Giusto Occhipinti vom bekannten Weingut, gebracht. Er hat mir gesagt: „Eli, du musst Amphoren probieren.“ Er hat mir den Kontakt vom spanischen Handwerker Padilla gegeben. 2009 haben wir die ersten Amphoren gekauft, heute haben wir insgesamt schon 160 im Keller. Die Amphoren haben zwischen 430 und 450 Liter Inhalt.

V: Warum die spanischen Tinajas und nicht die georgischen Qvevris?

E.F.: Wir haben mit den Tinajas begonnen und waren damit zufrieden. Qvevris haben wir nie ausprobiert.

V: Wie wirken sich diese Gefäße aus und wie beeinflussen sie die Weinwerdung?

E.F.: Ton ist ein Vermittler der Botschaft des jeweiligen Terroirs, schafft Gleichgewicht und erlaubt dank der großen Porosität sowie der „weichen“, runden Form der Amphore einen besonders langen Schalenkontakt (bis zu 9 Monate!), da es hier ja um eine allmähliche „Infusion“ und nicht um massive Extraktion geht.

V: Ihr Spitzenwein, der Granato, hat im Laufe der Jahre sehr starke Änderungen erfahren – wie sehen Sie die frühen Jahre?

E.F.: Am Anfang verwendeten wir zu 100% neues Holz, nur Barriques. In der Folge gab es einen gewissen Anteil an gebrauchten Fässern. Im Laufe der Jahre haben wir den Anteil an neuem Holz sukzessive reduziert, auch haben wir die Fassgrößen umgestellt. 2002 bis 2008 wurde der Granato je zur Hälfte in gebrauchten Barriques und großen Fässern ausgebaut. Ab 2009 gab es dann nur mehr große Fässer, bis zu 20% davon neu.

V: Ist die heutige Version des Granato besser oder einfach anders?

E.F.: Die heutige Version des Granato ist von meinem Sohn Emilio geprägt, insoferne spricht der heutige Granato auch seine Sprache.

V: Ihre drei Lieblingsjahrgänge beim Granato?

E.F.: 1986 – 1995 – 2015

V: Wie stark sind Ihre Kinder im Betrieb involviert?

E.F.: Emilio ist seit drei Jahren verantwortlich für Weinberg und Keller, Theo teilt seine Zeit zwischen seinem Hauptberuf als Fotojournalist und als Botschafter für Foradori, Myrtha ist zurzeit in Quebec und arbeitet an einem Gemüseprojekt, das später dann in den Dolomiten umgesetzt werden soll.

V: Ihre alten Weingärten sind vielfach noch in Pergelerziehung mit unterschiedlichen Selektionen (Massale) – wie arbeitet man mit Pergola, wie wichtig ist Massale?

E.F.: Die Vielfältigkeit der Genetik ist zusammen mit der biodynamischen Landwirtschaft das wichtigste Thema für uns. Massale-Selektionen sind bei Teroldego und Nosiola seit 30 Jahren durchgeführt worden. Ich bin außerdem dabei, mit Rebsamen zu arbeiten. Die alte Pergola bietet darüber hinaus Platz für eine wunderbare landwirtschaftliche Vielfalt: Unter der Pergel machen wir z.B. Heu für unsere Kühe, bauen Gemüse an und erzeugen Polenta.

V: Bei welchen Temperaturen sollte man Ihre Weine trinken, wie lange lüften und warum?

E.F.: Um die 14 oder 15 Grad servieren, weiß wie rot, in großen Gläsern. Dann muss man warten, bis die Weine mit der Energie in Kontakt kommen und sich entfalten.


ZUR PERSON - Elisabetta Foradori wurde 1965 in Mezzolombardo im italienischen Trentino geboren. 1984 nach Erlangen ihres Diploms für Weinbau und Kellerwirtschaft übernahm sie die Leitung des Weinguts der Familie. Zwei Jahre später fertigte sie die Erstauflage ihres Kultweins Granato. 1988 heiratete sie den in Südtirol ansässigen Agrarphilosophen Rainer Zierock. Dieser Ehe entstammen die Kinder Emilio (1988), Theo (1990) und Myrtha (1991). Aus einer späteren Partnerschaft stammt ihr Sohn Johannes (2003). Im Jahr 2000 begann Foradori mit der Umstellung auf biodynamische Bewirtschaftung. 

Bildtexte:
Elisabetta Foradori

© Peter Schleimer

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