Österreichs beste Rote aus dem Jahrgang 2011

Österreichs beste Rote aus dem Jahrgang 2011

Österreichs beste Rotweine aus dem Jahrgang 2011


Das Jahr 2011 hat sich unter den österreichischen Rotweinfreunden zweifellos einen legendären Ruf geschaffen. Wenn man die besten Rotweinjahre Revue passieren lässt, so werden immer 2011 und an zweiter Stelle wohl 2006 genannt, an der dritten Position könnte eventuell 2009 folgen. Was waren eigentlich die Kennzeichen des fabelhaften 2011ers? Wenn man die Notizen der Jungweine, der Premium-Rotweinverkostung vom Dezember 2013 und die aktuellen Degustationsnotizen vergleicht, kommen immer wieder die gleichen Attribute zum Vorschein. Diese sind eine tiefe Farbgebung und ein ausgereiftes, tieffruchtiges Bukett, in dem die sogenannten „blauen“ Fruchtnoten den Ton angeben.

Immer wieder wurden Heidelbeeren und Brombeeren, schwarze Kirschen und Weichseln als Assoziationen genannt, aber auch Kräuterwürze und pfeffrige Nuancen kamen nicht zu kurz. Bei den besten Weinen setzen sich diese Eindrücke am Gaumen gleichsam nahtlos fort: Auch dort überwogen die dunkelfruchtigen Aromen gegenüber den rotbeerigen deutlich. Die Tanninfülle der 2011er war und ist durchaus beachtlich, in den besten Fällen aber als reifer, samtiger Gerbstoffhintergrund zu apostrophieren. Bei den Blaufränkischen kommt hin und wieder eine recht rassige Säure hinzu, was den Weinen viel Charakter und Expression verleiht.

Der Holzweg und die Eleganz - Gab es also keine störenden Komponenten in der heilen Welt der 2011er-Rotweine, wenn man einmal vom manchmal schon als gewagt zu bezeichnenden Preisniveau absieht? Hier sei ein Fingerzeig auf jenes knappe Drittel der mächtig gestalteten Rotweine erlaubt, die mit einer Unmenge von Eichendosis versehen wurden, wobei auch das Toasting zumeist übertrieben wurde. Nach rund sechs Jahren kann man auch behaupten, dass sich diese Fassbrand- und Gerbstoffnote nicht mehr einbinden und eine wirkliche Balance wohl ausbleiben wird.

Insofern sollte es den aufmerksamen Leser auch nicht verwundern, wenn der eine oder andere so geartete Tropfen mit einer niedrigeren Punktebewertung davonkam als vor einigen Jahren, denn nun ist der jugendliche Fruchtcharme allmählich gewichen, sodass andere Eigenschaften wie Eleganz und Harmonie zwangsläufig in den Vordergrund gerückt sind. Wenn diese aber durch den übertriebenen Holzeinsatz behindert werden oder nicht richtig zum Ausdruck kommen, ist dieser „Punkteschwund“ als berechtigte Folge anzusehen.

Alles in allem gab es aber ein sehr ordentliches Niveau, was sich in den hohen Noten für die besten Weine deutlich bemerkbar macht. Am allerbesten haben ohne Zweifel jene Gewächse abgeschnitten, die große Substanz und Dichte mit Eleganz, Feingliedrigkeit und entsprechendem Trinkfluss verbinden konnten. Bei den Blaufränkischen hat diese Attribute der siegreiche Blaufränkisch Goldberg von Familie Prieler auf unnachahmliche Weise vereint. Die weiteren Trophy-Preisträger sind vielleicht insofern eine kleine Überraschung, als man mit einem Zweigelt unter den ersten drei selten rechnet. Dieses Kunststück hat der Schüttenberg von Philipp Grassl vollbracht, der seine jugendliche Hochform bestens erhalten hat und in seiner Bordeaux-Affinität wohl kaum als österreichischer Rotwein erkannt worden wäre und schon gar nicht als Zweigelt.

An dieser Stelle sei auch lobend auf einen völlig anders gearteten Zweigelt hingewiesen, nämlich auf den hauchzarten und leichtfüßigen Zweigelt Haide von Schloss Gobelsburg, der mit Flaschenreife zu ungeahnter Feinheit herangewachsen ist. Auch der nächste Wein für unsere Hall of Fame sorgte zunächst für etwas Erstaunen. Dabei handelt es sich nämlich um den wunderbar eleganten, finessereichen Merlot vom Ungerberg des Weingutes Leitner, der in seiner distinguierten und vielschichtigen Art durchaus mit einem sehr guten Pomerol-Cru verglichen werden kann. Überhaupt war der Jahrgang 2011 naturgemäß für die Bordeaux-Rebsorten prädestiniert. Dies bewiesen auch die besonders konturierten und Cassis-fruchtigen Cabernet Sauvignons der Weingüter Prieler und Kollwentz in eindrucksvoller Weise. Auch die kraftvollen, aber nicht zu mächtigen Merlot-Versionen von Uwe Schiefer und Gerhard Pittnauer sowie der etwas üppige, aber dennoch beeindruckende Harterberg von Leo Aumann wussten zu gefallen.

Hohe Reife, feingliedrige Textur - Auch die besten Cuvées wussten sozusagen hohe Reife mit feingliedriger Textur und tiefem, saftigem Fruchtkern zu verbinden. Allen voran bewiesen dies der nunmehr nach langer Anlaufzeit zu erster Hochform aufgelaufene „G“ von Albert Gesellmann, der ebenso vornehme wie konzentrierte Bärnreiser von Philipp Grassl und die eben erst in die Trinkreife kommende, verführerische und expressive Grande Cuvée d’Or von Franz Schindler. Nahezu ebenso beeindruckend waren aber der reichhaltige und noch immer recht straffe Comondor von John Nittnaus und die Cuvée Impresario von Paul Kerschbaum.

Bei den Blaufränkischen fiel wieder einmal auf, wie groß die Spannweite und Ausdrucksmöglichkeiten dieser österreichischen Haus-und-Hof-Rebsorte sind. Nach dem überaus beeindruckenden Trophy-Preisträger von Georg Prieler sei insbesondere der Lehmgrube-Blaufränkische des Mörbischer Weingutes Schönberger hervorgehoben, der dem Vorgenannten punkto Komplexität und animierender Art kaum nachstand, aber auch der attraktive und vielschichtige Bernreiser-Blaufränkische des Carnuntiner Erzeugers Walter Glatzer, der kraftvolle und glockenklare Perwolff von Reinhold Krutzler und der schon in seiner Jugend durch seine Struktur bestechende Blaufränkische von Schloss Halbturn seien noch einmal besonders hervorgehoben.

Die allerbesten Gewächse werden ihre Topform sicher noch in den nächsten fünf bis zehn Jahren ausspielen.


Toplist Österreichische Rotweine 2011 (Auszug)

18,6 Prieler | BF Goldberg
18,5 Philipp Grassl | ZW Schüttenberg
18,4 Leitner | ME Ungerberg
18,1 Gesellmann | Cuvée „G“
18,1 Schönberger | BF Lehmgrube
18,0 Philipp Grassl | Cuvée Bärnreiser
17,9 Krutzler | BF Perwolff
17,9 Franz Schindler | Grande Cuvée d’Or
17,8 Glatzer | BF Bernreiser
17,7 Prieler | CS Ungerbergen
17,7 Schloss Halbturn | BF
17,6 Kopfensteiner | BF Saybritz EB-R
17,6 A. & H. Nittnaus | Cuvée Comondor
17,5 Kirnbauer | BF V-MAX MB-R
17,5 Kollwentz | Cuvée Steinzeiler
17,5 Schiefer | ME „m“
17,4 Paul Kerschbaum | Cuvée Impresario
17,4 Pittnauer | ME Altenberg Reserve
17,2 Paul Achs | BF Altenberg
17,3 Silvia Heinrich | BF Goldberg Reserve
17,3 Hans Igler | BF Biiri MB-R
17,3 Kollwentz | CS
17,3 A. & H. Nittnaus | BF Tannenberg
17,2 Heribert Bayer | Cuvée In Signo Leonis
17,2 Judith Beck | BF Altenberg
17,0 Aumann | ME Harterberg
17,0 Preisinger | BF Ü
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