Weine aus Montefalco: Rote Titanen

Weine aus Montefalco: Rote Titanen

Weine aus Montefalco: Rote Titanen


Im Herzen Umbriens in Italien gelegen, ist die aufstrebende Weingemeinde Montefalco Heimat oft mächtiger, gerbstoffreicher Rotweine mit ebenso eigenständigem wie kontroversiellem Charakter und reichlich Lagerpotenzial. Vinaria widmete sich den Powerweinen vom Falkenberg im Rahmen einer Degustation aktueller Jahrgänge.

Als einzige küstenlose Region des Landes wirkt das Montefalco beherbergende Umbrien selbst wie das Herz der italienischen Halbinsel. Ursprünglich Siedlungsgebiet der Umbrer, war das Binnenland später Teil des Etrusker-, dann des Römerreichs; nach wechselnden Zugehörigkeiten schloss sich die Region im 19. Jahrhundert dem Königreich Italien an.

Touristisch und vor allem weinmäßig stand und steht Umbrien im Schatten seines nordwestlichen Nachbarn: Mit der weltberühmten Toskana samt ihren legendären Herkunftsweinen wie Chianti, Montalcino, Maremma & Co. im Nacken täte sich aber wohl fast jede andere Region schwer. Bis heute vielfach immer noch am bekanntesten als Produzent neutraler Weißweine in Gestalt der Kreszenzen aus der mit der Nachbarregion Latium geteilten DOC Orvieto, konnte die Region rotweinmäßig bereits vor genau einem halben Jahrhundert ihren ersten Achtungserfolg feiern. Dieser gelang mit der Gründung der ersten DOC Torgiano in der Provinz Perugia, der dank Qualitätsstreben von Visionär Giorgio Lungarotti unter Weinfreunden schon früh hohes Ansehen zuteil wurde.

Etwas mehr als eine Dekade später betrat aber dann schon Montefalco die DOC-Bühne, und Anfang der Neunzigerjahre kam schließlich die kontrollierte und garantierte Herkunft Montefalco Sagrantino (damals noch Sagrantino di Montefalco) dazu, die auch heute noch eine von nur zwei DOCGs Umbriens ist. Darüber hinaus verfügt die Region über 13 DOCs und 6 IGPs, aus denen 815.000 Hektoliter (2016) kommen.


Umbriens Balkon - In einer pittoresken und sanften, überwiegend von Weingärten und Olivenhainen bevölkerten Hügellandschaft situiert, liegt die weit weniger als 6000 Einwohner zählende Gemeinde Montefalco in Höhenlage auf etwa 430 Metern oberhalb der Flüsse Topino und Clitunno. Aufgrund der herrlichen Aussicht weit in die umgebenden Ebenen hinein wurde das mittelalterliche Städtlein auch mit dem Kosenamen „Balkon Umbriens“ bedacht.

Die Altstadt ist von einer mit vier Toren ausgestatteten Stadtmauer aus dem 13. Jahrhundert umgeben, der Ortskern ist gespickt mit historischen Bauwerken – darunter ein Museumskomplex, unter dem eine alte Kellerei der Franziskaner liegt, sowie gut ein Dutzend Kirchen, unter denen als wichtigste die Chiesa San Francesco mit Fresken und einem Zyklus vom berühmten Künstler Benozzo Gozzoli hervorsticht. Montefalco ist übrigens Geburtsort von immerhin acht Heiligen. Apropos Heilige: Im Norden liegt Assisi, wo der Hl. Franz wirkte.


Umgeben von Reben - Die zu Montefalco gehörigen DOC und DOCG erstrecken sich über fünf Gemeinden: Neben dem Namensgeber, dessen gesamtes Gemeindegebiet in der Herkunftszone liegt, zählen auch Teile der umliegenden Gemeinden Bevagna, Castel Ritaldi, Giano dell’Umbria und Guado Cattaneo dazu. Die Weingärten liegen auf 220 bis gut 470 Metern Seehöhe. Bei den Böden handelt es sich um durchlässige bis tiefgründige Lehmböden mit einem wechselnden Anteil an Steinen mit unterschiedlichem Kalkgehalt. Die Nuancen hinsichtlich Mikroklima und Bodenstruktur sowie auch Exposition sind durchaus vielfältig.

In Montefalco und der die Gemeinde umgebenden Hügellandschaft herrscht kontinentales Klima, im heißesten Monat Juli beträgt die Durchschnittstemperatur gut 25 °C. Dazu gibt es durchschnittlich rund 800 mm Niederschlag pro Jahr.

Die DOC Montefalco gilt für Weiß- und Rotweine, wobei Erstere entweder auf Trebbiano Spoletino oder Grechetto basieren, die im Verein mit diversen anderen Sorten verschnitten werden. Vertreter der DOC Montefalco Rosso sowie der dazugehörigen Riserva wiederum müssen zu 60 bis 80% aus der bekannten Sorte Sangiovese gemacht werden, dazu 10 bis 25 Prozent Sagrantino sowie 0 bis 30 Prozent einer nicht näher definierten Auswahl an „anderen Sorten“ – so kann es vorkommen, dass es sich bei dem Verschnittpartner um Merlot und/oder
Cabernet handelt, aber es kann sich auch z.B. um Barbera, Colorino oder eine
andere weniger vermutete Sorte handeln; oder es gibt gar keinen Verschnittpartner. Rosso ohne Zusatz darf frühestens nach 18 Monaten in den Verkauf gelangen, Rosso Riserva frühestens nach 30 Monaten, von denen 12 Monate im Eichenfass sein müssen.

Weine, die die DOCG Montefalco Sagrantino am Etikett tragen, müssen zu 100 Prozent aus dieser Traube stammen; die Lagerzeit beträgt bei diesen Weinen (sinnvollerweise) 37 Monate, davon mindestens 12 Monate in Eichenfässern.
Obwohl die Rebfläche stark zugenommen hat, ist das Gebiet immer noch wirklich klein (kleiner etwa als die Wachau): Die DOC Montefalco verfügt gerade einmal über 410 Hektar, jene der DOCG Sagrantino 610 Hektar – wobei sich gerade Letztere von 2000 bis 2016 verfünffacht hat! Im letzten Jahrzehnt sind 30 neue Kellereien entstanden. Es ist also noch sehr viel in Bewegung in diesem Gebiet, das auch noch nicht über eine wahnsinnig lange Qualitätsweinbautradition verfügt.


Rote Raubeine - Mächtig und tanninreich – die Top-Roten aus Montefalco machen zweifellos Eindruck. Dass dieser nicht bei allen Weinaffinen gleich positiv ausfällt, liegt an deren Persönlichkeit: Die Kraftlackel verhalten sich nämlich am Gaumen oft wie Rowdys – forsch und fordernd. Verantwortlich dafür ist die vielfach gepriesene Sorte Sagrantino, deren Urheimat manche in Kleinasien, andere in Spanien vermuteten; es dürfte sich aber um eine autochthone Sorte der Region handeln. Dickhäutig, früh blühend, dafür spät reifend, ergibt der Sagrantino tiefdunkle Rotweine mit sehr hohem Gehalt an Polyphenolen und massiven Gerbstoffen, die aufgrund der späten Reife und augenscheinlich sehr guten Assimilation ziemlich wuchtig ausfallen – das Einstiegslevel liegt meist bei 14+ Volumsprozent Alkohol.

Doch findet man in Montefalco eben nicht nur gänzlich aus Sagrantino bestehenden Raubeine – es gibt auch die gezähmteren Varianten in Gestalt der Rossi und deren Riservas. Diese Weine liegen preislich weit (Rosso) bis einiges (Risvera) unter den Sagrantinos, sie können aber, aus gutem Hause kommend, von ausgezeichneter Qualität sein; dementsprechend findet man hierunter auch eine Reihe von Preis-Leistungs-Weinen.

Die Verkostung war so herausfordernd, wie erwartet. An der Spitze stand der 2011er-Sagrantino von der nur sieben Hektar Rebfläche umfassenden Tenuta Bellafonte, die auf entrappen ohne quetschen der Beeren und Gärung mit auf Naturhefen in ihren unterirdischen Kellern vertrauen. Knapp dahinter landete der 2012er von Brocateli Galli, die bereits seit dem 18. Jahrhundert Weinbau in Umbrien betreiben und sowohl in Montefalco also auch Torgiano Flächen besitzen. Eine große Landwirtschaft mit insgesamt 170 Hektar Feldern und Weingärten gehört zum drittplatzierten Weingut Antonelli, die ebenfalls mit 2012 reüssierten und sich mit ihrem behutsamen Einsatz von Holz und dem Streben nach mehr Eleganz hervorgetan haben.

Dahinter folgte der 2010er des Weinguts Alzatura der bekannten toskanischen Cecchi-Familie, die Ende der 90er-Jahre nach Umbrien vorstießen. Ähnlich gut der aus dem selben Jahrgang stammende Rosso Riserva von Perticaia, dessen Besitzer Guardigli Jahrzehnte in der Toskana tätig war und sich in Umbrien den Traum des eigenen Weinguts mit 16 Hektar erfüllt hat; ein Spitzenbetrieb, der ebenfalls auf eine etwas modernere Stilistik setzt.

Winzertipps

Adanti
www.cantineadanti.com

Tenuta Alzatura
www.tenuta-alzatura.it

Antonelli San Marco
www.antonellisanmarco.it

Tenuta Bellafonte
www.tenutabellafonte.it

Bocale di Valentini
www.bocale.it

Viticoltori Broccatelli Galli
www.broccatelligalli.it

Arnaldo Caprai
www.arnaldocaprai.it

Colle del Saraceno – Francesco Botti
www.cantinabotti.com

Còlpetrone – Tenute del Cerro
www.colpetrone.it

Fattoria Colsanto
www.livon.it

Agr. Goretti Produzioni Vini
www.vinigoretti.com

Antano Milziade – Fattoria Colleallodole
www.fattoriacolleallodole.it

Montioni Gabriele
www.gabrielemontioni.it

Moretti Omero Azienda Agraria
www.morettiomero.it

Perticaia
www.perticaia.it

Scacciadiavoli
www.scacciadiavoli.it

Tabarrini
www.tabarrini.com

Terre de la Custodia
www.terredelacustodia.it

Tudernum
www.tudernum.it



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