So will Christian Petz weiter machen

So will Christian Petz weiter machen

So will Christian Petz weiter machen


In der Wiener Gastroszene geht es rund: Nach der spektakulären Millionenpleite des davor selbst ernannten „Edel-Asiaten“ Aï im Goldenen Quartier, hat es einen der besten Köche Österreichs erwischt: Christian Petz musste mit seinem Wirtshaus „Petz im Gußhaus“ im 4. Bezirk Insolvenz anmelden. Der grandiose Küchenchef, am Zenit seiner Karriere mit drei Hauben und einem Stern im Meinl am Graben ausgezeichnet, lässt sich aber nicht unterkriegen. Das Lokal soll nahtlos weitergeführt werden.

Petz plant, das Beisl schon morgen, Dienstag (5. Juni 2018) regulär nach den beiden Ruhetagen zu öffnen. Seine Stammgäste bekunden Treue und es wird in den kommenden Wochen sicher schwierig sein, ohne Reservierung einen Platz zu ergattern. Am Konzept – edle Wirtshausküche, nur Abendbetrieb – will und kann der Chef im Moment nichts ändern. Wenn die Rechnung stimmt, wird der Masseverwalter dem Fortbetrieb wohl zustimmen. An der Bestellung eines Geschäftsführers wird Christian Petz aber nicht herum kommen.

Petz ist ein ebenso kreativer wie sensibler Meister seines Fachs. Seine hohe Kompetenz hat er beim Meinl am Graben und danach im Palais Coburg bewiesen. In lichten Höhen der obersten Liga der Küchenchefs in Österreich. Der Spezialist für Innereien hat sich danach über den Umweg des Badeschiffs im Donaukanal den Traum vom eigenen Wirtshaus erfüllt.

„Petz im Gußhaus“ in 1040 Wien, Gußhausstraße, wurde sein Domizil. Das Edelbeisl machte rasch Furore, einen der wenigen Tische zu ergattern, war durchaus eine Herausforderung. Seiner puristischen, auf den Herd konzentrierten Denkweise ist es zu schulden, dass Christian Petz in seinem Lokal alles selbst machen wollte, sich daher auf eine überschaubare Platzanzahl konzentrierte. Zu klein möglicherweise in Kombination mit nur fünf Abenden pro Woche (DI-SA). Dazu kam, dass sich der Chef auf die Speisen konzentrieren wollte, nur ein kleines Weinangebot auf die Karte nahm. Dafür konnten die Gäste gegen kleines Stoppelgeld ihre eigenen Weine mitbringen (BYO = Bring Your Own). Auch diese Erträge fehlten möglicherweise am Ende.

Buchhaltung und Verwaltung waren sicher auch nicht die Stärke des Christian Petz, haben ihn nie sonderlich interessiert. Zudem scheint er sehr schlecht beraten gewesen zu sein. Dem schmalen wirtschaftlichen Grat setzte schließlich die Wiener Gebietskrankenkasse (WGKK) ein Ende, brachte den Insolvenzantrag ein. Die Kreditschutzverbände berichten von vergleichsweise überschaubaren Außenständen.

Damit stellt sich die Petz-Insolvenz ganz anders dar als die Millionenpleite des Aï. Chuzpè am Rande: Ausgerechnet Petz‘ Verpächter in der Gußhausstraße, der Rechtsanwalt Walter Kainz, wurde zum Masseverwalter des Aï bestellt. Dort ist die Schließung aber fix.

„Crazy Lobster“ wirft Handtuch - Unterdessen wirft ein weiteres Wiener Restaurant, das sich zur Crème de la Crème der Szene zählt, das Handtuch: Im „Crazy Lobster“ gingen am 31. Mai 2018 sehr überraschend die Lichter aus. Der Steak- & Lobster-Tempel in der Naglergasse 21 im 1. Bezirk wurde mit einer Vorlaufzeit von kaum 48 Stunden dicht gemacht. Die um Anonymität bemühte Besitzerfamilie macht eine Übersiedlung ins Ausland für den finalen Cut verantwortlich. In Statements für die Online-Plattform gastroNEWS.wien wird von gutem Geschäftsgang bis zuletzt, viel Euphorie, toller Marke und super Gästen gesprochen. Auch die Website war am Montag noch aktiv. Warum man das Restaurant dann nicht weitergab, verpachtete oder verkaufte, bleibt offen. Kann sich jeder seinen eigenen Reim drauf machen. Insolvent ist der Betrieb nach aktueller Auskunft aber nicht.

www.gusshaus.at
www.crazylobster.at
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