Jetzt fix: Die Wachau wird DAC-Region!

Jetzt fix: Die Wachau wird DAC-Region!

Fix ab 2019: Die Wachau wird DAC-Region!


Was noch vor nicht allzulanger Zeit als Ding der Unmöglichkeit galt, kommt nun in Riesenschritten: Die Wachau wird spätestens mit dem Jahrgang 2019 DAC-Region! Das schlägt in der Weinwelt wie eine Bombe ein. Jetzt kommen auch Carnuntum, Wagram und Thermenregion unter Zugzwang.

Nach unendlich langem Tauziehen haben sich die Winzer im Regionalen Weinkomitee Wachau unter Obmann Anton Bodenstein (Weingut Prager) auf die dreistufige Qualitätspyramide geeinigt: Riedenweine an der Spitze, darunter Ortsweine und an der Basis Gebietsweine. Die bekannten Bezeichnungen der Vinea Wachau – Steinfeder, Federspiel und Smaragd – können beibehalten werden.

Hunderte Stunden Diskussion, unzählige Termine in großen und kleinen Runden, Vier-Augen-Gespräche und Besuche im Burgund wurden von den Wachauer Weinbaufunktionären und Winzern absolviert. Am Ende steht ein DAC-System unter der Herkunftspyramide, das spätestens mit dem Jahrgang 2019 eingeführt werden wird. Mit etwas prozessualem Druck würde es auch schon mit dem Jahrgang 2018 klappen, aber die Zeichen stehen am Folgejahrgang. Bis dahin sei auch der Riedenkataster fertig, gibt sich Vinea-Obmann Emmerich H. Knoll zuversichtlich.

Schwere Geburt - Fast zwei Jahrzehnte scheiterten alle Bemühungen des Weinbauverbandes und der ÖWM unter der Ägide der DAC-Verfechter Josef Pleil (Weinbaupräsident a.D.) und ÖWM-Chef Willi Klinger. Legendär ist Josef Pleils steter Sager: „Ich habe nichts gegen den Codex Wachau, aber der Kellereiinspektor soll diesen kontrollieren.“ Sollte heißen: Der Codex ist an sich ein privates Regelwerk des Vereins Vinea Wachau, hat aber keine Gesetzeskraft. Die Vinea hat etwa 220 Mitglieder, die Wachau aber rund 1000 Winzer.

Nun wird dieser Codex weitgehend in die gesetzlichen Verordnungen zur künftigen Wachau DAC-Region einfließen. Den Stein endgültig ins Rollen brachte das jüngst eingeführte DAC-System der Steiermark, das eine Reihe von Rebsorten zuließ. Davor waren meist nur eine Rebsorte (Beispiel: Weinviertel, Grüner Veltliner; Burgenland, Zweigelt) oder zwei Rebsorten zugelassen (Beispiel Kamptal, Kremstal, Traisental: Grüner Veltliner, Riesling).

Die Qualitätsspitze in der Wachau werden künftig die Riedenweine einnehmen, hier allerdings nur Grüner Veltliner und Riesling. Eine Stufe darunter dann der Ortswein, für den sieben regionaltypische Sorten zugelassen sind: neben Veltliner und Riesling noch Weißburgunder, Neuburger, Sauvignon Blanc, Traminer und Gelber Muskateller. Bei der Basisstufe der Pyramide, den Gebietsweinen, sind dann 17 Rebsorten zugelassen, somit ziemlich alles, was an Reben in der Wachau wächst.

Auf Mindest-Alkoholwerte wird bei Wachau DAC verzichtet werden. Die Riedenweine dürfen nicht aufgezuckert werden. Rieden- und Ortsweine dürfen keinen schmeckbaren Holzeinsatz aufweisen. Wer Wachau auf sein Etikett schreiben möchte, muss alles mit der Hand lesen. Maschinenernte ist generell untersagt. In Zukunft wird auch klar reguliert, wer Wein mit der Herkunft Wachau produzieren kann. Der Kauf von Trauben wird bei Verarbeitung ausserhalb des Gebietes nicht mehr reichen, dazu wird ein Regelwerk erstellt.

75 % sind Riedenweine - Komitee Wachau-Obmann Toni Bodenstein: „98 Prozent dessen, was heute Wachau am Etikett stehen hat, wird auch in Zukunft Wachau heißen. Und 85 Prozent der Produktion werden Ortsbezeichnungen tragen dürfen, 75% davon fallen in die oberste Kategorie der Riedenweine.“ Der Zusatz DAC wird an die Bezeichnung Wachau angefügt, muss am Rückenetikett, kann am Vorderetikett stehen. „Es geht uns um Herkunftsschutz, nicht um die DAC-Verpackung“, so Bodenstein weiter.

Etwa ein Drittel der Wachauer Rebfläche von rund 1.300 Hektar wird von der Domäne Wachau verarbeitet, rund 440 Hektar. Die Genossenschaft war eine der Triebfedern für das DAC-System.

Wie geht es weiter? Die Beschlüsse und Pläne des Regionalen Weinkomitees Wachau müssen noch vom Nationalen Komitee abgesegnet werden, was als Formalakt gilt und in weiterer Folge per Verordnung Gesetzeskraft erlangen. Ein Stein vom Herzen fällt auch Bundes-Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager, der das Ziel, alle österreichischen Weinbaugebiete unter das DAC-Dach zu bringen, nun in Reichweite sieht.

Nein zu Lagenklassifikation – Eine klare Absage kommt hingegen kommt von Vinea Wachau-Obmann Emmerich H. Knoll zur Lagenklassifikation nach Erster Lage und Großer Lage, wie das die Österreichischen Traditionsweingüter (ÖTW) zuletzt massiv voran getrieben haben. Knoll: „Für uns ist das jetzt kein Thema und meiner Meinung nach auch später nicht! Das ist in der Wachau nicht umzusetzen!“

Nicht ganz so kategorisch sieht das Toni Bodenstein: „Der Kimawandel schafft ein dynamisches Umfeld. Im Weinbau geht das rasant weiter. Es ist noch ein weiter Weg, aber derzeit wäre eine Klassifizierung kontraproduktiv. In weiterer Folge könnte der Spagat allerdings gelingen.“

Festhalten wird die Vinea, so Knoll, am bekannten System Steinfeder, Federspiel und Smaragd für leichte, mittelkräftige und kräftige Weine aller Sorten. Hier gibt es auch die Alkohol-Grenzwerte. Diese Bezeichnungen sind längst zur Marke geworden und kennzeichnen einen bestimmten Wachauer Weinstil.

www.vinea-wachau.at

Erwin Goldfuss
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