Die Eleganz vom Kalk: Steinriegl-Vertikale

Die Eleganz vom Kalk: Steinriegl-Vertikale

Eleganz vom Kalk: Steinriegl-Vertikale 1981-2017


Die große Vinaria Riesling Steinriegl-Vertikale ließ keine Zweifel offen: Das Ergebnis sind große Rieslinge mit beeindruckender Terroirspezifität, die erst in der Reife mit zurückhaltender Eleganz und straffer Fruchtbrillanz glänzen. Weine von kalkhaltigen Böden (Silikatmarmor) sind in der Wachau rar: Sie bieten ideale Voraussetzungen für eine Rieslingstilistik, die immer mehr ins Blickfeld rückt – bei Winzern wie bei Weinliebhabern. Zweifelsohne steht das Image der Ried Steinriegl im Schatten der großen Namen wie Singerriedel, Achleiten, Klaus oder Kellerberg. Die alteingesessenen Winzerfamilien wie Prager/Bodenstein, Jäger oder Schneeweiß pflegen die Steinriegl-Terrassen seit Generationen und wissen um das große Potenzial dieser anspruchsvollen Lage.

Gesteigertes Lagen- bzw. Rieden-Bewusstsein ist mit ein Grund, dass in neuerer Zeit weitere Winzerbetriebe verstärkt auf diese Ried setzen: Sei es, dass sie Steinriegl nicht mehr in irgendeine Terrassen-Interpretation einfließen lassen, sondern diesen entweder (lagenrein) zum hochwertigen Federspiel bzw. Smaragd deklarieren, oder sie sind Neu- und Quereinsteiger am Steinriegl, sofern (Pacht-)Parzellen verfügbar sind.

Gleichzeitig finden sich in den letzten Jahren zusehends Steinriegl-Rieslinge in Verkostungs-Rankings an oberster Stelle, auch wenn diese im Jungstadium erfahrungsgemäß mehr durch verhaltene Präsenz als durch das Ausspielen der geschmacklichen Vorzüge auffallen. Größere mediale Aufmerksamkeit erhielt der Steinriegl bereits im Rahmen der VieVinum 2012, als Toni Bodensteins Steinriegl Smaragd 1997 die vorderste Platzierung auf der legendären „25 Jahre Smaragd“-Vertikale einnahm, die von der „Vinea Wachau“ veranstaltet wurde.

Topografie & Geologie & Klima - Der Name Steinriegl ist Programm: Steine in unterschiedlichen Größen und Formationen prägen die Ried. Der Namensteil „riegl“ ist etymologisch auf das althochdeutsche „rigil“ rückzuführen und verweist darauf, dass man sich auf einer kleinen Anhöhe befindet. Ursprünglich „im Stein“ bezeichnet, taucht „Steinriegl“, so Toni Bodenstein, erstmals um 1820 im Franziszeischen Kataster (der erste vollständige österreichische Liegenschaftskataster; er enthält die Grundstücke des Gebiets des Kaisertums Österreich und wurde nach dem Habsburg-Kaiser Franz I. benannt und von 1817 bis 1861 erstellt) auf.

Die Ried Steinriegl liegt ganz im Westen von Weißenkirchen, eingebettet zwischen den Rieden Ritzling und Pichl Point im Süden und Südwesten, Postaller im Westen zur Grenze nach Joching und Seiber im Norden. Mit 21,08 ha ist sie für Wachauer Verhältnisse als relativ groß zu bezeichnen – vergleichbar mit der Ried Achleithen. Steinriegl ist eine nach Süden und Südwesten ausgerichtete Kessellage zu.

Die Geologie des Steinriegls ist facettenreich und weist eine geologische Rarität, die des weißgefärbten Kalksilikatmarmors, auf, der in dieser „reinen“ Form sonst nicht mehr in der Wachau zu finden ist. Dieser tritt in den mittleren und unteren Bereichen auf, wo Terrassen sukzessive in eine stark verwitterte Paragneis-Rutschmasse übergehen. Darüber liegen in Teilbereichen kalkhaltige Terrassenschotter einer alten Vereisung aus der Donau-Eiszeit. In den höher gelegenen Weingärten ist der Paragneis vorherrschend.

Das Mikroklima am Steinriegl weist – abgesehen von den in der Wachau auftretenden pannonisch-kontinentalen Warm-Kalt-Luftströmen – eine weitere Finesse auf: Durch den zur Donau hin abfallenden Graben des Ritzlingbachs gibt es einen zusätzlichen nächtlichen Kühle-Faktor. Salopp formuliert ließe sich das Steinriegl-Terroir so umschreiben: In der Symbiose von Geologie und Mikroklima ist die Ried Steinriegl als Paradelage geradezu prädestiniert für geradlinige, straff und kompakt gestrickte Rieslinge mit kreidiger Textur.

Die Winzer und ihre Weine - Die Ried Steinriegl wird von 14 Mitgliedsbetrieben der „Vinea Wachau“ bewirtschaftet, davon verfügen 12 über Riesling-Parzellen. Durch das Mitwirken von 10 Winzerbetrieben am Vinaria-Tasting war eine solide Basis gegeben, um die Spezifika und Stärken dieser Lage ausloten zu können. Die ganz großen Jahrgänge 2017 (noch sehr primärfruchtig), 2007, 1999, 1997 und 1990 präsentierten sich in bester Verfassung: hellfruchtig mit kreidiger Textur in der Jugend, in der Reife mit straff-mineralischer Fruchtbrillanz, mit oftmals noch frisch-jugendlichen Rieslingkomponenten.

Unverkennbar trat die Terroirtypizität von kreidig-karg bis mineralisch hervor, gepaart mit einer geradlinigen Fruchtstilistik. Dies war auch bei den gut bis sehr gut definierten Jahrgängen 2015, 2013, 2002 (!) anzutreffen. Thomas Schmelz vom gleichnamigen Weingut in Joching umschreibt die Terroirdominanz so: „Der Steinriegl hat den Winzer fest im Griff. Er ist trockenbedingt sehr fordernd in der Weingartenpflege und lässt kellertechnisch nicht viel Spielraum.“

Toni Bodenstein vom Weingut Prager gilt als Doyen unter den Steinriegl-Winzern. Bereits unter der Ägide seines heute 92-jährigen Schwiegervaters Franz Prager galten die Weine vom Steinriegl als Inbegriff bester Weinqualitäten des Hauses. Unter Toni Bodenstein ist der Steinriegl auf über 5 Hektar angewachsen und steht als „puristische Ried“ ebenbürtig in seinem umfassenden Riesling-Portefeuille von Achleiten, Klaus und Wachstum Bodenstein. Seine Steinriegl-Smaragde setzen seit 1990 nochmals den qualitativen Sprung nach vorne, wo sie als Primus inter Pares auch in dieser Riedenvertikale glänzten.

Mit Anton Schneeweiß und Roman Jäger sind zwei weitere traditionsreiche Steinriegl-Winzer aus Weißenkirchen erfolgreich. Von den in jüngster Zeit neu eingestiegenen Steinriegl-Winzern sind die mit „straffer Opulenz“ seit 2015 vinifizierten Smaragde von Johann Donabaum aus Spitz hervorzuheben. Und der Wösendorfer Terroir-Spezialist Rudi Pichler hat zwischen 2001 bis 2015 seine Meisterhand am Steinriegl angelegt.

Jetzt in der neuen Vinaria - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen finden Sie in der aktuellen Ausgabe Vinaria 5/2018. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das 1-Jahresabo Vinaria inkl. Prämie für Neuabonnenten ist ab € 39,- (EU-Ausland € 55,-) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen!



Toplist Riesling Steinriegl (Auszug; Sm=Smaragd, FS=Federspiel)

18,5 Prager | 1997 Sm
18,5 Prager | 2007 Sm
18,2 Prager | 1990 Sm
17,9 Jäger | 2006 Sm
17,8 Jäger | 2016 Sm
17,8 Rudi Pichler | 2007 Sm
17,7 Jäger | 2003 Sm
17,7 Prager | 2006 Sm
17,5 Prager | 2002 Sm
17,4 Jäger | 2017 Sm
17,2 Rudi Pichler | 2005 Sm
17,2 Rudi Pichler | 2015 Sm
16,9 Prager | 1991 Sm
16,9 Schmelz | 2015 Sm
16,9 Schmelz | 2013 Sm
16,8 Domäne Wachau | 2017 Fs
16,7 Prager | 2005 Sm

Uwe Schögl
Zurück