VIA VINEUS: Steirische Grenz-Werte

VIA VINEUS: Steirische Grenz-Werte

VIA VINEUS: Steirische Grenz-Werte

An der Grenze zur slowenischen Stajerska eint Manfred und Armin Tement die Lust am Experiment, das leidenschaftliche Streben nach immer noch größeren Weinen – und die Überzeugung, dass man es sich nicht einfach machen darf, wenn man etwas wirklich gut machen will.

Auf dem Weg durch den Kostraum des Weinguts Tement im südsteirischen Berghausen heißt uns noch vor Armin Tement der heimische Mobilfunkanbieter herzlich in Slowenien willkommen. Tatsächlich sind es nur ein paar hundert Meter bis ins Nachbarland, Grenzzaun gibt es keinen, nur steil abfallende Million-Dollar-Weingärten rundum und einen Million-Dollar-Ausblick von der Terrasse.

Mit Ins-Land-Einischaun und Handyempfang ist es aber eh erst einmal vorbei, denn Armin Tement, VINEUS Trendsetter 2016, bittet zwei Etagen tiefer in eine Kathedrale namens Keller, an dessen Ende eine imposante Steinwand emporragt. Die Vermutung, dass es sich dabei um Muschelkalk handelt, liegt nahe. Ist aber nur halbrichtig. „Wir haben den Boden von Geologen analysieren lassen, und die haben herausgefunden, dass es sich um ein 17 Millionen altes Korallenriff handelt, auf dem wir größtenteils arbeiten. Also Korallenkalk, nicht Muschelkalk.“ Spricht’s, und stoppt vor einem kleinen Holzfass, in dem sicher wieder mal ein großer Südsteirer liegt. Und das liegt nicht nur am Korallenkalk.

Die Liste der Auszeichnungen, die VINEUS Lebenswerker 2015 Manfred Tement und die Söhne Armin und Stefan im Lauf der Jahre für ihre Sauvignons, Weißburgunder & Co. eingeheimst haben, ist lang. Aber darauf gibt Armin Tement nicht viel. Sein ganzer Fokus gilt dem, was in den 80 Hektar Weingärten des Familienweinguts wächst – und der Frage, wie er das Zusammenspiel aus Boden, Klima und Rebsorte immer noch besser übersetzen kann. So hat er den Porsche unter den Sauvignon-Blanc-Lagen, Zieregg, aufgrund seines vielschichten Terroirs aus Kalkmergel, Korallenkalk und Muschelkalk in 16 Parzellen geteilt, die er selektiv bearbeitet. „Durch den separaten Ausbau der einzelnen Parzellen kannst die unterschiedlichen Merkmale perfekt rausarbeiten, die Assemblage wird entsprechend komplexer“, sagt Armin.

Dieser Ausbau-Philosophie, die Vater Manfred schon verfolgte, folgen die Tements nicht nur bei Sauvignon Blanc, sondern unter anderem auch bei einer Rebsorte mit latentem Imageproblem: Welschriesling. Vor acht Jahren hat sich Armin Tement auf das Abenteuer Lagenwelschriesling eingelassen. „Extrem spannende Weine“, schwärmt er, „aber der Österreicher hat gelernt, dass Welsch ein ganz einfacher Wein ist, und für viele ist es nicht vorstellbar, dass der so anders schmecken kann – und dann noch das doppelte kostet.

35 % beträgt der Anteil an Lagenweinen bei Tements, die ebenso wie alle Gebiets- und Ortsweine des Weinguts Tement und der zugehörigen, in Slowenien liegenden Domaine Ciringa seit dem Jahrgang 2018 biozertifiziert sind. Die Entscheidung, auf bio umzustellen, sei innerhalb der Familie einstimmig getroffen worden. „Obwohl es schon ein gewisses Risiko ist, biologisch zu arbeiten“, sagt Armin. „Du kannst dir keine Fehler erlauben. Und weil wir keine zugekauften Gärten haben, die Ertragseinbußen ausgleichen könnten, müssen wir doppelt und dreifach aufpassen, dass nichts schief geht.

Apropos schief: Beim Weingartenspaziergang entlang des Zieregger Hochplateaus mahnt Manfred Tement, der mittlerweile zu uns gestoßen ist, zur Obacht. „Wärt‘s nicht die ersten, die da runterkugeln!“, lacht er. „Letztens ist einer mit seinem Geländewagen ganz stolz da den Weg runtergefahren, und dann hat er es mit der Angst zu tun bekommen, bei dem Gefälle!“ Entspannt, bodenständig, humorvoll, bescheiden, zielstrebig – alles das ist Manfred Tement, immer schon gewesen. Dass er so etwas wie der Godfather des südsteirischen Weins ist, einer, der den Sauvignon Blanc dieser Region an die Weltspitze geführt hat, der mit der Gründung der STK-Winzervereinigung in den 1980er-Jahren den Grundstein für die Erfolgsgeschichte der Steirischen Klassik legte – alles Errungenschaften, mit denen er zurecht angeben könnte. „Aber mich interessiert eigentlich nur das Weinmachen. Diese Gärten da. Der Boden.“ Das haben wir an diesem Tag so ähnlich schon einmal gehört.

Lesen Sie mehr über unsere Begegnungen und Eindrücke auf der VIA VINEUS.

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