Verrückt nach Rosé: Die Besten aus Österreich

Verrückt nach  Rosé: Die Besten aus Österreich

Verrückt nach Rosé: Die Besten 2018 aus Österreich

Der vor einigen Jahren neu aufgeflammte Trend zu Rosé ist nach wie vor ungebrochen. Kein Wunder, eignen sich die rosa Fruchtbomben perfekt als sommerliche Terrassenweine. Doch ist bei Weitem nicht alles pinker Partywein, gibt es doch eine stetig wachsende Anzahl seriöser wie eigenständiger Vertreter. Dies zeigte Österreichs größte Rosè-Verkostung von Vinaria.

Beneidenswert: Als klassischer Weintyp konzipiert, kann Rosé im Idealfall verlockende Eigenschaften aus der Welt der weißen wie roten Weine ins vinophile Endprodukt einbringen: Pikanz, Klarheit und Frische, kombiniert mit verlockender Rotfrucht und filigraner Tanninstütze. Dazu kommt der visuelle Reiz in Form einer Robe, deren bestenfalls brillantes Pink so scheint, als wäre es nach den Regeln der mendelschen Vererbungslehre entstanden.

Dass Rosé vor einigen Jahren wieder zu einem flüssigen Objekt der Begierde geworden ist, verwundert also wenig; eher dass er so lange out war. Grund dafür dürfte sein, dass viele Rosés als unkomplizierte Trinkweine konzipiert sind, die unmittelbar ansprechend sind, denen es aber an Tiefe mangelt: Für viele WeintrinkerInnen reicht das aus für ein süffiges Geplänkel, ist aber nicht genug für eine ernsthafte vinophile Beziehung.

Hat sich im Laufe der letzten Jahre das Angebot an Rosés vervielfacht, so hat sich im Laufe dieser Zeit auch stilistisch sehr viel getan. Die Bandbreite ist so groß wie noch nie und reicht von leichten, frisch-fruchtigen Sommerweinen über molligere Rosés mit verlockendem Fruchtsüße-Säure-Spiel bis hin zu kräftigeren Vertretern mit Struktur und durchaus mehrschichtiger Aromatik sowie teils auch Lagerpotenzial.

Sortenmäßig dominiert bei den Roséweinen Österreichs Hauptsorte in Rot: der Zweigelt. Sie eignet sich aufgrund der ausgeprägten Frucht und der selten ruppigen Tannine besonders gut für die Rosé-Erzeugung. Doch findet man neben Cuvées auch zusehends Sortenvertreter aus Blaufränkisch, Cabernet Sauvignon und Merlot sowie Pinot Noir und St. Laurent, die jeweils ihre eigene Typizität mitbringen und die das stilistische Spektrum in Rosarot merklich bereichern.

Direktpressung oder Saftabzug - Eine sehr häufige Methode der Roséerzeugung
ist das sogenannte Saignée-Verfahren, der Saftabzug – solche Rosés sind quasi ein Nebenprodukt der Rotweinherstellung. Durch den Saftabzug werden viele
Rotweine quasi verdichtet. Dabei wird üblicherweise nach einem halben Tag bis einigen Tagen bis zu 20 Prozent des Mosts ohne Pressung aus dem Gärbehälter für Rotwein abgezogen und anschließend vinifiziert. Die verbleibende Mischung aus Most, Schalen, Kernen und Fruchtfleisch
weist folglich ein für den Rotweinausbau günstigeres Verhältnis zwischen Flüssigkeit und Feststoffen auf.

Bei der Direktpressung wiederum werden spezifische Parzellen oder Traubenpartien dezidiert für die Erzeugung von Rosé auserkoren: Die blauen Trauben werden je nach Sorte und Reifezustand meist nach mehreren Stunden oder wenigen Tagen auf der Maische abgepresst und vergoren. Farbe und auch Charakter des entstehenden Weins sind abhängig von der Dauer der Maischestandzeit. Wird der Saft der blauen Trauben ohne Maischestandzeit abgepresst und ohne Schalen vergoren, entstehen fast weiße bis blassrosafarbene Weine, die meist unter der Bezeichnung „Gleichgepresst“ oder „Weißgepresst“ laufen, aber derzeit hierzulande rar sind.

Für die Herstellung von als Rosé etikettiertem Stillwein mit Herkunftsangabe (g.g.A. oder g.U.) in der EU nicht zulässig ist hingegen das Vermischen von Weiß- und Rotwein; erlaubt ist dieses allerdings noch bei der Erzeugung von Rosé-Schaumwein (auch Champagner), wo es recht häufig zur Anwendung kommt.

Spaß und Ernst - Trinkspaß ist bei den als Sommer- und Aperitifwein gedachten Rosés das wesentliche Kriterium, entsprechend wichtig sind hier Frische, Fruchtklarheit und Vitalität. Gerade in diesem Bereich können aus Saftabzug entstandene Rosés durchaus überzeugen. Ist aber ein Plus an Substanz, Struktur und vor allem Komplexität gefragt, so können diese Weine nur selten und eher zufällig mit ihren Pendants aus Direktpressung mithalten. Um pinke Spezialitäten wie Rosés mit forciertem Holzausbau, betonten Maischenoten und/oder dunkelfarbigere Vertreter mit merklich Tannin zu erzeugen, dürfte diese
Methode fast immer Voraussetzung sein.

Für das Gelingen eines Roséweins sind einige Bereiche besonders wichtig: So steigert zwar ein klarer und natürlicher Fruchtausdruck das Vergnügen merklich, wenn es zu sehr ins Aromatische oder gar Zuckerlhafte geht, kann das wiederum rasch aufdringlich wirken. Maßgeblich ist auch das passende Frucht-Säure-Restzucker-Verhältnis. So tut vielen Rosés ein kleiner Zuckerrest gut, aber die Dosis macht’s: Die Grenze zwischen saftig und breit ist oft schmal.

Letztlich steht das von Vinaria immer wieder angesprochene Thema „biologischer Säureabbau“ im Raum, das beim Rosé besonders heikel ist. Wenn die laktischen Noten sehr stark ausgeprägt sind, können sie mit der Frucht allzu prominente Noten nach Fruchtjoghurt und/oder Milchkaffee ergeben – auch hier scheint weniger oft mehr.

Der größere Teil der gut 130 zur Vinaria-Verkostung eingereichten Rosés war der Sommerwein-Kategorie zuzuordnen, mehrheitlich Weine von guter Qualität zwischen 14 und 15 Punkten. Dazu gab es aber auch eine durchaus ansehnliche Anzahl an sehr guten Vertretern jenseits der 15 Punkte. Insofern war die Gesamtperformance positiv, auch wenn der 2018er-Jahrgang insgesamt das Niveau seines Vorgängers nicht ganz erreichen dürfte.

Im erweiterten Spitzenfeld gab es eine ansprechende stilistische Bandbreite, wobei fast alle Weine aus Direktpressung stammten. Den Sieg holte sich bei den 2018ern Herwald Hauleitner aus dem Traisental, der mit seiner vor Frucht strotzenden, substanziellen Rosé-Cuvée aus Cabernet Sauvignon, Merlot, Syrah und Zweigelt auf ganzer Linie überzeugte.

Den zweiten Platz teilte sich ein Pärchen, das unterschiedlicher kaum sein könnte: Simone Jordan beeindruckte mit einem zarten Blanc de Noir aus Zweigelt, der eindrucksvoll unter Beweis stellte, dass auch ganz leichte Weine in der Gesellschaft kräftigerer Weine reüssieren können.

Georg Prieler hingegen brillierte mit dem ausgezeichneten Blaufränkisch-Rosé vom Stein bei, der zu den kräftigeren Vertretern im Feld zählte. Knapp dahinter landete mit dem Pink by Theresa Haider ein weiterer Winzerinnen-Rosé, zu dem sich in den Top Ten auch noch ein dritter in Gestalt von Pia Strehns Rosa Cuvée gesellte.

Abo bestellen - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews finden Sie in der Ausgabe Vinaria 3/2019. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das 1-Jahresabo Vinaria inkl. Prämie für Neuabonnenten ist ab € 39,- (EU-Ausland € 55,-) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen!

Toplist 2018 Rosè aus Österreich (Auszug)

16,5 Herwald Hauleitner | Rosé C.M.S.Z. (CS/ME/SY/ZW)
16,3 Weingut Jordan | Blanc de Noir Zweigelt
16,3 Weingut Prieler | Rosé vom Stein (BF)
16,2 Weingut Haider | Pink by Theresa Haider LW (BF/CS/ZW)
16,1 Weingut Steininger | Cabernet Sauvignon Rosé
16,0 Weingut Rosner | Rosé vom Zweigelt
16,0 Familie Strehn | Rosa Cuvée
15,9 Erich Sattler | Zweigelt Rosé
15,8 Weinhof Gindl | Rosé (ZW)
15,7 Weingut Beyer | Josie Rosé
15,7 Weingut Christ | Rosé bio Petershof
15,7 Domäne Wachau | Rosé 1805 Reserve
15,7 Familie Reinberger | Rosé

Toplist 2018 Rosè - Best Buy bis 6,00 Euro (Auszug)

16,5 Herwald Hauleitner | Rose C.M.S.Z. (CS/ME/SY/ZW) € 6,–
15,9 Erich Sattler | Zweigelt Rosé € 5,–
15,8 Weinhof Gindl | Rosé (ZW) € 6,–
15,7 Weingut Beyer | Josie Rosé € 5,90
15,7 Familie Reinberger | Rosé € 5,70
15,6 Michael Bauer | Rosé vom Zweigelt € 6,–
15,6 Schwertführer 47er | Piros PN € 4,70
15,5 Christian Rainprecht | Rosé Blaufränkisch € 6,–
15,2 Weingut Norbert Bauer | Rosé Zweigelt Bergsatz € 5,50
15,2 Weingut Seltenhammer | Anna Rosa Zweigelt Rosé € 6,–
15,1 Sebastian Jatschka | Rosé Zweigelt € 5,50
15,0 Weinhaus Haiden | Rosé (PN/SL) LW € 6,–
15,0 Weingut Bernhard Holzer | Rosé Landwein Zweigelt € 6,–
15,0 Weingut Lustig | Zweigelt Rosé € 5,80
15,0 Schwertführer „35“ | Rosé Fresh (PN) € 5,40
15,0 Weinhof Ulzer | Rosé vom Zweigelt € 4,80


Peter Schleimer
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