Winzer Krems arbeiten ihre Geschichte auf

Winzer Krems arbeiten ihre Geschichte auf

Winzer Krems arbeiten ihre Geschichte auf

„Wir haben über dieses große Unrecht viel zu lange geschwiegen. Jetzt ziehen wir einen Schlussstrich unter das Verdrängen!“ Nach anfänglichem Zögern haben sich die Winzer Krems zu einer umfassenden Aufbereitung ihre Gründungsgeschichte entschlossen.

Ein Buch brachte die Sache ins Rollen: In dem dokumentarischen Roman „Der Wein des Vergessens“ (Residenz Verlag) befassten sich die Historiker Bernhard Herrmann und Robert Streibel mit der Geschichte des jüdischen Weinhändlers Josef Robitschek und dessen Mutter Johanna Robitschek, bis 1938 Besitzer von Teilen des Weingutes Sandgrube in Krems.

Kerninhalt des Buches: Gleich nach„Anschluss“ Österreichs an Hitler-Deutschland, sorgte die bereits 1938 gegründete Winzergenossenschaft Krems unter der Führung ihres Obmannes Franz Aigner dafür, dass Robitscheks Besitz arisiert wurde.

Moralische Verantwortung - Ob der im Jahre 1949 durchgeführte Restitutionsvergleich über 600.000 Schilling ein angemessener war, darüber herrscht geteilte Meinung, für die WINZER KREMS ist aber sicher, „dass wir uns der moralischen Verantwortung in dieser Sache niemals gestellt haben“, wie Franz Bauer, Obmann der WINZER KREMS, in seiner selbstkritischen Stellungnahme vor Journalisten betonte.

Die WINZER KREMS hatten am 03. 07. 2019 in die Sandgrube 13 gebeten, um die wichtigsten Erkenntnisse einer wissenschaftlichen Aufarbeitung ihrer Vergangenheit zu präsentieren. Historikerin Dr. Brigitte Bailer-Galanda, Verfasserin dieser „Arisierungs- und Restitutionsgeschichte“: „Mangelndes Unrechtsbewusstsein der ehemaligen ,Ariseure´ war in den Debatten weit verbreitet. Und zahlreiche der Verfahren endeten mit mehr oder weniger befriedigenden Vergleichen, da die meisten der ehemaligen Eigentümer, so wie ja auch Paul Robitschek, nicht mehr nach Österreich zurückkehrten und sie daher bereit waren, ihren Verlust durch Geld abgelten zu lassen.“

Gedenktafel für Robiteschek - Eine ist aber zurückgekehrt: Juana-Charlotta Robitschek, die Nichte Paul Robitscheks und Enkelin Johanna Robitscheks. Sie nahm am Pressegespräch in der Sandgrube teil und enthüllte gemeinsam mit WINZER KREMS Geschäftsführer Franz Ehrenleitner eine Gedenktafel für Johanna und Paul Robitschek, die ab sofort „zentrale Station bei Führungen durch die Sandgrube“ sein soll, wie Ehrenleitner betont.

Der komplette Historikerbericht wird im Herbst veröffentlicht und über die Websites der WINZER KREMS (www.winzerkrems.at) und des Dokumentationsarchivs des Österreichischen Widerstandes (www.doew.at) online abrufbar sein.

www.winzerkrems.at 

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