Hong Kong: The good, the bad and the ugly

Hong Kong: The good, the bad and the ugly

Hong Kong: The good, the bad and the ugly

Nein, es handelt sich hier weder um eine Fortsetzung des Sergio Leone Films, noch geht es hier um Clint Eastwood. In der in Hong Kong erscheinenden Tageszeitung South China Morning Post wird der Filmtitel für Destinations-Rezessionen verwendet und dieses Schema hat Autor Roland Müksch diesmal für seine Vinaria-Kolumne entlehnt.

The Good - Hong Kong ist ein Weine Eldorado. Nach der Abschaffung von Zoll und jeglicher Importbarrieren auf Wein in 2008, wurde Hong Kong zum internationalen Weinzentrum. Wein kommt steuerfrei, also billiger als im Herkunftsland, nach Hong Kong, wo es keine Mehrwertsteuer gibt. Import oder Handelslizenzen gibt es für Wein ebensowenig. Daher kann jeder sein eigener Weinimporteur sein und Wein billiger als sonstwo frei Haus einführen. Man profitiert vom billigen Pfund, kann direkt bei Weingütern einkaufen oder weltweit nach Schnäppchen suchen. Als Logistikzentrum von Asien sind die Versandkosten vernachlässigbar und man kann auf temperierte Verschiffung in Containern oder auf dem Luftweg vertrauen. 

Das Angebot in Hong Kong ist dementsprechend vielfältig – man findet Weine aus Georgien, China, Liechtenstein und den entlegensten Winkeln der Welt. Der große Sammlermarkt garantiert ebenso, daß die rarsten und begehrtesten Flaschen einfach – natürlich zu entsprechendem Preis – verfügbar sind. 

Der Auktionsmarkt ist zum größten weltweit geworden und der Bestand in HK ist eine Schatzkammer, die es nirgends sonstwo gibt. Das Angebot an Lagerhäusern ist mannigfaltig und state oft the art. Das lokale Vertriebssystem ist effizient und billig.
Diese Vielfalt hat sich auch auf die Weinlisten der Restaurants niedergeschlagen. 20 Weine glasweise und eine Weinliste von 100 Positionen ist praktisch das Minimum. Die vielen Michelin Restaurants bieten gar das vielfache davon an. Dazu kommt noch, daß jedes Restaurant selbst mitgebrachte Weine gerne öffnet – natürlich gegen eine Gebühr (Stoppelgeld). Dafür gibt es perfektes Weinservice mit edlen Gläsern.

Die Weinausbildung ist ebenso explodiert, es gibt eine Unzahl an Weinschulen und wer nicht zumindest ein WSET Level 3 hält, wird nicht ernst genommen. Hong Kong als Weinzentrum Asiens zieht viele an. Die bekanntesten Winzer, Weingutbesitzer und Weinkritikern gehen hier ständig ein und aus. Hong Kong wird als Sprungbrett für China und Asien gesehen, daher kommt jeder, der Rang und Namen hat. Es geht nicht ein Abend vorbei, an dem man nicht eine Verkostung mit den Großen wie Allen Meadows, Neal Martin, Angelo Gaja, Richard Geoffroy, Jean-Charles Cazes, etc stattfindet. Suckling hat sich hier niedergelassen, Etienne de Montille ist Dauergast und der jüngste Sprößling der Prats Familie - Jean-Quentin – wurde als permanenter Marken Repräsentant entsendet. Bei soviel Andrang wird beim Marketing nicht gespart und viele Weinevents werden durch Sponsoring auf höchstem und erschwinglichem Niveau gehalten.

Dann kommen noch die zahlreihen Messen dazu – Vinexo, Prowine, Hong Kong Wine And Spirits Fair, Hofex - die zu Wochen führen, wo man die Qual der Wahl hat, ob man sich an einem Abend für ein Galadinner des Ordre des Coteaux de Champagne mit 16 Prestige Champagner in Magnum oder doch lieber für ein privates Dinner mit Jean-Luc Pepin von Comte de Vogue entscheidet.

The Bad - Nicht alles ist rosig in der Weinmetropole Hong Kong. Viele Importeure sparen und senden den Wein in ungekühlten Containern auf eine zweimonatige Schiffsreise in warmen Gewässern. Dabei geht Frische und Haltbarkeit verloren, was sich besonders im billigeren Segment auswirkt. Es ist schwer, einen dezenten Prosecco oder Pinot Grigio im Supermarkt zu finden, der wirklich Frische hat.

Preislich hat sich im niedrigen und mittleren Konsumentensegment auch nicht viel getan. Supermärkte operieren sowieso als Preiskartell – wenn ein Kilo Hollandtomaten 15 Euro kosten, dann kann ein Mouton Cadet eben auch 20 Euro erzielen, also fast das vVerfache wie bei uns, wir zahlen dabei aber 20% Mehrwertsteuer.

Die Weinkarten mancher Restaurants sind preislich stark überzogen, und es ist nicht mehr selten, wenn 60 Euro für das Öffnen einer selbst gebrachten Flasche verlang werden. Der Hong Kong Weingenießer kauft leider auch nach Preis – jedoch nach dem Prinzip, je teurer desto besser muß es sein. Es wird nach Marken und Renommee getrunken, es gibt viel Angeberei, wer die teuerste Flasche mitbringen kann. Wein-Snobismus wuchert in der Szene und Burgunder-Sammler schauen verachtend auf Bordeaux-Aficionados, trinken nichts außer DRC, Leroy, oder Jayer.

The Ugly - Leider ist Hong Kong auch ein Land des Völlerns, der Exzesse und der Verschwendung. Oft werden gute Flaschen nur zur Schau aufgemacht. Viel wird getrunken aber nicht genossen. Der Reichtum hat ebensoviel Schlechtes angezogen. Gefälschte Weine tauchen immer wieder auf und die Besitzer lächeln oft nur darüber, man hat viel dafür gezahlt – gefälscht oder auch nicht.

Das Konzept des Rentseeking – der ökonomischen Ausbeutung ohne wirtschaftlichen Wert - trifft die Weinbranche hart. Mieten sind exorbitant und der Erfolg eines Restaurants oder Weinladens wird sofort mit Mieterhöhungen bestraft, damit der Gewinn des Erfolgs gar nur den Immobilienhaien zukommt. Die Liste der hervorragenden Etablissements, die deswegen schließen mußten ist eine lange und melancholische Liste.

In den vergangenen Wochen ist die politische Situation in Hong Kong leider auch in die Weinkreise eingekehrt. In Wein-Whatsapp-Chatgroups werden Bilder von den Demonstrationen, der Polizeigewalt und den Triaden (chinesische Mafiabanden) versendet und heftig diskutiert. Weinabende sind nun nicht mehr freundschaftliche Zusammenkünfte – stattdessen wird über die Zukunft von Hong Kong gestritten.

Statt über Bordeaux gegen Burgund oder Barolo zu debattieren, teilen sich die Tische in ideologische politische Lager. Die Gesellschaft ist zu tiefst zerrüttet, es hat sich eine große Kluft zwischen Generationen sowie China-Gegnern und China-Befürwortern aufgetan. Da hilft auch noch soviel guter Wein nicht mehr, um diese Unterschiede zu überbrücken. Es ist leider der Anfang vom Ende – und das Ende kommt immer schneller. Was mit unserem Wein-Eldorado passieren wird, ist dabei leider nur eine Frage am Rande.

INFO - Roland Müksch ist gebürtiger Oberösterreicher, lebt in Hong Kong, wo er in der Finanzbranche tätig ist und ist Chairman der renommierten Hong Kong Wine Society (HKWS). Er schreibt regelmäßig in Vinaria die Kolumne „Asia calling“.

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