Stefanie Jurtschitsch: Süße Kamptaler Spitze!

Stefanie Jurtschitsch: Süße Kamptaler Spitze!

Stefanie Jurtschitsch: Süße Kamptaler Spitze!

Gewaltig ist die Performance des Weinguts Jurtschitsch aus Langenlois (Kamptal) nun auch bei den Süßweinen. Nicht nur mit dem Gesamtsieg (2017 Grüner Veltliner Ried Spiegel TBA) bei der großen Vinaria Verkostung der Pädikatsweine, sondern auch mit dem Sieg bei den Auslesen (2017 Grüner Veltliner Ried Spiegel Auslese) und 4 x unter den Top9! Darunter der 2017 Eiswein GV und die Beerenauslese GV Ried Spiegel sowie die 2017 Riesling-Auslese Ried Heiligenstein. Mastermind dahiner ist die aus bekannter Winzerfamilie in Rheinhessen (Gunderloch) stammende Stefanie Jurtschitsch, Ehefrau von Alwin. Sie verantwortet den süßen Bereich des Traditions-Weinguts mit hoher Kompetenz. Vinaria bat sie zum Interview.

Vinaria: 2017 gibt es eine beachtliche Anzahl an Prädikatsweinen aus dem Hause Jurtschitsch – wie kam das zustande?

Stefanie Jurtschitsch: Am Weingut Jurtschitsch werden Süßweine meist in homöopathischen Mengen produziert. Wir forcieren keine Edelfäule in unseren Weingärten, weil für unsere trockenen Kamptaler Orts- und Lagenweine sind 100% gesunde Trauben notwendig. In Jahren wie 2017, wenn durch besondere klimatische Gegebenheiten uns die Wettergötter mit Botrytis beschenken, wird auch bei uns genau beobachtet und mehrmals selektioniert, um den Jahrgang in all seinen Facetten – inklusive Süßweine – komplett abzubilden. Nach dem Motto: „Wenn dir das Leben Zitronen gibt, mach Gin Tonic daraus“. Geplant haben wir nur den Eiswein – und wir hatten Glück, dass es für ein paar Stunden vor Sonnenaufgang am 19. Dezember 2017 wirklich mehr als minus 7 Grad hatte. Wir konnten leider nicht den gesamten Weingarten fertig lesen. Denn sobald die Sonne aufging, begannen die Beeren wieder aufzutauen. Wir freuen uns über knapp 600 Liter Eiswein. Die Vögel fielen über die verbleibenden Trauben im Weingarten her. So schnell konnten wir gar nicht schauen.

Die Mehrzahl der Prädikate ist aus Veltliner-Weingärten in der Lage Spiegel. Is die besonders prädestiniert?

Nach einem sehr trockenen, heißen Sommer kam es Anfang September zu Niederschlägen. Die tiefgründigen Lehm-Löss-Böden der Lage Spiegel konnten das Wasser gut aufnehmen und gaben es langsam an die Rebstöcke wieder ab. Anders als bei den gut wasserdurchlässigen, steinigen Bergweingärten beobachteten wir beim Spiegel, dass die Beeren ein wenig in der Größe zunahmen und die Beerenhäute dünner wurden. Beim Lesedurchgang für unseren Ortswein wurden die Trauben mit beginnender Botrytis im Weingarten belassen; der Zeitpunkt des Beginns war optimal, die Aromatik in den Beeren war schon voll ausgebildet, zugleich war genügend Säure vorhanden. Danach erfolgten zwei Lesedurchgänge. Einmal für die Auslese (30. Oktober) und einmal für BA und TBA am 13. Oktober. Es wird bereits im Weingarten in zwei Kisten gelesen. Bei der Auslese war noch deutlich mehr als die Hälfte der Beeren an der Traube in einem gesunden Zustand. Bei der TBA wird im Presshaus nochmals nachsortiert. Nicht ganz „trockene“ Beeren kommen zur Auslese, alles andere wird für die TBA mit den Füßen eingemaischt und stehen gelassen, um den Zucker auszulaugen.

Wie gut ist Grüner Veltliner für Prädikatsweine geeignet?

Generell produzieren wir aus Grünem Veltliner fast nur trockene Weine in allen Facetten. Durch die dicke Beerenschale beim GV tritt Botrytis oft sehr spät auf. Damit erreicht man zwar hohe Mostgewichte, nur die Säure ist dann oft schon sehr niedrig. 2017 kam die Botrytis zu einem perfekten Zeitpunkt, wo die Säure noch relativ hoch war.

Die Süßweine bestechen durch Leichtfüßigkeit und Fruchtbrillanz, eine „deutsche“ Stilistik. Spielen da Ihre Erfahrungen aus Rheinhessen mit?

Zu Hause bei Gunderloch am Rhein waren und sind Süßweine immer ein wichtiger Bestandteil. Von meinem Vater habe ich die unterschiedlichen Stadien von Botrytis kennen und verkosten gelernt. Der richtige Moment der Lese und die Selektion ist entscheidend, aber genauso die Gelassenheit, wenn eine TBA einmal zwölf Monate gärt. Es geht mir nicht darum, die TBA mit dem höchsten Mostgewicht im Keller zu haben, sondern viel mehr darum, wie unsere Kamptaler Süßweine ihre Sorte, den Jahrgang und Boden in Harmonie und Balance ins Glas bringen. Das Kamptal ist für mich pure Eleganz. Sowohl bei den trockenen wie auch den süßen Weinen.

Persönliche Lieblinge von Stefanie und Alwin Jurtschitsch?

Die emotionalsten Momente hatten wir 2017 bei unserem Eiswein. Es war ein Nervenkitzel und Wettlauf gegen die Zeit. Ich liebe die Klarheit und Transparenz. Die kühle Frucht und das Understatement, was ihn zu einem wundervollen Essens-Begleiter macht. Meistens haben wir die Flasche schon vor dem Essen ausgetrunken.

Interview: Hans Pleininger
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