Hohes Niveau südlich der Dolomiten

Hohes Niveau südlich der Dolomiten
Kaum eine Weinbauregion ist landschaftlich so abwechslungsreich wie Südtirol. Einst als Produzent von Massenware verrufen, starteten die Winzer der nördlichsten Provinz Italiens in den Neunzigerjahren eine Qualitätsoffensive, die noch nicht zu Ende ist. Wir besuchten jüngst das Land südlich des Brenners.


Südlich der Alpen liegt, eingebettet zwischen den Dolomiten und der Salurner Klause, die Provinz Südtirol, ein landschaftlich bezaubernder und kontrastreicher Flecken Erde. Zwei Drittel der Landesfläche befinden sich auf mindestens 1.500 m Meereshöhe. Hier wachsen die Reben auf rund 5.300 ha Boden. Mitunter werden auch oberhalb von 1.000 m Weinstöcke kultiviert. In Südtirol dürfte schon vor 3.000 Jahren Wein angebaut worden sein; in der Nähe von Brixen wurden Traubenkerne aus der Eisenzeit gefunden.


Klimatisch begünstigt, geologisch interessant

Die klimatischen Bedingungen in Südtirol sind ziemlich speziell. Die Alpen bilden einen schützenden Wall vor den kalten Winden aus dem Norden, von Süden her macht sich der milde mediterrane Einfluss bemerkbar. Die Sonne lacht durchschnittlich 1.800 Stunden pro Jahr vom Himmel, was für milde Temperaturmittelwerte von fast 18 °C sorgt. Die günstige Verteilung der Niederschlagsmengen kommt den Bedürfnissen der Reben entgegen. Die Böden sind überwiegend kalkhaltig und leicht erwärmbar. Dennoch sind innerhalb der Weinbauzone sowohl hinsichtlich des Klimas als auch des Untergrundes zum Teil markante Unterschiede anzutreffen, was die Gegend für Weinfreunde noch interessanter macht. Diese Heterogenitäten rechtfertigen neben der übergeordneten DOC Südtirol die insgesamt sieben lokalen DOC-Bezeichnungen Kalterersee, Südtirol St. Magdalener, Südtirol Bozner Leiten und Südtirol Meraner, alle im Zeichen des Vernatsch, für Weiß- und Rotwein Südtirol Eisacktal und Südtirol Vinschgau sowie Südtirol Terlaner (mindestens 50% Weißburgunder und/oder Chardonnay). Das Eisacktal nimmt als nördlichstes Weinanbaugebiet Italiens insofern eine Sonderstellung ein, als kristalline Böden aus Quarz und Glimmer und kühlere Temperaturen für charaktervolle Weißweine geradezu prädestiniert sind. Im Zentrum des Anbaugebietes Überetsch liegen Kaltern und Eppan, der Kalterersee wirkt ausgleichend. Bozen und Umgebung sind bekannt für Lagrein und den süffigen St. Magdalener aus der roten Sorte Vernatsch. Zwischen Bozen und Meran erstreckt sich das mittlere Etschtal mit den Weißweinhochburgen Terlan, Nals und Andrian. Hier sind die Böden eher karg und wasserdurchlässig, sodass die Reben ihre Wurzeln tief in den Untergrund treiben müssen, was den Weinen Komplexität verleiht. In Meran und Umgebung gedeihen im milden Klima auf leichten bis mittelschweren Sandböden besonders Rotweine wie Blauburgunder, Merlot und Vernatsch. Mit 45 ha recht übersichtlich ist das Anbaugebiet Vinschgau, wo am Fuß des fast 4.000 m hohen Ortlers auf kargen, sandigen Böden kühle, filigrane Weine à la Weißburgunder, Müller-Thurgau und Pinot Noir entstehen. Mit 1.860 ha Weingärten zwischen 200 und über 1.000 m Seehöhe am größten ist das Unterland zwischen Margreid und Salurn, Heimat von Varietäten wie Blauburgunder, Traminer oder Müller-Thurgau.

Einst überwiegend ein Rotweinland, werden nunmehr zu 60 % weiße Sorten angebaut. Flächenmäßig ist der Vernatsch mit 1 8% noch immer dominant, Tendenz abnehmend. Der Pinot Grigio wird sowohl in Italien als auch in den USA heiß geliebt und bringt es auf rund 12 % der Anbaufläche, gefolgt von Traminer, Weißburgunder und Chardonnay. Die autochthone und ausgesprochen interessante Rebsorte Lagrein macht etwas mehr als 8 % aus, Blauburgunder etwas weniger. Mit Sauvignon Blanc, der im Binnenmarkt wegen seiner Frische ausgesprochen gefragt ist, sind knapp 7 % der Weingärten bestockt. Der Rosenmuskateller, aus dem rare und nicht selten hochgradig charaktervolle, rote Süßweine gekeltert werden, bringt es auf rund 0,3 % Anteil. Richtiggehend individuell und sehr gut kann auch der Müller-Thurgau sein, der auf der Apenninenhalbinsel einen weit höheren Stellenwert genießt als beispielsweise bei uns. Ihm sind mitunter hochklassige Anbauflächen auf über 1.000 m Seehöhe gewidmet. Insgesamt werden in der Provinz Alto Adige rund 20 Rebsorten kultiviert.

In zunehmendem Maß gewinnen Einzellagen, die „Vigna“, an Bedeutung – dabei handelt es sich um eingetragene und vom Land Südtirol anerkannte Rieden, deren Frucht bereits seit mehreren Jahren separat gelesen und vinifiziert wird.

Leitbetriebe Insgesamt gibt es etwa 5.000 Weinbaubetriebe in Südtirol. 70% des Weines erzeugen die rund 160 genossenschaftlich geführten Kellereien, unter denen einige der besten der Welt sind, ein Viertel der jährlichen Produktion geht auf das Konto der „Südtiroler Weingüter“, die restlichen 5% keltern die „Freien Weinbauern Südtirol“.

Im Rahmen einer Weinreise Ende November 2014 haben wir eine Reihe von Leitbetrieben aus allen drei Kategorien besucht, wobei die Auswahl natürlich auch anders ausfallen bzw. problemlos um gleichwertige Betriebe aufgestockt werden hätte können. Ergänzend dazu haben wir eine breite Auswahl an Weißburgunder bzw. Lagrein gedeckt verkostet; diese Degustationen wurden von der Handelskammer Bozen (EOS) zusammengestellt, wo die Weine auch verkostet wurden. Diese Verkostungen werden separat behandelt.

Kellerei Bozen

Im Jahr 2001 fusionierten die traditionsreichen Kellereien von Gries und St. Magdalena zur Kellerei Bozen, die unter der Führung von Stephan Filippi in kurzer Zeit zu einer der modernsten und größten Südtirols aufgestiegen ist. Die 215 Mitglieder bewirtschaften insgesamt 330 ha Weingärten in einer Höhe zwischen 200 und 800 m. Sie liegen um Gries, St. Magdalena, St. Justina, Leitach und am Ritten.

Zu den Vorzeigeweinen der Kellerei zählen Chardonnay und Gewürztraminer aus der Riede Kleinstein. Dass hier jede Menge Rotweinkompetenz besteht, zeigt etwa der zukunftsträchtige, dunkelbeerige Cabernet Riserva Mumelter, meisterhaft ist der Umgang mit Lagrein, was uns bei einer Vertikale der Riserva Taber bestätigt wurde. Eine Ausnahmeerscheinung ist der 2011er Goldmuskateller Vinalia: mollig-cremig, pointierte Muskatnote, pikant, fast ölig, noch viel zu jung.

Franz Haas, Montan

Das Weingut Franz Haas wurde 1880 gegründet. Derzeitiger Eigentümer und Winzer ist Franziskus Haas, der nun in siebter Generation diesen Vornamen trägt. Die Familie bewirtschaftet mehr als 50 ha Weinberge, die von 200 bis auf 1.150 m Höhe hinaufreichen. Davon ist die Hälfte roten Sorten gewidmet, wovon der Pinot Noir mit 60% den Großteil ausmacht. Der Fundus an unterschiedlichen Lagen ist beachtlich.

Trinkfreude gepaart mit frischer Frucht und genügend Substanz zeigen etliche Weißweine – etwa der Pinot Grigio oder auch die als Speisenbegleiterin empfehlenswerte Cuvée MANNA (50 % Riesling, dazu Traminer, Chardonnay und Sauvignon Blanc). Nur in passenden Jahren reinsortig ausgebaut wird der Sauvignon Blanc. Die Liebe des Hauses zum Blauburgunder manifestiert sich im Pinot Nero Schweizer, einer Selektion aus den besten Lagen von Pinzon, Glen, Mazon und Montan mit einer Dichte zwischen 8.000 und 12.500 Rebstöcken pro ha. Von den rund 15 ha Rosenmuskateller, die es in ganz Südtirol gibt, besitzt Franz Haas 2,7 ha. Der tiefrote Süßwein aus 2012 präsentiert sich mit einem herrlichen Bukett, Gerbstoffe und Frucht sind harmonisch eingewoben.

Weingut Kornell

Die altehrwürdigen Gebäude des Ansitzes Kornell gehen auf das 14. Jahrhundert zurück; in Familienbesitz kam das Weingut 1927. Seit 1996 zeichnet Florian Brigl für die 15 ha Weingärten verantwortlich, daneben gehören noch 15 ha Obstanlagen und 40 ha Wald zum Anwesen. Die alten Keller sind ausgesprochen sehenswert, erfordern aber viel Handarbeit. Die Reben wachsen hauptsächlich auf Verwitterungsböden aus Porphyr. Mit der Flaschenfüllung wurde 2001 begonnen. Das Sortiment ist übersichtlich, es gibt vier ausschließlich in Stahl ausgebaute Weißweine, drei in großen Holzfässern gelagerte Rotweine sowie vier rote Riservas mit Barriqueausbau.

Es gibt zwei empfehlenswerte Sauvignons im Sortiment: Der klassische Cosmos gefällt mit klarer Sorten-aromatik und animierender Art, der Selection Oberberg ist hochfein mit betörender Würze, vielschichtig, druckvoll und lang. Sortentypizität versprüht auch der trockene Gewürztraminer Damian. In der Gastronomie ausgesprochen erfolgreich ist die Cuvée Zeder aus Merlot, Cabernet Sauvignon und Lagrein. Der Lagrein Riserva Staves ist elegant und lang mit reifen Gerbstoffen. Der Cabernet Riserva Staves ist dank einer feinen Säure ausgesprochen lebendig und trinkfreudig, besitzt eine gute Länge und klare Frucht im Nachhall. Eleganz und Klarheit sind prägende Bestandteile aller Kornell-Weine.

Kellerei Kurtatsch

Die Kellerei Kurtatsch vertritt 179 Mitglieder mit insgesamt 175 ha Weingärten. Es gibt klare, zum Teil recht strenge Vorgaben, die Ertragsreduktion steht im Vordergrund. Über der Basislinie Classic steht die Collection, das sind die Weine der Höfe und Lagen, an der Spitze stehen die Brenntal- und Freienfeldweine aus der Premium-Linie. Der Weißburgunder Hofstatt kommt von einem leichten Kalkverwitterungsboden; er ist ein universeller Essensbegleiter. Der von einer luftigen, mit großen Steinen durchsetzten Riede stammende Chardonnay Pichl ist feingliedrig, fokussiert, viele Facetten. Geradezu aus dem Glas springt der Sauvignon Kofl von einer steilen Lage mit frühem Abendschatten, was die grüne, kühle Aromatik dieses saftigen Weins fördert. Ein Aushängeschild des Betriebes ist der mächtige, stoffige, sortentypische Gewürztraminer Freienfeld, der auch hervorragend reifen kann. Als Preis-Leistungs-Wein entpuppt sich der Cabernet Riserva Kirchhügel. Sein großer Bruder ist der Cabernet Freienfeld: straff und klar, engmaschig strukturiert und sehr lang.

Alois Lageder

Alois Lageder gehört zu jenen Pionieren Südtirols, die in den Achtzigerjahren den Aufschwung dieser Herkunft initiiert haben. Gegründet wurde das Weingut 1823, zunächst als Weinhandel, ab 1855 mit eigener Erzeugung. 1991 hat die Familie den Ansitz Hirschprunn in Margreid erworben. Ungefähr ab dieser Zeit wurde mit der Umstellung auf biologische bzw. biologisch-dynamische Wirtschaftsweise begonnen. Diesen Wandel haben auch mehrere Vertragswinzer des Guts vollzogen. Zusammen mit den im Familienbesitz befindlichen 50 ha Weingärten werden rund 270 ha Rebfläche (27% davon biologisch) bearbeitet, die in zahlreiche Rieden mit unterschiedlichen Böden und differenzierten kleinklimatischen Verhältnissen liegen. Das Sortiment gliedert sich in „Klassische Sorten“, „Die Terroirs“ und „Die Weinhöfe“.

Dezent und bekömmlich ist der Sauvignon Lehen aus der Terroir-Serie. Der biodynamisch erzeugte, lebhafte Cason Hirschprunn aus Pinot Grigio, Chardonnay und Viognier zeigt feines Holz und süße Frucht. Noch immer in großartiger Verfassung präsentiert sich der Chardonnay Löwengang aus 2002, ein saftiger, klarer und eleganter Wein. Reifepotenzial stellt auch der sortentypische, elegante Pinot Noir Krafuss unter Beweis. Neu im Sortiment ist der Lagrein Riserva Conus, deren 2011er-Version sich lebendig und straff mit markanten Tanninen sowie dunkler Würze präsentiert. Großartig noch immer der beschwingte Lagrein Lindenburg 2000 mit optimaler Trinkreife.

Weingut Ritterhof

Inmitten von Weingärten an der Südtiroler Weinstraße liegt der Ritterhof, der im Besitz der Familie Roner aus Tramin steht. Der Betrieb verfügt über 7,5 ha eigene Weinberge, Vertragswinzer liefern Trauben von weiteren 28 ha zu. Das führt zu einer bunten Mischung von Böden, von schottrigen, kargen Moränen über schwere, lehmige Tonuntergründe bis hin zu lockerem, leicht erwärmbarem Sand. Der Kalterer See wirkt ausgleichend auf die Temperatur. Je zur Hälfte werden rote und weiße Sorten angebaut. Die Vorliebe des Betriebes liegt bei Weißburgunder, Gewürztraminer und Lagrein. War das Sortiment bisher auf zwei Linien aufgeteilt – Ritterhof und Crescendo –, wurde das Portfolio jüngst umgestellt: „Terra“ umfasst die Basisqualitäten, darüber firmiert die Collis-Linie, die Spitze bilden die Rarus-Weine.

Empfehlenswert sind der trinkfreudige Sauvignon Terra sowie der mineralisch-fokussierte Gewürztraminer Auratus. Ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis kennzeichnet den Lagrein Terra. Deutlich fokussierter präsentiert sich der Lagrein Latus aus 2011 mit moderatem Holz sowie viel dunkler Frucht, und das zu einem ebenfalls attraktiven Preis. Für das auch in Südtirol vergleichsweise kühle Jahr 2010 besitzt der Lagrein Manus aus der Rarus-Linie überraschend viel Kraft und Gerbstoff, aber auch Frucht.

Kellerei Castel Sallegg

Castel Sallegg ist ein alter Adelssitz, das Schloss stammt aus dem 15. Jahrhundert. Seit 1851 steht es in Familienbesitz, heute gehört es den Grafen von Kuenburg. Der älteste Keller, heute 10 m unterhalb des Schlosshofes gelegen, dürfte auf das zwölfte Jahrhundert zurückgehen. Zum Besitz gehören 30 ha Weingärten, davon sind zwei Drittel mit roten Varietäten bepflanzt. Die weißen Sorten wurzeln auf rund 500 m Meereshöhe in kalkhaltigen Schotterböden. Die Rotweine gedeihen unter günstigen kleinklimatischen Bedingungen auf Lehm- und Sandböden in 230 bis 280 m Höhe an den Ufern des Kalterersees. Das Sortiment umfasst die Linien Selektion, Riserva und Premium. Für die Weine verantwortlich zeichnet der junge Kellermeister Matthias Hauser.

Als ausgesprochener Preis-Leistungs-Wein entpuppt sich der Chardonnay Prey , aus dem gleichen Jahr stammt der ungewöhnliche, trocken ausgebaute Goldmuskateller Steinleiten, der mit kühler Aromatik, feiner Säure und Stoffigkeit punktet. Spiel und gute Substanz bietet der individuelle Gewürztraminer Lotterbrunnen mit dezent floralen Akzenten. In einer eigenen Liga spielt der Pratum Selektion aus Weißburgunder. Der dunkel getönte Lagrein Riserva besitzt eine gute Tanninstruktur und kühle Frucht. Cassis pur verströmt der Cabernet Sauvignon Riserva, der vom reifem Merlot Nussleiten sekundiert wird.

Kellerei St. Michael-Eppan

Die Kellereigenossenschaft wurde 1907 von 41 Eppaner Bauern gegründet. Das Gebäude aus dem Jahr 1909 ist ein markanter Blickfang; im Lauf der Jahre wurde es kontinuierlich umgebaut und modernisiert – zuletzt wurde ein großzügiger ideenreicher Shop errichtet. 1977 übernahm Kellermeister Hans Terzer die Verantwortung. Unter seiner Ägide vollzog die Kellerei einen fulminanten Aufschwung. 1997 wurde Terzer vom Gambero Rosso als einer der zehn besten Weinmacher der Welt ausgezeichnet. Aktuell verfügt die flächenmäßig größte Genossenschaft Südtirols über 380 ha Weingärten mit 70prozentigem Weißweinanteil, die von 336 Mitgliedern bewirtschaftet werden. Das Sortiment umfasst die Linien Klassisch, Selection und Sanct Valentin.

Einer der bekanntesten Weißburgunder Südtirols ist der Schulthauser, der ein echter Preis-Leistungs-Wein ist. Deutlich holzbetont tritt der feingliedrige Weißburgunder Sanct Valentin auf. Der Sauvignon Sanct Valentin empfiehlt sich ruhig strömend und elegant mit weißfleischiger Frucht, der auch gute Haltbarkeit besitzt. Ausgesprochen gefragt in Italien ist der Pinot Grigio Sanct Valentin. Der Blauburgunder Sanct Valentin zeichnet sich durch ein sortentypisches, rotbeeriges Bukett aus, am Gaumen gesellen sich süße Frucht und reife Tannine dazu. 2010 wurde der Appius kreiert, welcher jeweils das Beste des Kellers enthält und jedes Jahr anders zusammengesetzt sein kann. Der 2010er besteht aus Chardonnay, Weißburgunder und Pinot Grigio. Die Nase verströmt Gewürzaromen, am Gaumen zeigt er sich straff, klar und präzise – in seiner steinigen Art wirkt er fast puristisch. Ein Wein mit Riesenpotenzial.

Kellerei Terlan

Um sich von den Großgrundbesitzern unabhängig zu machen, haben 24 Weinbauern im Jahr 1893 die Kellerei Terlan gegründet. Schon damals lag der Schwerpunkt bei den weißen Sorten; heute beträgt der Anteil rund 70%. Die Fokussierung auf Weißwein liegt einerseits am Mikroklima mit seinen ausgeprägten Temperaturunterschieden zwischen Tag und Nacht, andererseits an den eher kargen Verwitterungsböden aus Quarzporphyr mit Sedimenteinlagerungen. Die Weingärten liegen auf Höhen bis zu 900 m. Der Lagrein wächst in Gries, der bekanntesten Herkunft für diese Rebsorte, auf tiefgründigen Böden zwischen 260 und 300 m. Die hervorragende Kellerei ist für ihre extrem langlebigen Weißweine, die zum Teil viele Jahre lang in Tanks auf der Hefe lagern, international höchst angesehen. Neben den klassischen Weinen gibt es die Linie der Weingüter, die Selektionen und in sehr geringen Mengen die Raritäten. Die Kellerei hat 190 Mitglieder und bewirtschaftet 250 ha Rebfläche.

Schon der Terlaner Classico aus Weißburgunder und Chardonnay mit etwas Sauvignon Blanc ist ein überraschend seriöser Wein. Viel Wein fürs Geld bietet auch der Weißburgunder Riserva Vorberg, nobel und ruhig strömend mit feiner Würze, Druck und Eleganz. Eine Klasse für sich ist der 2002er Weißburgunder Vorberg – eine „Rarität“ mit betörendem Bukett, nobler Pikanz, feiner Würze und zarten Limettenaromen. Der Sauvignon Blanc Quarz besticht durch ein feingliedriges, fruchtig-würziges Bukett, gute Struktur und einige Kraft. Die Cuvée Nova Domus Riserva (überwiegend Weißburgunder und Chardonnay, etwas Sauvignon Blanc) präsentiert sich schon jetzt als balancierter, komplexer Wein mit feinem Schmelz – ein Wein mit Potenzial. Der Lagrein Porphyr punktet mit tiefer Frucht, saftiger Textur und Charme, ein Aushängeschild dieser Sorte.

Tiefenbrunner-Schlosskellerei Turmhof

Seit 1675 steht Castel Turmhof in Familienbesitz, seit 1983 ist Christof Tiefenbrunner für den Betrieb verantwortlich. Aktuell verfügt er über 25 ha Eigenfläche, Trauben werden von Vertragswinzern zugekauft. Das sehenswerte, am Hang situierte Schloss lässt wenig Platz für Erweiterungsbauten, weshalb der Keller buchstäblich aus allen Nähten platzt. Die Böden um das Anwesen wurden von Gletschern abgelagert, haben einen geringen Lehmanteil und sind ausgesprochen kalkhaltig. Jene in Völs im Eisacktal sind von Schiefer und Feuerstein geprägt. Es gibt im Wesentlichen drei Linien, nämlich Classic, Turmhof und Linticlarus, wobei sich letztere Bezeichnung von der römischen Festung castrum linticlar ableitet. Eine Sonderstellung nimmt der „Feldmarschall von Fenner“ ein, reinsortiger Müller Thurgau, gewachsen auf ungewöhnlich lehmhaltigen Dolomitböden, die bis zu einer Seehöhe von 1.000 m hinaufreichen: Ein außergewöhnlicher Vertreter aus dieser nicht gerade modischen Sorte mit Bodenwürze, rieslinghaften Fruchtakzenten und beachtliche Dichte sowie Reifepotenzial. Dieser Wein ist in den italienischen Top-Restaurants sehr gefragt. Eine Leitsorte im Betrieb ist Pinot Grigio. Der Chardonnay holzgeprägte, druckvolle Linticlarus kommt von 50-jährigen Reben. Der Pinot Noir Riserva Linticlarus überzeugt mit betörendem Bukett, angenehmer Tannin-Säure-Struktur und guter Länge. Die Premium-Cuvée Linticlarus aus Cabernet Sauvignon und Merlot überzeugt durch mollige Dunkelfrucht, dunkles Holz und Druck.

 

Zurück