Vinaria-Lokaltipp: Gasthaus Csencsits

Vinaria-Lokaltipp: Gasthaus Csencsits

Jürgen Csencsits und der Jahrgang 2014 am Eisenberg

Wenn das beschauliche Harmisch in der Gemeinde Kohfidisch auch nicht ums Eck liegt: Ein Besuch in Jürgen Csencsits‘ Gasthaus lohnt die Anreise. Was er gemeinsam mit seiner Frau Melanie in einer gastronomisch eher verlassenen Gegend aufgestellt hat, ringt dem Gast Bewunderung ab. Auch Mutter Csencsits arbeitet manchmal noch im Hintergrund mit. Von ihr kommen manche Rezepte, zum Beispiel für die großartigen Pogatscherl, das Brot und die Salzstangerl, die Csencsits den Gästen mit dem wunderbarsten aller Schmalze und Rückenspeck vom Schwein serviert, den er aus der Verwandtschaft bezieht.

Ein klein gehaltener ökologisch-kulinarischer Kreislauf führt zu wunderbaren Ergebnissen am Teller. Selten aß ich besseres Beef Tatar als das vom Moorochsen, das Csenscits mit etwas Curry in einer Currycreme und rissoliertem Curry mit Thymian kombiniert. Ein Volltreffer. Der Moorochse kommt auch mit seinen geschmorten Backerln zur Ehre, zart wie Butter, man braucht kein Messer dafür. Den Saibling (Tatar mit Fenchel, Chicorée und Kriecherl) und manchmal auch die Flusskrebse holt Csencsits aus Stegersbach, das Lamm (Hoden mit Petersilienspinat und Mangold) kommt aus der unmittelbaren Umgebung. Nur das Stubenküken bezieht Csencsits von etwas weiter her, was aber sein muss, denn es gerät im hauseigenen Holzofen besonders knusprig und köstlich. Ein signature dish.

Wie auch die Fischsuppe mit Reibgersteln. Sie stellt eine Hommage an die nahen ungarischen Nachbarn dar. Der Paprika behutsam eingesetzt, der Fisch perfekt gegart.  Bei den Desserts verfügt Jürgen Csencsits über eine besonders begabte Hand. Orangen-Zwetschken-Milchreis und Schokolade mit Banane sind Desserts, die einem Patissier in einem hochklassigen Restaurant keine Schande machen würden.

Visite bei Schiefer und Krutzler. Die Weinkarte ist lokal bestückt. Man nutze die Gelegenheit, einige Winzer persönlich zu besuchen, wenn sie die Zeit finden. Bei Schiefer oder Krutzler wird dann mit einem Vorurteil aufgeräumt. Der Jahrgang 2014 sei medial ziemlich verrissen worden, ärgert sich Hermann Krutzler. Das sei nicht der Wirklichkeit entsprechend. Sagt’s und schenkt eine Kostprobe vom klassischen Blaufränkischen und vom berühmten Perwolff ein, beide natürlich noch nicht in Flaschen.  Beide in einem wunderbaren Zustand und geeignet, den Eindruck eines misslungenen Jahrgangs zu revidieren. Auch bei Uwe Schiefer ist die Fassprobe eindeutig und der Wein bereits in Form: fruchtig und mineralisch, an die Weine aus dem oberen Teil der Rhône erinnernd, kühles Klima, vielleicht auch an gute Rote aus dem Beaujolais. Der Eisenberg und die Weingärten in Deutsch-Schützen haben weniger Ertrag gebracht, bei der Qualität hingegen hat die Natur nicht gespart.


www.gasthaus-csencsits.at
www.krutzler.at
www.weinbau-schiefer.at

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