Vinaria-Lokaltipp: Gasthof König

Vinaria-Lokaltipp: Gasthof König
Die Familie König betreibt im beliebten steirischen Ausflugsort Pöllauberg bei Hartberg einen bemerkenswerten Gasthof mit ebensolcher Weinkarte.

Der Ort Pöllauberg mit seiner imposanten Kirche und einem beträchtlichen Aufkommen an Ausflüglern, die mit riesenhaften Bussen herangekarrt werden (manche kommen auch zu Fuß oder mit dem Fahrrad) ist ein Fall für das, was Immobilienberater immer sagen, wenn sie einem eine überteuerte Wohnung andrehen wollen: Die Lage, die Lage, die Lage.

Für einen Wirten bringt das die erfreuliche Tatsache mit sich, dass man an solchen Orten zwangsläufig ein gutes Geschäft macht. Ohne sich auch nur irgendwie anzustrengen. Die Familie König, die den prächtigen Berggasthof gleich neben dem Parkplatz betreibt, welcher zur Kirche führt, macht es sich allerdings nicht so einfach. Schon der erste Blick auf die Karte zeigt das Bemühen um Qualität in jeder gastronomischen Phase, vom Aperitif bis zur Nachspeise.

Man arbeitet viel mit lokalen Produzenten zusammen und diesbezüglich hat es die Gegend rund um Pöllau ziemlich in sich. Die Hirschbirne, die gerade von der EU als schützenswerte Sorte mit dem EU-Gütesiegel ausgezeichnet wurde, wächst hier und gibt einen wunderbaren Schaumwein, einen guten Saft und herrliche Brände. - Im Tal arbeitet die Ölmühle Fandler an der Veredelung von diversen Kernen, Körnern, Nüssen und Samen zu geschmacklich bemerkenswerten Ölen. Etwas Walnussöl von den Fandlers macht einen Salat mit Ziegenkäse zu einem selten erlebten Genuss. So einfach ist es, wenn ein Wirt bei den Zutaten ein bisschen aufpasst. So einfach kann gutes Essen sein.

Die Forellen kommen vom Kulmer aus Birkfeld und werden in Kürbiskernkruste gebraten. Das Phänomen Kürbiskernöl ist in der Gegend allgegenwärtig. Bei Königs ist man sich dieser steirischen Traditionsware bewusst, übertreibt es aber nicht. Viel eher bietet das Haus, in dem Hochzeiten ebenso gefeiert wie Leichenschmäuse eingenommen werden, auch dem Gemüse-Esser eine große Auswahl.

Doch die wirkliche Sensation erwartet den Gast im Glas und schon bereut er es, nicht eines der wenigen Gästezimmer im Haus reserviert zu haben. Papa und Sohn König hatten und haben nämlich immer schon eine Schwäche für den Wein. Man merkt das an den Trophäen in Form leergetrunkener Weinflaschen, die Eingang, Bar und andere Teile des Gasthauses zieren. Die Weinkarte ist also folgerichtig umfangreich, klug bestückt, Schwerpunkt Steiermark, was in dieser Gegend klar. Aber auch französische Burgunder finden den Weg nach Pöllauberg. Matthias König, der junge Chef, hat sich in manchen der besseren Häusern Österreichs umgetan. Er stellt einen Weinkenner nicht bloß dar, er ist einer. Die Preise sind vernünftig kalkuliert, sodass wer teure Weine trinken will, mit weniger Aufschlag belohnt wird.

Gemeinsam mit Freund Andreas Mossauer, der zehn Jahre im Arlberg Hospiz gearbeitet hat, macht Herr König sich oft ans Verkosten. Mossauer hat in Knittelfeld, einem der Weinkultur bisher unverdächtigen Ort, eine Vinothek eröffnet, die Weinothek. Sympathischer Wagemut eines Heimkehrers. Was er aus allen Herren Ländern heranschafft, schafft es dann immer wieder auf die Weinkarte am Pöllauberg. Höhenluft macht durstig, stellt der Gast dann fest.


www.berggasthof-koenig.at
www.weinothek.at

 

 

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