Degustieren

Weine richtig degustieren

einige Tipps und Ratschläge
Wein ist nach Wasser das älteste und bedeutendste Kulturgetränk und wird vielfältigst konsumiert. Denken wir an das gesellige Trinken, Wein als Festbegleiter und Kraftspender, als Stimmungsmacher mit positiver Auswirkung auf Körper und Geist, zum Diskutieren und Erforschen. Setzen Sie diese Aufzählung noch endlos fort! Wein ist im wahrsten Sinn des Wortes – in aller Munde!

Aus diesem Grunde wollen wir Ihnen beim Weinkosten und Weinerleben einige Hilfsmittel und Tipps zur Hand geben. Sie werden noch mehr Freude und Spaß beim Weingenuss erleben und Ihr Wissen weiter ausbauen. Voraussetzung für eine gelungene Weinkost ist das Umfeld. Die Stimmung muss passen. Kein Stress, seien Sie entspannt. Relativ geruchsneutrale, helle Räume sollen für das richtige Ambiente sorgen. Weiß gedeckte Tische und dünnwandige, bauchige Stielgläser sind notwendig. Nicht zu vergessen ist der Krug mit Leitungswasser oder stillem Mineralwasser, ergänzt um Sodawasser oder sprudelndes Mineralwasser. Krüge zum Wegleeren sind in ausreichender Anzahl und in Verkosternähe zu platzieren. Spucknäpfe gehören ebenfalls in entsprechender Menge eingestellt. Brot und Gebäck in kleinen Stücken sollte bereitgestellt werden.

Ideal ist eine homogene Verkostergruppe mit ähnlichen Weininteressen. Rechnen Sie mit einer halben Bouteille pro Teilnehmer. Zum Beispiel sieben Weinfreunde ermöglichen die Verkostung von 14 oder 15 verschiedenen Sorten, Jahrgängen usw.

Grundsätzlich ist Wein als Speisenbegleiter zu betrachten und auch am bekömmlichsten. Wollen Sie aber Ihren Weingaumen schulen, so konzentrieren Sie sich nur auf die Verkostung und nicht auf möglicherweise gereichte Salznüsse. Ihr erlerntes Wissen können Sie dann später ohnehin bei einem perfekt abgestimmten Weinmenü einsetzen.

Die Degustation
Nun kommen wir zur Verkostung selbst. Als kleine Unterstützung dient die Fünferregel der Sinne: Tasten, Sehen, Riechen, Schmecken und Hören.

Tasten Sie sich zunächst an ein Weinthema heran, an Freunde, mit denen Sie das Vergnügen teilen wollen. Darunter verstehen wir die Vorbereitung, wie einleitend erwähnt.

Dann sehen Sie den Keller, die Flasche, das Etikett, das Glas und den Wein, wie er im Glas zur Verkostung glänzt. Wir sind beim Punkt 1 der Degustationsregeln – dem Aussehen des Weines – angelangt. Hier gilt es, die Farbe, die Klarheit und die Farbtiefe zu beurteilen, wobei dieser Punkt in der Literatur doch eher überschätzt wird: Braune oder trübe Weine gibt’s heutzutage in der Praxis praktisch nicht mehr.

Dann riechen Sie ins wohlgeschwenkte Glas. Am besten machen Sie es so: höchstens ein Drittel des Glases befüllen und mit kleinen Sechserbewegungen zum Körper ordentlich ausschwenken. Möglichst die ganze Innenfläche des Glases soll mit Wein benetzt werden, um die Bukett- und Aromastoffe freizusetzen. Bemühen Sie sich, hier Assoziationen zu Früchten, Gewürzen, Blumen, Lebensmitteln und anderen Stoffen mit stark ausgeprägten Geruchskomponenten zu finden. Versuchen Sie das Unbekannte, Erlernenswerte durch Bekanntes zu erklären. Das ist das Hilfsmittel und die Gedankenbrücke zum Herausfinden der Weinaromen.

Nun schmecken Sie den Wein. Nehmen Sie einen kräftigen Schluck in den Rachen, umspülen Sie die ganze Mundhöhle, vom Gaumen bis an den Zungengrund, und lassen Sie durch die Lippen etwas Luft einströmen. Selbst wenn diesem Prozess gewisse Geräusche entkommen, dient dies lediglich der besseren Entfaltung aller Geschmacksstoffe.

Bei Profiverkostungen wird ausnahmslos ausgespuckt, privat (und bei nicht allzu vielen Weinen) ist ein kleiner Schluck durchaus „drinnen“.

Beobachten Sie die Süße, Säure, Dichte des Weines. Nehmen Sie all das wahr, was Ihnen der Gaumen vermittelt. Kontrollieren Sie, ob Ihre bisherigen Erfahrungen und Erwartungshaltungen an den Wein gerecht werden. Wie lange bleibt der Nachklang erhalten? Konzentrieren Sie sich auf das volle, tiefe Erlebnis aller Geschmacksempfindungen. Voilà!

kostkriterien Punkte beschreibung, verbale beurteilung
aussehen, unterteilt in Farbe 0–2 Punkte 0* 1 2 nicht entsprechend, fehlerhaft entsprechend besonders schöne Farbe
und klarheit (Reinheit) 0–2 Punkte 0* 1 2 gebrochen, milchig, trübstaubig, matt, glanzlos – klar, rein brillant, glänzend, kristallklar
auch Farbtiefe und Viskosität (Flüssigkeitszustand) sowie Co2 (kohlendioxyd) gehören dazu   W: farblos, blass, hellgelb, gold, hochfarbig; R: blassrot, kräftig, satt, tieffärbig, dunkel, opak wässrig, dünn, normal, schlierend, ölig, dick, zäh zarte Bläschen, leicht perlend, schäumend
Geruch (blume, aroma, bukettstoffe) 0–4 Punkte 0* 1 2 3 4 kein Geruch, fehlerhaft, schlecht, verdorben schwach, diffus, neutral, verhalten entsprechend, sauber, reintönig, sehr gut entsprechend, duftig, fein charakteristisch, besonders fein und ausgeprägt
Geschmack: 0–7 Punkte 0–12 Punkte inkl. Gesamteindruck (Frucht, körper, süße, säure, tannin, Reintönigkeit, struktur) 0* 1–2 3–4 5–6 7 kein Weingeschmack, fremd, verdorben leer, dünn, wenig Ausdruck, geradlinig besonders reintönig, schlank – ausdrucksstark gehaltvoll, aromatisch, reich, charaktervoll stilistisch, überragend, perfekt
Gesamteindruck: 0–5 Punkte (allgemeine Qualität, typizität, balance/Harmonie, Finesse, abgang, entwicklungszustand/Reife) 0* 1–2 3–4 5 mangelhaft, unharmonisch, atypisch kurzer Abgang, wenig harmonisch – rund mittlerer – langer Abgang, balanciert, typisch, delikat lang anhaltend, modellhaft, sehr harmonisch hochrein, großer Wein
Maximalsumme 20 (je nach Geschmack können auch halbe oder Zehntelpunkte vergeben werden)
* Bei einer einzigen Null-Bewertung ist der betreffende Wein auszuscheiden!