Portrait 04/2010

Im Angesicht der Koralpe

Der Name Christian Reiterer ist unter Schilcher-Kennern seit
langem eine fixe Größe. Vor zehn Jahren hat er das
Gut Koralpenblick erworben und damit ebenfalls reüssiert.
icht nur für den Rosé aus der Blauen Wildbacherrebe hat der unermüdliche Kämpfer für Qualität ein glückliches Händchen. Seine rosaroten Schaumweine haben gleichermaßen ihre treuen Anhänger. In letzter Zeit punktet Christian Reiterer auch mit Sauvignon Blanc aus südsteirischen Rieden. Die Möglichkeit, bei Kopreinigg ein Weingut zu erwerben, eröffnete ihm neue Möglichkeiten. Auf dem Gut Koralpenblick, wo die Weststeiermark sozusagen die Südsteiermark trifft, kultiviert er die Blaue Wildbacherrebe ebenso wie den Sauvignon Blanc. Die Produktpalette reicht vom Schilcher, den es auch als Frizzante gibt, über Sauvignon Blanc bis zu dessen schäumender Variante. Organisatorisch gehört der Betrieb zum Weingut Reiterer mit Sitz in Lamberg bei Wies.

BEVORZUGTE LAGE. Sollten Sie nicht auf Anhieb wissen, wo Kopreinigg liegt, so ist das nicht weiter schlimm. Man muss nur von Deutschlandsberg in der Weststeiermark ungefähr 15 km in Richtung Südosten fahren. Etwa gleich weit ist es nach Kitzeck im südsteirischen Sausal, das nordöstlich liegt. Wendet sich der Besucher auf dem Reiterer’schen Anwesen nach Süden, hat er die Windischen Bühel vor Augen, die schon zu Slowenien gehören. Noch attraktiver hingegen ist der Blick gegen Westen auf die Ausläufer der Koralpe, der dem Weingut seinen Namen gab. Dieser Bergzug bietet nicht nur optische Reize. Am Abend strömt von hier Kaltluft nach Osten und kühlt die vom Sonnenschein noch warmen Trauben innert kurzer Zeit merklich ab. Der Temperaturwechsel sorgt für intensive Aromenbildung in den Beeren und für lebhafte Säure. Davon profitieren Schilcher und Sauvignon gleichermaßen. Neben diesem speziellen Mikroklima ermöglicht die Bodenbeschaffenheit reife und fruchtbetonte Weine, die sich im Charakter jenen der benachbarten Südsteiermark nähern. Immerhin reicht der Einfluss der Koralpe bis zu manchen der dortigen Weinrieden.

EXKLUSIV FÜR FEINKOSTKUNDEN. Die Weine des Gutes Koralpenblick haben den Status des Exklusiven. Man kann sie nicht überall kaufen. In Österreich sind es die Feinkostkunden von Spar-Gourmet, wo hochwertige Lebensmittel im Sinne von Spezialitäten das Angebot darstellen. In Deutschland werden die Kreszenzen über das Frischeparadies Niederreuther verkauft, das für sein umfangreiches Angebot an Top-Weinen bekannt ist – neben Wild und Geflügel, fangfrischen Fischen oder Gemüse. Hier decken sich auch Spitzenköche ein. Mit diesen exklusiven Vertriebsschienen hat Christian Reiterer dem Schilcher eine weitere Plattform geschaffen. Und das sollte schlussendlich der gesamten Weinbauregion zu Gute kommen.





Kremser Veltlinermacher: Die unendliche Leichtigkeit des Weins

Ihre eigenen Top-Lagen von oben betrachten, das wollten sie schon immer, die fünf Winzerfreunde aus Krems, besser bekannt als Kremser Veltlinermacher.
Gesagt, getan, man charterte ein geeignetes Fluggerät, „und weil wir nicht wissen, wie lang das dauert, haben wir jeder einen Karton Wein eingepackt“, wurde uns augenzwinkernd versichert. Die ursprünglich als Werbegag angedachte Idee war für Wolfgang Aigner – selbst passionierter Segelflieger – und seine Winzerkollegen aber gleich in mehrfacher Hinsicht spannend: Zum einen konnten die Akteure ihre Veltliner-Rieden, deren Exposition und sonstige Besonderheiten im unmittelbaren Vergleich von oben betrachten, zum andern war es natürlich Spaß pur, über den Lagen schwebend ein Gläschen aus eben derselben zu sich zu nehmen.
Wir bleiben bei unserem Bericht selbstverständlich am Boden, wenn wir uns im Folgenden jeweils zwei besondere Lagen des Weinmacher-Quintetts herauspicken und die Grünen Veltliner daraus vergleichend verkosten. Eine Zusammenfassung aller Weine des aktuellen Jahrgangs findet sich im neuen Jungwein-Atlas, der diesem Heft beiliegt.
Wolfgang Aigner macht den Anfang mit zwei berühmten Kremser Lagen, der Sandgrube und dem Weinzierlberg. Im Jahr 1215 erstmals als „Sandgrub“ in den Archiven aufscheinend, besteht diese mit mäßiger Hangneigung nach Süden aufwartende Riede aus lehmigem Feinsand sowie etwas Schotter und Kies im Unterboden. Ihre Besonderheit liegt in der
extrem hohen Wasserspeicherkapazität (1 m³ Erde kann bis 180 lt. Wasser aufnehmen!). Südlich daran anschließend begegnen wir dem Weinzierlberg, dessen mit ca. 1,5 m sandigem Lehm bedeckter Urgesteinsboden für mineralische, oft auch etwas strengere Weine sorgt.

Unser virtueller Rundflug führt uns in die benachbarte Ried Holzgasse, die ihren Namen von den Waldviertler Bauern trägt, welche früher diese nicht so steile Route zum Kremser Holzmarkt wählten. Anton Hagen macht auf den oberhalb des Weinzierlberg gelegenen Lössterrassen Veltliner von klassischer Erdhaftigkeit. Sie unterscheiden sich diametral von den würzigen Sortenkollegen aus dem noch höher gelegenen, schotterbödrigen Thurnerberg (früher: Turmberg), dessen Weine pikante, mineralische Komponenten aufweisen, was nicht zuletzt auf die kühleren Waldviertler Luftströmungen zurückzuführen sein dürfte.

Wir überqueren den Donaustrom, um zur Südseite des Kremstals zu gelangen, wo uns schon von weitem das imposante Benediktinerstift Göttweig willkommen heißt. Am Fuße des Göttweigers liegt der Frauengrund, dessen Lagenbezeichnung von einem bis ins 16. Jhdt. existierenden Frauenstift herrührt. Rudolf Fritz produziert hier auf kalkreichem, feinem Lockersediment fruchtbetonte Veltliner mit hohem Trinkanimo, während die benachbarte Lage Schweren Zapfen (schwere Löss- und Lehmböden) kleinklimatisch von ihrer Nähe zur Donau profitiert. Das Ergebnis sind Weine mit Mineralität und Würzekühle.

Nur einen Steinwurf entfernt liegt die geschichtsträchtige Riede Herrentrost, die ihren Namen dem Umstand verdankt, dass sie den Stiftsherren stets „trostvolle“ Weine schenkte. Für Franz Tanzer ist der in Terrassen angelegte Weingarten – der Boden besteht aus sandigem Löss, darunter befindet sich karges Felsgestein – Lieferant leichter, knackiger Veltliner mit feiner Säurepikanz. Die südlichste und höchste Lage des Weinguts heißt Goldbühel und weist Konglomeratböden mit unterschiedlich starken Lössauflagen auf. Die 30jährigen Rebanlagen werden ganztags besonnt und sorgen für ausdrucksstarke Veltliner mit hohem Reifepotenzial.

Unser Rundflug bringt uns zurück zur anderen Donauseite, wo wir die Lage Wolfsgraben überfliegen, die in ihrer Form – von oben besonders spektakulär anzusehen – tatsächlich einem weit aufgerissenen Wolfsrachen gleicht. Der junge Richard Walzer sieht in der windigen, tiefgründigen Lösslage einen idealen Standort für würzige Veltliner eher mittelgewichtigen Zuschnitts. Ganz im Gegenteil zu den charaktervollen, mineralischen Weinen aus der Top-Lage Gebling (mittelhochdeutsch: ergiebig) mit ihren schottrig-sandigen, teilweise konglomerathaltigen Böden und ihrer Bilderbuch-Südexposition.





Grüner Veltliner – ganz klassisch

Der Verein Weingüter Retzer Land hat zum bereits 6. Mal die „Grüner Veltliner Classic Trophy“ verliehen. Die seriöse Verkostung bestätigt die Bemühungen der Mitgliedsbetriebe, sich als Qualitätsmarke zu etablieren.
ozusagen als Auftakt zur Weintour Weinviertel wurden die besten Weine 2009 der Weingüter Retzer Land der Öffentlichkeit präsentiert. „Die Gäste waren von der hohen Qualität der Weine begeistert“, freut sich Obmann Markus Pröglhöf über die gelungene Veranstaltung im Retzer Weinquartier. Das Niveau der eingereichten Weine war erfreulich: Obwohl der Jahrgang 2009 eher kraftvolle Weine ermöglicht hat, ist es den Winzern mehrheitlich gelungen, ausgewogene Weine mit moderatem Alkohol zu erzielen, sortentypische Frucht und Trinkspaß stehen im Vordergrund.

HOHER QUALITÄTSANSPRUCH. Das Bemühen um authentische, regionale Weinkultur versinnbildlicht schon das gemeinsame Logo des Vereins, ein versteinertes schneckenförmiges Fossil, das sich häufig im Sedimentgestein unter den Weinbergen des Retzer Landes findet. Es symbolisiert das Terroir der Region recht trefflich, dessen Grundstein vor 20 Millionen Jahren durch das Eggenburger Meer geformt wurde. Durch Verwitterung, Anschwemmung und Windverfrachtung haben sich im Laufe der Zeit recht unterschiedliche Böden gebildet: Löss, Lehm, Sand oder Urgesteinsboden nehmen entscheidenden Einfluss auf den Charakter der Weine. Die Vielfalt an Böden ist somit eine der großen Stärken des Gebiets und die Winzer wissen das immer besser zu nutzen. „Die Weiterbildung der Mitglieder ist ein besonderes Anliegen unserer Vereinigung, wir konzentrieren uns im Moment auf die Erforschung der Böden, auch mit wissenschaftlicher Unterstützung durch die Universitäten“, so Markus Pröglhöf.

AUSGEREIFT UND AUSGEWOGEN. Eine Fachjury, darunter auch die VINARIA, hatte die besten klassischen Weinviertel DAC 2009 der Weingüter Retzer Land, also gebietstypische Grüne Veltliner im leicht bis mittelgewichtigen Bereich verkostet. Als eindeutiger Sieger ist der Weinviertel DAC „Classic“ vom Weingut Prechtl aus Zellerndorf hervorgegangen. Den zweiten Platz teilen sich die Weingüter Autrieth aus Hadres und Rücker aus Unterretzbach. Dem Weingut Rücker, ein Neuzugang im Kreis der Weingüter Retzer Land, ist somit ein erfreulicher Einstieg geglückt. Ausgereift und ausgewogen präsentieren sich die Veltliner der „Classic“ Kategorie, physiologisch reifes Traubenmaterial und recht hohe Extrakte geben auch den leichtgewichtigeren Weinen viel Fülle, die Säure ist jahrgangsbedingt moderater als sonst ausgefallen. Die interessantesten Weine im Feld bringen den jeweiligen Bodentypus recht schlüssig ins Glas, die Bemühungen der Winzervereinigung tragen somit schmeckbar Früchte.






Klöch: Hauptstadt des Traminers

Die Rebsorte Traminer hat sich in den letzten Jahren aus
der Bedeutungslosigkeit ganz still und heimlich zu einem Aus-
hängeschild der rot-weiß-roten Weinlandschaft entwickelt.
inen wesentlichen Beitrag zu diesem Aufschwung darf sich die Winzervereinigung „Klöcher Traminer“ aus der kleinen südoststeirischen Weinbaugemeinde Klöch auf ihre Fahnen heften. Klöch wurde zwischenzeitlich als Synonym für Traminer in Österreich über die Landesgrenzen hinweg bekannt. Kein Wunder, hat der Tramineranbau doch hier eine lange Tradition. Seit 1444 ist der Weinbau in Klöch urkundlich belegt.

UNVERGLEICHLICHES TERROIR. Die mineralreichen Böden um Klöch bieten hervorragende Bedingungen für den Weinbau, insbesondere für die Rebsorte Traminer. Das Klima ist kontinental beeinflusst, mit nur 80 Frosttagen und nahezu 2000 Sonnenstunden ist die Marktgemeinde auch das wärmste Gebiet der Steiermark. Diese Rahmenbedingungen kommen dem Traminer besonders entgegen.

DIE REBSORTE. Unverkennbar ist die Sorte Traminer am ausgeprägten Aroma, das häufig an den Blütenduft von Wild-
rosen erinnert. Aber auch exotische Fruchtaromen, Steinobst und Anklänge von reifen Zitrusfrüchten finden sich im breiten Duftspektrum häufig wieder. Die mächtige Aromen- und Geschmacksintensität des Traminers wird durch spürbaren Zuckerrest hervorragend unterstützt, sodass sich die Rebsorte für alle Stufen von Prädikatsweinen fabelhaft eignet.

DIE MARKE „KLÖCHER TRAMINER“. Aufgrund des ständigen Rückgangs der Traminer-Rebfläche initiierte die Marktgemeinde Klöch, angeführt vom Bürgermeister und Amtsleiter, gemeinsam mit den Klöcher Winzern im Jahr 1987 eine Traminer Schutz- und Werbeaktion. Mit durchschlagendem Erfolg: Die jahrelangen Qualitätsbemühungen spiegeln sich regelmäßig in beachtlichen Ergebnissen bei nationalen sowie internationalen Verkostungen wider. Der „Klöcher Traminer – Der Wein mit der Rose“ hat sich als unverwechselbarer Wein mit Herkunftscharakter etabliert.



zurück »