Klaus wird 50
Jubiläum füreinen Visionär
Als Josef Jamek, der Doyen des Wachauer Weinbaus, im Jahr 1959 1,5 Hektar Rebfläche in der Ried Klaus erwarb, hätte er wohl nicht gedacht, auf diese Weise zum Gründervater einer Legende zu werden. Bei der vor Kurzem im Weingut Jamek veranstalteten Verkostung von 32 Klaus-Rieslingen aus fünf Jahrzehnten haben sich die Unnachahmlichkeit und Ressourcen dieser noblen Einzellage ebenso bestätigt wie die wahrhaft visionäre Entscheidung von Josef Jamek, die Weine vom steilsten Weinberg an der Donau zum Herzstück seines Wachauer Paradeweingutes werden zu lassen.

Nach dem Erwerb des ersten Teilstücks in der Ried Klaus hat sich Josef Jamek entschlossen, den Riesling daraus gewissermaßen lagen-, sorten- und naturrein auszubauen, was übrigens unter notarieller Aufsicht erfolgte und besiegelt wurde. Dass nur Zucker aus der Traube den Alkohol in diesem Wein bildete, also auf jegliches Aufzuckern des Mostes verzichtet wurde, war für diese Zeit ein revolutionärer Schritt. Unbeirrt hat Josef Jamek dann am Ausbau naturbelassener Weine festgehalten und nach einiger Zeit auch die Lage am Rückenetikett beschrieben sowie die Flaschen einzeln nummeriert, um die Authentizität der Abfüllung zu dokumentieren.
Als wahre Sisyphus-Aufgabe können auch die stetigen Erhaltungsarbeiten an den über 100 Steinterrassen in einem der steilsten Weinberge der Wachau definiert werden, dessen Bezeichnung Klaus übrigens von der Enge und Steilheit dieses monolithisch erscheinenden Weinbergs herrührt, der übrigens auf allen Seiten von der ebenfalls ausgezeichneten Ried Achleiten umgeben ist. Klaus und Achleiten gelten heute unbestritten als absolute Toplagen der Wachau, zu denen man im mittleren Abschnitt eventuell noch den Zwerithaler, im westlichen Teil Tausendeimerberg, Setzberg und Singerriedel sowie im östlichen den Dürnsteiner Kellerberg, die Schütt und das Steinertal sowie allenfalls gewisse Abschnitte des Loibenbergs rechnen könnte, aber eine derartige Klassifizierung wird wohl immer Ansichtssache bleiben.

EIN LEBENSWERK WIRD WEITERGEFÜHRT. Parallel zu der mühseligen Erhaltung der Terrassen wurden die Kellerräumlichkeiten in zwei Stufen erweitert. Im Keller hat Josef Jamek in leichteren Jahrgängen auch den biologischen Säureabbau gestattet, um den Weinen eine gewisse Geschmeidigkeit zu verleihen, und stets auf eine Abrundung durch längere Fasslagerung gesetzt, wenn er auch auf der anderen Seite der Erste in der Wachau war, der seine Weine temperaturkontrolliert in Gärtanks aus Edelstahl vergoren hat. Übrigens erfolgt auch heute noch die finale Reifung der Topweine einige Monate hindurch im großen Eichenfass.
Trotz all dieser Aufgaben fand Weinbaupionier Jamek noch die Zeit, den Arbeitskreis zum Schutz der Wachau zu gründen, mittels dem er mit seinen Mitkämpfern, wie etwa Franz Hirtzberger, auch erfolgreich den geplanten Bau einer Staustufe bei Rossatz und Dürnstein verhindert hat. 1996 hat Josef Jamek, der im Vorjahr seinen 90er gefeiert hat, das Weingut nahezu blitzartig an seine jüngste Tochter Jutta und deren Ehemann Hans Altmann übergeben, die sich sowohl für die Fortführung des Restaurants als auch für eine Erweiterung des Weingutes auf 25 Hektar entschieden haben. Auch das verheerende Donauhochwasser des Jahres 2002, das im Erdgeschoß des Hauses eine Generalsanierung nötig machte, hat den ungebremsten Aufwärtstrend des Hauses Jamek, das 2007 auch sein 95-jähriges Jubiläum gefeiert hat, letztlich nicht behindern können. Wenn auch das Vermächtnis von Gründervater Josef Jamek so groß ist, dass hier nicht alle Verdienste einzeln aufgezählt werden können, so lassen sich doch vielleicht zwei Momente pars pro toto herausgreifen: für das Weingut die untrennbare Verbindung der Ried Klaus mit Riesling aus dem Haus Jamek sowie für die Wachauer Weinkultur die Entwicklung eines eleganten und doch expressiven Weincharakters, der die Mineralität des Wachauer Terroirs unverfälscht – früher hätte man eben „naturrein“ gesagt – zum Ausdruck bringt.

Die kompletten Degu-Notizen finden Sie in der aktuellen VINARIA 4/2010.



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