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Mächtig auf die leichte Art
Im Vinaria-Jahrgangs-Check der 2006er-Mittelgewichts-Veltliner bis 12,5% kam es zum Finale zwischen der Wachau und dem Kamptal – und es blieb spannend bis zum Schluss.
Aber dann kam ein Herbst, an den wir uns alle erinnern, als wäre er gestern gewesen: mit einem nicht enden wollenden Altweibersommer, der bis in den November hineinreichte. Herrlich für die Erzeugung von Veltliner-Granaten, von denen wir in unserer nächsten Ausgabe berichten werden, aber umso schwieriger für die trinkfreudigen Grünen Veltliner bis 12,5 Prozent Alkohol, da die Mostgewichte und somit auch die potenziellen Alkoholgehalte des schönen Wetters wegen immer höher stiegen, während die physiologische Reife vielerorts hinterherhinkte. Wieder einmal war hinsichtlich Lesezeitpunkt viel Fingerspitzengefühl vom Winzer gefragt, auch wenn die wetterliche Konstellation eine ganz andere war als in den Jahren zuvor. Eine Frage der Reife. Ohne Frage war der mit einer nicht enden wollenden Schönwetterperiode im Herbst gesegnete 2006er primär ein Jahrgang der kraftvollen, körperreichen Weine, was sich auch bei unserer Verkostung offenbarte. So waren nicht nur die Spitzen rarer als bei unserer Verkostung der 2005er-Veltliner bis 12,5 Prozent im Vorjahr – weniger Weine konnten die 16-Punkte-Schallmauer durchbrechen –, auch der Punkteschnitt war niedriger. Außerdem hatten etliche bekannte Weingüter gradationsbedingt gar keinen 2006er-Veltliner mit 12,5 Prozent zu bieten – selbst unter Einbeziehung der bei der Etikettangabe erlaubten Toleranzgrenze von 0,5 Prozent Alkohol. Doch auch bei etlichen der zur Verkostung eingereichten Veltliner dürften die Winzer die Toleranzgrenze ausgereizt haben, sprich: es gab wenige Leichtgewichte, dafür aber einige Weine, die sich recht kraftvoll und füllig präsentierten – durften sie auch, war doch der Jahrgang von einer attraktiven reifen (Wein-)Säure geprägt. Die Spitzen der Veltliner-Verkostung zeigten eindrucksvoll, wie diese Balance zwischen ausgereifter Frucht, pikanter Säure und gutem Alkoholgerüst Weine aus einem Guss ergab – eben trinkfreudige Paradeveltliner. An die 200 Weine, naturgemäß vornehmlich aus Niederösterreich, wurden zur Verkostung eingereicht. Einige konnten ihren deutlichen Gerbstoff nicht verleugnen, bei manchen Vertretern fiel es sogar relativ unangenehm auf. Dazu fiel auch bei etlichen Weinen die mangelnde physiologische Reife auf; unreife Noten sind aber keinesfalls gutzuheißen, nur um das spritzige (zitrus)säurebetonte Feeling, das unter dem Deckmantel „pfeffrig“ verkauft wird, zu erhalten. Die Sieger kamen diesmal aus der Wachau und dem Kamptal, deren Beste sich im Finale ein knappes Kopf-an-Kopf-Rennen lieferten, wobei schlussendlich Johann Schmelz aus Joching in der dicht an dicht gereihten Leistungsschau mit seinem Steinwand-Federspiel knapp die Nase vorne hatte: ein Schulbuch-Veltliner, vollgepackt mit feingliedrigen Pfefferaromen, guter Mineralität und einem saftigen Fruchtmix aus Ringlotten, Pfirsichen und Hagebutten. Knapp dahinter folgte ein gemischtes Doppel aus je zwei Wachauern und Kamptalern: einerseits Willi Bründlmayer mit seinem Berg-Vogelsang sowie Michael Moosbrugger von Schloss Gobelsburg mit seiner Allerheiligenstiftung. Nicht unerwähnt bleiben soll, dass Moosbrugger auch seinen ansprechenden Basis-Veltliner namens Messwein im Vorderfeld platziert hat. Andererseits konnten sich heuer auch die Wachauer Karl Stierschneider vom Kartäuserhof mit seinem gehaltvollen Federspiel von der Achleiten und Alois Höllmüller mit dem Federspiel Pichlpoint in der Spitzengruppe der kräftigen Mittelgewichte etablieren. Mit minimalen Abständen folgte eine Phalanx an weiteren höchst empfehlenswerten Veltlinern aus den donaunahen Gebieten, wobei der Wagram gleich mit vier Weinen vertreten war: Gerhard Direder, der mit seinem Schlossberg aufzeigen konnte, genauso wie sein Mitterstockstaller Ortskollege Bernhard Ecker, der mit dem Stokstal auch einen der Preis-Leistungs-Hämmer hält. Als dritter Power-Mann am Wagram konnte sich Franz Leth mit seinem Steinagrund in Szene setzen, knapp dahinter platzierte sich noch Stefan Bauer mit seinem Bromberg. Die Ehre des Weinviertels verteidigte schließlich der Pernersdorfer Julius Klein. In Sachen Verschluss hat sich in den letzten Jahren einiges getan, und heuer setzte sich der Trend der letzten Jahre fort: Die Mehrzahl der eingereichten 2006er Veltliner-Proben war verschraubt. Vereinzelt fanden sich ein paar Glasstöpsel-Verschließer, wie Summerer oder Jurtschitsch, deren Weine übrigens auch im Vorderfeld landeten. Naturkork war im mittelgewichtigen Veltliner-Segment so gut wie nicht vorhanden. Da die Winzer in dieser Qualitätsklasse zum Drehverschluss tendieren, sei noch angemerkt, dass auch nicht jede Flasche, die aufgedreht wurde, entsprach: Zu bemängeln gab es da teilweise überreduktive Weine, bei denen die Schwefeldosis wohl zu hoch angesetzt wurde, aber auch einige Flaschen, bei denen der Schraubverschluss nicht präzise angepasst war, was sich in Beeinträchtigungen bemerkbar machte. Bei jenen paar Weinen, bei denen sich die Flaschen krass unterschieden, haben wir von einer Beurteilung und Bewertung abgesehen. Topweine Schmelz, Federspiel Steinwand 16,9 Weingut Bründlmayer,Berg-Vogelsang 16,8 Höllmüller, Federspiel Pichlpoint 16,8 Schloss Gobelsburg, Allerheiligenstiftung 16,8 Franz-Josef Gritsch, Federspiel Singerriede 16,7 Karl Stierschneider, Federspiel Achleiten 16,7 Direder, Schlossberg-Berg 16,6 Schloss Gobelsburg, Messwein 16,6 Weingut Ecker-Eckhof, Stokstal 16,5 Weingut Leth, Steinagrund 16,5 Alfred Deim, Wachau 16,4 Stefan Bauer, Bromberg 16,2 Winzerhof Haiderer, Federspiel Donauleiten 16,2 Weingut Hirsch, Heiligenstein 16,2 Weingut Jurtschitsch, Steinhaus 16,2 Julius Klein, Classic Weinviertel DAC 16,2 Meinhard Forstreiter, Kremser Kogl 16,1 Rudolf Rabl, Spiegel 16,1 H & A Sigl, Kirnberg Federspiel 16,0 Tegernseehof, Superin 16,0 Weingut Proidl, Rameln 15,9 Weinhof Ehn, Hochrain 15,8 Weingut Summerer, Langenlois 15,8 Wimmer-Czerny, Fumberg 15,7 |
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