Weingut Esterházy: Mit voller Kraft voraus!
Eines der erfreulichsten Wein-Comebacks der letzten Jahre hat das Weingut Esterházy hingelegt,
und wenn wir unseren Eindrücken trauen dürfen, dann ist der Höhenflug längst nicht abgeschlossen.
Esterházy, Ungarn, das Burgenland, der Weinbau, die Kultur – das sind Begriffe, die seit Jahrhunderten auf das allerengste verwoben sind. Das fürstliche Haus Esterházy war eines der bedeutendsten Adelsgeschlechter Europas und hat über Jahrhunderte die europäische Geschichte mitgeprägt.
Heute ist Esterházy einer der größten Kulturveranstalter im Burgenland und eine der größten privaten Veranstaltungsplattformen in Österreich. Aufgabe der Esterházy-Privatstiftung ist es, das kulturelle Erbe zu erhalten, zu erforschen und der Öffentlichkeit zugänglich zu machen. So wie die Fürsten Esterházy über vier Jahrhunderte als großzügige Mäzene, leidenschaftliche Kunstsammler die Geschichte der ganzen Region prägten, kommt Esterházy als Förderer des Kulturgeschehens – damals wie heute – eine bedeutende Rolle zu.
Burgen und Schlösser in Eisenstadt, Forchtenstein, Lackenbach, Landsee, dem ungarischen Fertöd sowie der Römersteinbruch St. Margarethen (Hätten Sie’s von letzterem gewusst? Ich nicht!) zählen zu den bekanntesten Liegenschaften der Esterházy im pannonischen Raum. Sie ziehen jährlich eine halbe Million Besucher an und sind also aus dem kulturellen Leben der Region nicht mehr wegzudenken.
Das Schloss Esterházy in Eisenstadt ist das bedeutendste Kulturdenkmal des Burgenlandes. Die prunkvollen Räume mit ihrer festlichen Ausstattung lassen die fürstliche Vergangenheit und das Leben am Hofe der Esterházy lebendig werden. Seine Ursprünge gehen auf eine Burg aus dem 13. Jahrhundert zurück. Seit 1649 im Besitz der Familie Esterházy, wurde die Burg im 17. Jahrhundert unter Fürst Paul I. zu einem Barockschloss ausgebaut, das mehr als 300 Jahre Hauptresidenz der Fürstenfamilie war. Ab 2010 wird übrigens eine Ausstellung über die Familiengeschichte der Esterházy zu sehen sein.
Joseph Haydn. Die historischen Wurzeln des Komponisten (1732–1809) und die zahlreichen Haydn-Stätten in Eisenstadt und Umgebung zeugen bis heute von der engen Bindung zu dieser Stadt und zum Hause Esterházy.
Die besondere Atmosphäre des Schlosses Esterházy inspirierte den Komponisten, der mehr als 40 Jahre in Diensten der Fürsten stand, zu seiner außergewöhnlichen Musik, die klangvolle Geschichte schrieb. Der nach ihm benannte Haydnsaal ist mit seinen barocken Fresken und Wandmalereien noch heute einer der schönsten und akustisch bes-ten Konzertsäle der Welt.
Ein Wirbelwind namens Ottrubay. Dr. Stefan Ottrubay, so heißt der Helveto-Ungar (oder Hungaro-Helvete), der vor einigen Jahren von der Fürstin Melinda Esterházy, seiner Tante, an die Spitze der Esterházy-Privatstiftung berufen wurde. Der Effekt war unglaublich: was er alles aus dem Dornröschenschlaf geweckt und wieder ins rechte Licht gesetzt hat, kann hier nicht weiter erörtert werden (es empfiehlt sich auf jeden Fall ein Besuch auf www.esterhazy.at). Dass es bei einem solchen Turbo, dessen Denken sich nie aufs Burgenland beschränkt, sondern immer den gesamtpannonischen Raum umfasst hat, auch gelegentlich zu Meinungsverschiedenheiten mit Lokalgrößen gekommen ist, mag nicht weiter verwundern, aber, wie sagt schon Linus, Charlie Browns bester Freund (in der tiefgründigen Snoopy-Comic-Serie): „In 500 Jahren merkt man keinen Unterschied mehr.“
Weinbau betreiben die Esterházy (oder eigentlich korrekt: sie ließen ihn betreiben) seit dem 17. Jahrhundert. 1758 ließ Gräfin Maria Lunati Visconti, die Ehefrau von Fürst Paul II. Anton Esterházy, Pinot-Noir-Reben aus Burgund importieren und aussetzen: Nach einem Vierteljahrtausend darf man die Rebe wohl getrost als heimisch ansprechen.
Ein nagelneues Weingut. Das Esterházy’sche Weingut war bis in die jüngste Zeit tatsächlich im Keller des Schlosses mitten in Eisenstadt untergebracht und drohte längst, aus allen Nähten zu platzen. Gesagt, getan, auf einer grünen Wiese in Trausdorf wurde 2006 – übrigens mit Blickkontakt auf Schloss Esterházy – eine moderne State-of-the-Art-Winery errichtet, mit modernster Kellertechnik ausgestattet. Dazu wurde mit Mag. Elisabeth Kamper eine Weingutsleiterin gefunden, wie man sich wohl kaum eine kompetentere wünschen kann, mit jahrelanger Erfahrung in Verkauf und Marketing zuerst bei Wein & Co, danach über sechs Jahre beim größten deutschen Weinhändler, Hawesko.
Mit Beginn 2008 folgte der nächste Streich: Es gelang Elisabeth Kamper („Aber da war sehr, sehr viel Diplomatie notwendig!“), mit Ing. Josef Pusch einen der besten Kellermeister des Landes zu engagieren. Der leitete vorher den Keller der „Vereinten Winzer Horitschon“ und als solcher auch das Rotweinprojekt Arachon von F. X. Pichler, Manfred Tement und Illa Szemes.
Ein neues Design. Ich gestehe gerne, dass ich von Malerei und Design nicht sehr viel verstehe. Dennoch aber ist das Corporate Design des Weinguts bis hin zu den Etiketten tatsächlich atemberaubend, zumindest meiner bescheidenen Meinung nach. Die Motive fand Cordula Alessandri ausschließlich in der fürstlichen Kunstsammlung. Die Etiketten der Single-Cru-Weinserie zieren Persönlichkeiten von Ölgemälden, jene der Destillate chinesische Figuren aus der Chinoiserien-Sammlung, und die Ornamentik – beispielsweise das große E – kommt von der fürstlichen Geschirrsammlung. Das alles hat einen einmalig hohen Wiedererkennungsfaktor, man sieht einer Flasche die Herkunft auf den ersten Blick an. Keine Spur von Kopie, nur eigene Inspiration (und die Sammlungen) – Hut ab!
Nicht nur Wein. Dass man sich nicht auf Wein beschränken würde, das war allen bald klar. Nebst eigenen kalten Gemüse-Wein-Saucen nach ungarischer Tradition („Lekvár“) wird auch das Obst der eigenen Weingärten (und die Trebern vom Wein) von einem Topmann zu Höhergeistigem destilliert. Alois Gölles aus der Steiermark macht also Tesoro-Tresterbrand, Edelbrände von Birne, Marille, Kirsche, Himbeere und Alter Zwetschke (sieben Jahre Fasslagerung) sowie Himbeer- und Marillenlikör und einen Johannisnuss-Ansatzbrand.
Bleibt mir nur noch, zum Schluss einen ganz besonderen Liebling zu erwähnen: Quinquin (französisch ausgesprochen) heißt der flaschenvergorene Rosé-Perlwein, der zum besten gehört, was ich in dieser Kategorie verkostet habe: ungemein verführerisch, herrlich beerenfruchtig, perfekte Balance, wunderschön trocken (nur 9 g Dosage), ein Gedicht. Der Name geht auf den 1715 geborenen Grafen Franz Esterházy zurück, der in Wien Hoftheater-Direktor war. Er war die historische Vorlage für Hugo von Hofmannsthals Figur des Quinquin im Libretto zu Richard Strauss’ Rosenkavalier.
Wagramer Selektion: Auf sicherem Kurs
Die Wagramer Selektion als zweitälteste noch bestehende Winzervereinigung hat ihre Hausaufgaben im an sich nicht einfachen Jahrgang 2008 bestens gelöst; beeindruckend erscheinen auch Homogenität und Solidarität innerhalb dieser dynamischen Gruppe.
Die ausgeglichene Qualität auf hohem Niveau, die wir insbesondere nach der ausgiebigen Verkostung der weißen 2008er-Gewächse gerne attestieren, und dies alles bei einem überaus vernünftigen Preis-Wert-Verhältnis, hat sich auch insofern positiv niedergeschlagen, als die Mitglieder der Wagramer Selektion selbst in wirtschaftlich schwierigen Zeiten keine Verkaufsrückgänge zu verzeichnen hatten. Im Gegenteil: Viele Betriebe haben in der jüngsten Vergangenheit kräftig investiert und folgerichtig noch ein bisschen an der Qualitätsschraube gedreht. Auch österreichweit haben sich diese Bemühungen in zahlreichen Auszeichnungen manifestiert: Allen voran wäre der Salonsieg in Gestalt des Grünen Veltliners Löss IV von Franz Sauerstingl anzuführen, wobei insgesamt noch sechs Weine von Mitgliedsbetrieben im Salon Aufnahme fanden. Auch die „New Vino“-Wagram-Sieger stammen von der Selektionsgruppe, die auch bei unseren Degustationen für Spitzenplätze gut ist.
Neue Heimat. Eine ebenso funktionelle wie „coole“ Heimstätte haben die 14 Mitgliedsbetriebe der Wagramer Selektion in der neuen Gebietsvinothek Weritas gefunden, in der praktisch alle Wagramer Topweingüter mit ihren Produkten vertreten sind. Im Keller der schmucken Vinothek, die von Wagram-Urgestein Gerhard Hintermayer souverän geleitet wird, können vier Weine pro Betrieb zu Ab-Hof-Preisen erstanden werden; für alle Informationen zum Wagram steht das im gleichen Gebäude untergebrachte Regionalbüro zur Verfügung, womit es als Anlaufstelle erster Güte empfohlen sein kann. In diesem Zusammenhang sei aber auch auf den liebgewonnenen „Alten Winzerkeller“ als einstige Anlaufstelle verwiesen, den Tausendsassa Ernst Vogel als exklusive Pension im Herzen von Kirchberg weiterführt.
Kein Teenager mehr. Im nächsten Jahr gilt es auch das 20-jährige Jubiläum der Wagramer Selektion zu feiern, die 1989 gegründet wurde, der erste Jahrgang war demnach der 90er.
Auch am Wagram war der Jahrgang 2008 keineswegs einfach zu meistern: umso befreiender erscheint, dass die erreichten Qualitäten die anlässlich unserer Jungweinverkostungen geäußerten Erwartungen noch deutlich übertroffen haben. Dies gilt insbesondere für die Grünen Veltliner, die in all ihrer Bandbreite präsentiert wurden und über Fruchtreichtum und das obligate Pfefferl hinaus auch erstaunliches Stehvermögen andeuteten; auch einige Veltliner der leichteren Kategorie wussten zu überzeugen, wenn es auch in dieser Gruppe vielleicht noch etwas Luft nach oben geben könnte. Ein weiteres Schlaglicht wurde bei der diesmaligen Degustation auf den eine verdiente Renaissance feiernden Roten Veltliner gerichtet, der mit für diese – gewöhnlich nicht gerade mit primären Fruchtaromen glänzende – Sorte überraschender Fruchttiefe und viel Schmelz glänzte; dass die kräftigen Repräsentanten den schlankeren deutlich überlegen waren, kommt nicht unerwartet. Vielleicht könnte man auf dem leichteren Sektor in Zukunft dem Frühroten Veltliner noch eine größere Spielwiese einräumen. Als dritter Schwerpunkt der Verkostung wäre die Burgundergruppe zu melden, in der sich die durch die Bank reintönigen Chardonnays brav geschlagen haben, punkto Nuancenreichtum und Eleganz aber von einigen brillanten Weißburgundern doch mehr oder weniger in den Schatten gestellt wurden. Sämtliche Weine entstammen dem Jahrgang 2008 und waren allesamt verschraubt.
Stift Klosterneuburg: Die Wein-Dreifaltigkeit
Das älteste Weingut Österreichs hat mit einem sehr jungen Team eine erfolgreiche Qualitätsoffensive gestartet und hat sich besonders mit roten Lagenweinen, allen voran dem St. Laurent, über die Landesgrenzen hinweg einen Namen gemacht.
Das Stift Klosterneuburg besitzt die größte zusammenhängende St.-Laurent-Rebfläche der Welt, informiert die umfangreiche Presseaussendung – kein Wunder, gibt es doch heutzutage außerhalb Österreichs kaum nennenswerte Rebflächen dieser roten Sortenspezialität. Das Weingut des Chorherrenstifts besitzt einen ansehnlichen Flecken von über 50 Hektar Weingärten in der sogenannten Stiftsbreite im Tattendorfer Steinfeld. Der überwiegende Teil dieser zusammenhängenden Weingartenfläche ist mit St. Laurent bepflanzt, der sortenrein, aber auch in Form von Cuvées ausgebaut wird, die Weine haben in den letzten Jahren deutlich an Struktur und Tiefe gewonnen, was sich auch in entsprechend guten Wertungen bei VINARIA-Blindver-kostungen niederschlägt. Wir haben die aktuellen roten Lagenweine nachgekostet und dabei mit Wolfgang Hamm, seines Zeichens Geschäftsführer des Weinguts, über die Gründe dieses beachtlichen Qualitätsschubs gesprochen.
Die Wein-Dreifaltigkeit. Mit dem Thema Wein kam der geborene Weinviertler Wolfgang Hamm recht früh in Berührung, schließlich hatten die Großeltern, wie so viele in dieser Region, eine kleine gemischte Landwirtschaft. Schon neben seinem Studium auf der Wirtschaftsuniversität Wien hat er Fachvorlesungen auf der Boku, der Universität für Bodenkultur, besucht. Nach seiner Promotion als Betriebswirt – naheliegenderweise zum Thema Weinmarketing – legte er noch das WSET-Diploma nach. Internationale Erfahrungen machte Hamm schließlich im Lebensmittel- und Weinmarketing, bevor er 2007 zum Geschäftsführer des Weinguts Stift Klosterneuburg bestellt wurde. Ihm zur Seite stehen Kellermeister Christian Schmidt und Weingartenmanager Markus Schodl, beide jung an Jahren, aber eben mit dem notwendigen Fingerspitzengefühl ausgestattet. „Das Talent von Christian, der vorher Kellermeister der HBLA Klosterneuburg war, ist unserem Weingut nicht verborgen geblieben“, so Hamm, „und mit Markus haben wir einen Weingartenmanager, wie man ihn sich nur wünschen kann“. Christian Schmid, Absolvent der Weinbauschule Klosterneuburg, ist ein Tüftler; viele kleine Details bei der Rotweinbereitung hat er im Keller perfektioniert. Die Technik im Stiftskeller ist ohnehin auf dem neuesten Stand der Kelter- technik, es geht eher darum, die einzelnen Chargen vom Weingarten bis zum Fass so individuell wie möglich zu behandeln. „Das geht halt nur, weil wir ein eingespieltes Team sind und jeder von uns das Weinmachen als ein ganzes, komplexes System begreift, von der Bodenbearbeitung bis zur Flaschenfüllung.“ Markus Schodl, Absolvent der Fachhochschule Geisenheim, kennt die Bodenverhältnisse der ehrwürdigen Stiftsweingärten wie seine sprichwörtliche Westentasche, Bodenbearbeitung, Laubarbeit und Lesezeitpunkte sind mittlerweile perfekt auf die jeweiligen Bodenverhältnisse abgestimmt. Auch die Idee, Hühner für eine schonende Bodenvitalisierung einzusetzen – VINARIA hat darüber berichtet – geht auf ihn zurück.
Innovativer Traditionsbetrieb. Spätestens beim Kellerrundgang durch das weit verzweigte unterirdische Reich des Stifts wird deutlich, dass „Tradition und Innovation“ sich weder ausschließen noch ein trendiges Marketingkonzept sein müssen, es ist hier schlicht und einfach die Arbeitsphilosophie. Auch wenn man beim Rundgang im untersten Kellerteil und somit gut 36 Meter unter dem Stiftsplatz angelangt ist, zieht immer noch ein angenehm frischer Lufthauch übers Gesicht. „Das ist die Lüftung durch den Kamineffekt“, erklärt Hamm sichtlich begeistert. Kein Wunder, Architekt Donato Felice d’Alio war nicht nur ein berühmter Barockarchitekt, sondern auch ein genialer Kellerbaumeister, der gelernte Maurer lies doppelte Ziegelwände errichten, in deren Zwischenraum die Luft zirkuliert und den gesamten Kellerkomplex konstant klimatisiert. Und plötzlich steht man vor einer abgesperrten Glastür und erblickt eine moderne Abfüllanlage, die wegen der strengen IFS-Zertifizierung (International Food Standard) in einem sterilen Raum unter Überdruckatmosphäre steht und natürlich auch nur von außen zu besichtigen ist. An die Kelleranlagen schließt ein modernes Hackschnitzelheizwerk an, das unter anderem auch den gesamten Strombedarf für das Weingut deckt. Dank des erneuerbaren Energieträgers Holz aus den Stiftseigenen Wäldern und einer Optimierung der gesamten internen Energieprozesse, zum Beispiel mittles Wärmerückgewinnung, gilt der Betrieb als das erste klimaneutrale Weingut in Österreich.
Klassiker in Rot. Zurück zu den Paradeweinen in Rot, wo der St. Laurent natürlich den Ton angibt. Drei logisch voneinander abgestufte Lagenweine werden reinsortig angeboten. Der Ausstich ist das Aushängeschild des Betriebs und wird in großen Holzfässern von bis zu 10.000 Litern ausgebaut. Die Reserve bekommt dann schon etwas gebrauchtes Barrique mit auf den Weg und zeigt, wie kraftvoll und elegant St. Laurent sein kann, wenn man sich Mühe gibt. „Das Schöne an der Sorte ist, dass sie auch bei höherer Extraktion immer elegant bleiben kann“, so Hamm. Das manifestiert sich schließlich in der Großen Reserve, die nur in geeigneten Jahren mit entsprechender Fruchtreife entsteht. „Wir streben natürlich jedes Jahr eine Große Reserve an, aber letztlich müssen wirklich alle Parameter passen, das passiert aber nur zwei, dreimal im Jahrzehnt.“
In der Cuvée Escorial stehen dem St. Laurent dann Cabernet und Merlot zur Seite, nur beim Chorus kommen hauptsächlich die internationalen Bordelaiser Sorten zum Einsatz, was insofern spannend ist, als die Riede Stiftsbreite keine homogenen Bodenverhältnisse aufweist. Die von Braunerde durchzogenen Schwemmland-Schotterböden sind quasi wellenförmig aufgeschichtet, daher sind die Böden einmal tiefgründig und fruchtbar, dann wieder steiniger und karger. Auf den kargen Abschnitten fühlen sich dann auch Cabernet und Co. wohl, vor allem aber der St. Laurent, dessen Topqualitäten von Trauben der kargeren Weingartensegmente der Stiftsbreite stammen.
„Wir haben großartige Lagen und die gute technische Ausstattung ist gegeben, es liegt
also an uns, dieses Potenzial zu nutzen“, blickt Wolfgang Hamm optimistisch in die Zukunft. In Anbetracht der schmeckbaren Qualitätsoffensive und des motivierten Teams kann man sich auf neue, spannende Jahrgänge dieser Weindreifaltigkeit freuen.
Die Kremser Veltlinermacher
Krems ist eine der renommiertesten Weinherkünfte Österreichs –
mit gutem Grund, verfügt die Weinstadt doch über eine Vielfalt an erstklassigen Rieden. Des vinophilen Potenzials der Gegend bewusst, wollen die Kremser Veltlinermacher dem Wein zu neuem Ruhm verhelfen.
Die aus Wolfgang Aigner, Rudolf Fritz, Anton Hagen, Franz Tanzer und Richard Walzer bestehenden Kremser Veltlinermacher decken die Vielfalt des Kremser Terroirs großteils ab. Die Gruppe verbindet Freundschaft, die in Form von Erfahrungsaustausch, gemeinsamen Verkostungen und gegenseitiger Hilfestellung gepflegt wird.
Wolfgang Aigner, dessen Betrieb mit urgemütlichem Gästehaus im Stadtteil Weinzierl liegt, hat sein Wirken 2006 an den östli-
chen Stadtrand verlegt, wo er einen hochmodernen, geräumigen Keller mit stilvollem Verkostungsraum gebaut hat. Als Toplagen dienen ihm, der neben Grünem Veltliner auch Sorten wie Riesling und Gelber Muskateller ausbaut, die historische Sandgrube mit sandig-lössigem Boden auf schottrigem Untergrund sowie der Weinzierlberg, der sich aufgrund seines Urgesteinsanteils neben Veltliner auch für Riesling bestens eignet.
Direkt am Kremsfluss, im Stadtteil Rehberg, befindet sich das Weingut von Anton Hagen. Grüner Veltliner spielt mit gut zwei Dritteln Anteil die Hauptrolle – immerhin fünf
Varianten gibt’s davon. Die immer wieder feinen „Alten Reben“ stammen von bis zu 70jährigen Reben. Auch mit Riesling, Weißburgunder und Chardonnay weiß der Winzer bestens umzugehen. Klassische Lagen sind der schotterbödrige Turnerberg in Rehberg, wo pikant-mineralische Weine entstehen, sowie die Lössterrassen der Holzgasse, wo kraftvolle, würzige Veltliner herkommen.
Der Wirkungsbereich von Rudolf Fritz liegt südlich der Donau in und um Krems-Thallern. Grüner Veltliner und Riesling stellen die Hauptsorten, beim Veltliner vertraut man seit Jahrzehnten auf eigene Traubenselektionen aus alten Rebenbeständen. Im
Keller werden die Weine, die aus Thallerner Rieden wie dem tiefgründigen Schweren Zapfen und dem locker-lössbödigen Frauengrund stammen, getrennt vinifiziert und ausgebaut. Heuer erfolgreichster Winzer auf der Kremser Stadtweinkost, ist der Winzer für seine fruchtbetonten, fein strukturierten Weine bekannt. Ebenfalls in Krems-Thallern ist der Hauerhof Tanzer beheimatet. Hauptsorte in dem mit einem Top-Heurigen ausgestatteten Familienweingut ist der Grüne Veltliner, der jedoch von Riesling, Chardonnay, Pinot Blanc und Muskateller sowie einigen Rotweinen sekundiert wird. Im Familienweingut werken mit Weinmacher Franz V. und seiner Frau Daniela sowie den Eltern Friederike und Franz zwei Generationen tatkräftig mit. Zu den bekanntesten Rieden zählen der lössterrassierte Herrentrost sowie der Goldbühel, ein Konglomeratboden mit Lössauflage.
Jüngstes Mitglied ist der talentierte Richard Walzer. Jahrelang in den Kellern renommierter Weingüter tätig, arbeitet er seit 2007 bei den Familien Buchegger und Mayr in Droß, wo er auch seine von 2 Hektar stammenden Trauben verarbeitet. Neben mit 55% vertretenem Grünen Veltliner widmet sich Walzer auch Gelbem Muskateller, Riesling sowie Cabernet und Merlot. Das Traubenmaterial für die Weine stammt aus der mit tiefgründigen Lössboden ausgestatteten Ried Wolfsgraben (heuer top bei unserer Probe der Veltliner bis 12,5%), sowie der Toplage Kremser Gebling.
Meinhard Forstreiter: Der Kremser mit den „kecken“ Weinen
Dank des Hollenburger Terroirs in Verbindung mit einer besonderen reduktiven Ausbauweise vermag Meinhard Forstreiter höchst eigenständige Weine zu keltern.
Es ist immer wieder ein Vergnügen, mit Meinhard Forstreiter über die Ausbau-Philosophie seiner Weine zu plaudern, vor allem auch deshalb, weil sie sich in einigen Belangen von der seiner Winzerkollegen deutlich abhebt. „Ich mache die Weine für mich. Nur die Weine, die mir schmecken, kann ich auch verkaufen“, meint er mit einem selbstbewussten Lächeln. Die Liebe zum Wein liegt den Forstreiters seit mehr als einem Jahrhundert im Blut. Seit 1868 befindet sich das mittlerweile 28 ha Rebfläche umfassende Weingut im Familienbesitz, in der alten Weinbaugemeinde Hollenburg, einem südlich gelegenen Stadtteil von Krems. „Hier wurde schon 400 n. Chr. nachweislich Weinbau betrieben“, verkündet er stolz und sieht sich zu Recht als Bewahrer und Förderer dieser uralten Tradition.
In südlich und südöstlich ausgerichteten Terrassenweingärten wachsen auf sogenanntem Hollenburger Konglomerat, das unterschiedlich starke Lössauflagen vorzuweisen hat, dank des besonderen Mikroklimas extrem frucht- und würzebetonte Weine heran. Die pannonischen Einflüsse sorgen für heiße, sonnenreiche Tage, der Donaustrom sowie Nordwestwinde aus dem nahen Waldviertel für die willkommene nächtliche Abkühlung. Es sind Bergweine im ursprünglichen Verständnis, die aus Lagen mit einer durchschnittlichen Hangneigung von 26% stammen und teilweise berühmte Namen tragen, wie beispielsweise der aus kalkreichem Konglomerat und Verwitterungsböden bestehende „Schiefer“ – eine Bezeichnung, die insofern irreführend ist, als sie nicht etwa vom (nicht vorhandenen) Schiefergestein herrührt, sondern vom alten Namen „Schiffberg“, auf dem vor Jahrhunderten die Donauschiffer mit Fahnen und Feuer vor Plünderern gewarnt wurden. Was ist nun das Geheimnis der Forstreiter-Weine, die sich, inklusive dreier Bundessieger (!), mittlerweile 14-mal im Salon Österr. Wein behaupten und zahlreiche nationale und internationale Auszeichnungen einheimsen konnten? Viele sprechen von herzhaften, kecken, vorwitzigen Gewächsen, wenn sie die Weine verkosten, und während die einen das als sanfte Kritik auffassen, verstehen andere Weinliebhaber – die große Mehrheit – das als dickes Lob für die expressiven Rebensäfte des stämmigen Weinbau- und Kellermeisters. Die Antwort auf obige Frage ist zweifellos im Zusammenspiel von Terroir und einer besonders reduktiven Ausbauweise zu suchen, welche die Primäraromen betont und vor allem den Grünen Veltlinern und Rieslingen ihre temperamentvolle Frische verleiht. Freilich darf nicht unerwähnt bleiben, dass sich diese intensive Aromatik bei den Topweinen des Hauses (Kremser Kogl, Schiefer, Tabor) schon nach einigen Monaten der Flaschenreife zurücknimmt, um Sortencharakter und mineralischer Würzefülle bereitwillig Platz zu machen.
Wir haben es bereits im aktuellen VINARIA-Weinguide publiziert: Meinhard Forstreiters Weine sind anders. Und wer bereit ist, sich auf ihren anfänglich übermütigen Stil einzulassen, darf sich vergnügliche, wenn nicht sogar unvergessliche vinophile Momente erwarten.
Weingut Siedler – Kronenhof
Dass die Traisentaler Winzer seit einigen Jahren kräftig Gas geben, wird auch am Beispiel des Kronenhofs ersichtlich. Alexander Siedler führt das Weingut nunmehr in der 5. Generation und bewirtschaftet, gemeinsam mit den Eltern Gerhard und Helga sowie Gattin Manuela, seine allesamt um den beschaulichen Weinort Reichersdorf liegenden Rebflächen, was eine permanente, direkte Kontrolle des Vegetationsverlaufes erheblich erleichtert. Das Hauptaugenmerk liegt auf Weißwein, wobei sich neben den Traisentaler Standardsorten Grüner Veltliner und Riesling auch Weißburgunder, Rivaner, Frühroter Veltliner, Gelber Muskateller und Sauvignon Blanc in der Angebotspalette finden. Ergänzt wird das Sortiment um einige Rotweine, vornehmlich Blauer Portugieser, Zweigelt und etwas Merlot, die beiden letzten auch als Barrique-ausgebaute Cuvée.
Der gelernte Önologe bezieht seine Begeisterung aus der ihm eigenen Naturverbundenheit, was ihn nicht daran hindert, traditionelle Produktionsmethoden mit innovativer Technologie zu verknüpfen. Das Resultat sind klar strukturierte, sortentypische Weine, die ihm beachtliche Erfolge einbringen, nicht zuletzt bei der vor wenigen Monaten erfolgten, von VINARIA begleiteten Traisental-Verkostung, bei der sein Grüner Veltliner „Tradition“ den ersten Platz unter seinesgleichen erringen konnte. „Wein aus der Natur und nicht auf Kosten der Natur“, so lautet seine sympathische Devise, von der wir annehmen dürfen, dass sie noch in vielen weiteren ausgezeichneten Rebensäften ihren Niederschlag finden wird.
Szigeti – Sekt vom Feinsten
Eine burgenländische Erfolgsgeschichte der ganz besonderen Art feiert in Kürze Geburtstag: Die in Gols beheimatete Sektkellerei der Brüder Norbert und Peter Szigeti wird 20.
Die Geschichte ist sehr schnell erzählt: Zwei Brüder beschließen im Jahr 1990, sich mit einer kleinen Sektkellerei – gearbeitet wird ausschließlich nach traditioneller Flaschengärung, also der Champagnermethode – selbstständig zu machen. Studienreisen in die Champagne gehen voraus. Norbert Szigeti ist für die Produktion zuständig, Peter für Verkauf und Marketing. Die Gesamtstrategie des Hauses – etwa die kürzlich erfolgte Gründung eines zweiten Standbeins in Ungarn – wird gemeinsam abgesprochen.
Der Beginn im Weingarten. Ausgangsprodukt für Sekt ist der Grundwein, und der wird – welche Überraschung! – aus Trauben gemacht. Wobei an die Trauben für Sektgrundwein etwas andere Anforungen gestellt werden als für solche für stillen Wein. Gute Sektgrundweintrauben müssen absolut gesund sein. Ist bei stillem (Weiß-)Wein ein gewisser Grad an Botrytis (Edelfäule) durchaus tolerabel (respektive für die Edelsüßen er-
forderlich), so ist sie beim Sektgrundwein absolut zu vermeiden, weil sie die Oxidation fördert, was sich sofort zu Lasten der Reintönigkeit niederschlägt.
Neben der Gesundheit der Trauben ist ein ausgewogener Zucker- und Säuregehalt wichtig. Der Zuckergehalt soll nicht zu hoch sein, denn durch die zweite Gärung in der Flasche kommen ja noch etwa zwei Volumsprozent hinzu. Ebenfalls passen sollte die Säure: bei zuwenig wird der Sekt schal. Man sieht also, dass für einen Top-Sektgrundwein absolut dieselbe Sorgfalt notwendig ist wie für einen stillen Topwein.
Die Arbeit im Keller. Die Trauben werden also zum Grundwein vergoren und in die Flaschen gefüllt. Hinzu kommt der Tiragelikör, ein Zucker-Hefe-Weingemisch, und die Flasche wird verschlossen. Es erfolgt die zweite Gärung in der Flasche, das CO2 kann nicht entweichen und bleibt im Sekt gelöst. Nach der erforderlichen (bei Szigeti weit über dem Durchschnitt liegenden) Lagerzeit auf der Hefe wird der Bodensatz abgerüttelt und aus der Flasche entfernt (degorgiert). Es kommt der Dosagelikör hinzu, der den Sekt auf den gewünschten Restzuckergehalt einstellt. Das ist normalerweise ein Wein-Zucker-Gemisch, bei Szigeti wird allerdings stattdessen feinster burgenländischer Edelsüßwein verwendet.
Der Sekt in der Probe. Wir haben einige Sekte verkostet – und das mit dem allergrößten Vergnügen.
Der Weißburgunder geht deutlich in die klassische, sehr weinige Richtung, er ist von zarten Nussnoten umwoben, die Textur cremig und fein, die Assoziation zu feinem Champagner drängt sich auf. Der Neuburger ist eine pfiffige, ein wenig rustikalere Version des Weißburgunders, ein ausgesprochen freundlicher Geselle, weich, aber keineswegs flach im Abgang. Der Grüne Veltliner ist dann schon deutlich österreichischer in der Stilistik, er wirkt einfach etwas keck und jugendlich. Der Riesling zeigt schon in der Nase eine lupenreine, wunderschön gereifte Steinobstfrucht, die sich am Gaumen fortsetzt, unterstützt von feiner Extraktsüße, ein absoluter Schmeichler von Graden. Der Welschriesling kommt frisch und wunderschön fruchtig daher, er ist ausgesprochen elegant und auch blitzsauber, er erinnert in seiner hohen Klasse eindeutig an Champagner. Der Zweigelt duftet nach Weichseln, Johannisbeeren und auch Kirschen („Pago für Erwachsene“), am Gaumen gibt er sich dann erstaunlich erwachsen und komplett.
Was es sonst noch gibt. Wir wollen nicht vergessen auf drei weitere Produktgruppen hinzuweisen, die es ebenfalls in sich haben: zum Ersten die ungarischen Sekte (eine höchst individuelle Tokaji Réserve und ein inzwischen preisgekrönter Muscat), zum Zweiten die Frizzante, die mit derselben Liebe und Aufmerksamkeit hergestellt werden, und zum Dritten ganz prachtvoll gereifte Jahrgangssekte: Cuvée 1998, Rosé 1998 und Riesling 1995.
Domäne Wachau: Bestens konsolidiert
Weniger Menge, aber Topqualitäten und ein starkes Portfolio an Wachauer Lagen –die Domäne Wachau ist derzeit bestens aufgestellt und setzt in Zukunft noch stärker auf Grünen Veltliner.
Das Weinjahr 2009 sieht das Führungsteam der Domäne Wachau mit einem lachenden und einem weinenden Auge. So konnten insgesamt sehr gute Traubenqualitäten erzielt werden, aber mit gut 20 Prozent weniger Ertrag muss die erfolgreiche Dürnsteiner Genossenschaft auskommen. Vor allem der etwas anfälligere Riesling hat aufgrund der konsequenten Selektion deutlich an Menge eingebüsst, wo man hingegen beim doch robusteren Grünen Veltliner vergleichsweise kaum mit Traubenverlusten zu kämpfen hatte. In Summe deutet alles auf einen sehr guten Jahrgang hin, der durch frühe Blüte und relativ frühe Reife gekennzeichnet war und sich in den Reigen klassischer Wachauer Jahrgänge einreihen dürfte.
Gut aufgestellt. Das Sortiment der Domäne umfasst mittlerweile 60 verschiedene Einzelabfüllungen, immerhin 15 Einzellagenweine werden derzeit angeboten. „Momentan sind wir mit unserem Sortiment gut konsolidiert, natürlich hätten wir – vor allem Im Export – potenziell die Möglichkeit noch mehr Einzellagen auf den Markt zu bringen“ so Geschäftsführer Roman Horvath. An der Traubenannahme finden sich nämlich wesentlich mehr Lagenchargen ein, als später separat auf die Flasche kommen, darunter finden sich zum Beispiel altehrwürdige Rieden wie Kirnberg oder Liebenberg. Ob für den Heimatmarkt, oder für die Wachaufans in Übersee, der Grüne Veltliner in all seinen Spielarten dominiert: 60 Prozent aller Anlieferungen der Genossenschaftsmitglieder entfallen auf die Österreichische Paradesorte, mit Abstand folgt Riesling – bei 20 Prozent – und sonstige Sorten. Die hauseigene Vinothek in Dürnstein sorgt dafür, dass der direkte Kontakt zum Kunden nicht verloren geht: „Als Imageträger ist die Vinothek unverzichtbar, wir haben interessierte Laufkundschaft, aber auch Weinfreunde die für Führungen anreisen und danach natürlich ein paar Flaschen gleich mitnehmen möchten, so Roman Horvath.
Fokussierung auf die Leitsorte. Die Nachfrage an hochwertigem Grünen Veltliner aus Österreich ist im Export immer noch stark steigend. Die Domäne Wachau trägt dieser Entwicklung Rechnung und setzt noch stärker auf die autochthonen Vorzüge der Sorte. Dieses Jahr hat die Domäne mit dem professionelle Umpfropfen begonnen, alte Rebanlagen mit weniger gefragten Sorten werden auf Grünen Veltliner umveredelt. Die Vorteile liegen auf der Hand, nach erfolgter Umpfropfung kann bereits bei der kommenden Ernte Grüner Veltliner gewonnen werden, ohne ein Lesejahr in diesen umgestellten Anlagen zu verlieren. Dank des bestehenden, alten Wurzelsystems bleibt der ausgeprägte Lagencharakter eines älteren Weingartens komplett erhalten, und das bedeutet: Noch mehr hochwertige Veltliner für Fans der Domäne Wachau in aller Welt.