Geld mit Wein
„Ein guter Wein wird
niemals wertlos!“
Wer glaubt, Top-Weine sind nur zum Trinken und Genießen da, der irrt. Als Lager- und Spekulationsobjekte eignen sich Cheval Blanc, Mouton Rothschild, Petrus, Haut-Brion und Co. auch zur Geldvermehrung.


Dies liegt vor allem daran, dass die Anbaufläche der 20 bis 30 wirklich weltweit anerkannten Kultweine nicht beliebig erweiterbar ist bzw. an ihre Grenzen gestoßen ist und die Nachfrage aus Russland und Asien laufend zunimmt. Dies führt in der Folge zu steigenden Preisen. Längst kaufen nicht mehr nur passionierte Weintrinker und der Geldadel die edlen Tropfen. Immer mehr institutionelle Investoren interessieren sich für Wein als Anlageklasse. Die Top-Weine der Spitzenhäuser werden als „Blue Chip“-Weine bezeichnet. Solche Blue Chips erzielen in relativ kurzer Zeit hohe Wertsteigerungen. „Ich zähle dazu Latour 1961, Mouton-Rothschild 1982, Haut-Brion 1989 und den 1990er Pétrus“, erklärt Simon Klocker, Chefsommelier des Palais Coburg. Die Käufer unterscheiden dabei zwischen „Consumption Grade“- und „Investment Grade“-Weinen. Rund 90 Prozent der Weine zählen zur 1. Kategorie und werden innerhalb von drei Jahren, nachdem sie auf die Flasche gekommen sind, konsumiert. Diese Tropfen sind daher für Investoren völlig uninteressant. Investment Grade-Weine hingegen sind in den letzten 25 Jahren zu einem milliardenschweren (Investment-)Markt herangereift. In diesem Segment werden die Weine schlicht als Kapitalanlage betrachtet und können sehr alt werden, weil sie für die weitere Wertsteigerung gebunkert werden.

Die Wein-Benchmark. Es sind vor allem die Spitzengewächse aus Bordeaux, welche die Entwicklung des weltweit wichtigsten Wein-index „Liv-ex 100“ der Londoner Internet-Weinbörse bestimmen. Dieser weltweit anerkannte Indikator für die Entwicklung der internationalen Weinpreise umfasst 100 Spitzengewächse. Der Bordeaux-Anteil beträgt mit Stichtag 1. Jänner 2009 nicht weniger als 92,4 Prozent, gefolgt von Burgund mit 4,53 Prozent. Innerhalb der letzten vier Jahre – von September 2005 bis September 2009 – konnte der Index um fast 125 Prozent zulegen. Als am stärksten kursbeeinflussend gilt die Bewertung des US-Weinkritikerpapstes Robert Parker („The Wine Advocate“ heißt sein Journal), der 100 Punkte für den perfekten Wein vergibt. Die Schwergewichte im Index, Weine der Châteaux Lafite Rothschild (aktuelle Jahrgänge: 1986, 1996, 1998–2000 sowie 2003–2006) oder Latour (1990, 1995, 1996 sowie 2000–2005), bringen es (fast) jedes Jahr auf 90 und mehr Parker-Punkte und gelten daher als wichtigste Investment Grade-Weine. Spitzenweine erhalten bei Parker 96 bis 100 Punkte, was bedeutet, dass Investment-Weine nicht unter 96 Punkte liegen sollten, geringere Bewertungen erhöhen das Risiko von Wertverlus-ten. Die Macht der Weinkritiker zeigt folgendes Beispiel: Ein Masseto 2001 kostete, als er Anfang 2004 auf den Markt kam, rund 130 Euro. Nach einer 100-Punkte-Bewertung im Wine Spectator zahlte ein Käufer auf eBay im November 2004 dafür 312 Euro plus Versandspesen. Heute kostet der Wein von der Tenuta dell’Ornellaia satte 500 Euro.
Als europäisches Pendant zu Parker gilt der Schweizer René Gabriel, der besonders bei den Bordeaux-Bewertungen ein wichtiges Wörtchen mitzureden hat. Im Gegensatz zu seinem amerikanischen Kollegen bewertet er die Weine nach dem 20-Punkte-System. Weitere Bewertungs-Kriterien des Liv-ex sind eine möglichst lange, solide Preisentwicklung und Historie, ein weltweit bekannter Markennamen und ein hohes Handelsvolumen. Alle drei Monate überprüft eine Behörde diese
Parameter und ist befugt, bei fehlenden Kri-terien Weine aus dem Index zu eliminieren. Unabhängig davon werden Weine, die älter als 25 Jahre sind, aus dem Index entfernt.

Wie entsteht Mehrwert? Was sind nun die wichtigsten Voraussetzungen für ein gewinnbringendes Wein-Investment? „Wertsteigerungen erzielen ausschließlich Weine von höchster Qualität, die in begrenzter Menge auf einem einzigartigen Terroir produziert werden und ein langes Leben vor sich haben“, erklärt Weinraritätenhändler Jan-Erik Paulson. Weitere Parameter sind Herkunft, Marke, Jahrgang, Lagerung, Nebenkosten und die Bewertungen von Robert Parker.
Bei der Herkunft führt Bordeaux unangefochten vor Burgund und mit Einschränkungen Italien mit den bekannten Kultmarken wie Masseto, Ornellaia oder Sassicaia. „Burgund ist ein schwieriges Pflaster, wegen der geringen Produktionsmengen. Ich empfehle die Domaine de la Romané-Conti und Leroy und von der Rhône die Topweine von Jaboulet, Guigal und Rayas“, so Paulson. Eine wichtige Rolle spielen zweitens die Bewertungen Robert Parkers. Je mehr Parker-Punkte ein Wein erhält, umso stärker steigen seine Chancen, dass er als Kultwein durchgeht. Dies trifft im Besonderen auf den „En-Primeur“-Handel zu. Die Weine, die im Frühjahr nach der Ernte noch im Fass liegen, werden von namhaften Journalisten bewertet. Falls ein Wein in der Folge bei weiteren Weinproben weiterhin gut bewertet wird, steigen Publikumsinteresse und Nachfrage. Da der Anlagehorizont laut Investmentexperten bei durchschnittlich zehn Jahren liegt, sollte man möglichst schnell zuschlagen, am besten bereits zum Subskriptionspreis ordern, damit die Weine mehr Zeit zur Reife erhalten. Und last but not least ist bei der Kaufentscheidung auf perfekte Jahrgänge in der jeweiligen Region zu achten. Wichtigste Voraussetzung für die Lagerung ist eine möglichst konstante Temperatur – ide-alerweise 12 °C mit möglichst wenig Schwankungen –, wenig bis gar kein Lichteinfall und eine relative Luftfeuchtigkeit um die 70 Prozent. Eine Notlösung wäre ein Weinkühlschrank, doch wird hier die Lagerkapazität geringer sein, als in einem Keller. Als ideale Lagereinheit haben sich Holzkisten zu 12 Flaschen auch aus Kostengründen bewährt.

Indirekte Investment-Alternativen. Abseits der Börse waren bislang zwei Investment-Möglichkeiten denkbar. Entweder man kaufte möglichst früh Spitzenweine, widerstand der persönlichen Überprüfung und verkaufte die edlen Flaschen mit Gewinn, oder man beteiligte sich direkt an Weingütern, was allerdings neben einer hohen Investitionssumme viele Jahre Geduld und Erfahrung bedeutete. Für den privaten Weinanleger ist die Möglichkeit zu einer möglichst breiten Diversifikation zu vernünftigen Preisen und geringem Zeitaufwand entscheidend: „Wird ein eigener Weinkeller angelegt, sind einige 10.000 Euro für
eine hinreichende Streuung des Weinkellers über Jahrgänge, Anbauregionen und Châteaux notwendig“, betont Peer M. O. Sauer, Projektmanager der Wealth Management Holding, einer 100-Prozent-Tochter der Bayerischen Hypo- und Vereinsbank. Dazu kämen die Lagerkosten. Weinfonds, die von erfahrenen Weinprofis verwaltet werden, die durch ihre Kontakte und die größeren Bestellmengen zu günstigeren Konditionen einkaufen, bieten hingegen eine kostengünstige Veranlagungsalternative. Manche Fonds treten gleichzeitig als Käufer und Verkäufer auf und können auch hier günstigere Preise als eine Einzelperson erzielen. Die dafür verlangten Fondsspesen sollten dadurch mehr als wettgemacht werden. „Vinum Fine Wine Fund“, „Nobles Crus“ von Elite Advisers in Luxemburg und „Arch Fine Wine IC“ von Arch Financial Products LLC in London sind internationale Weinfonds, die innerhalb der letzten zwei Jahre aufgelegt wurden. Während der MSCI World im Vorjahr mehr als 40 Prozent verloren hat, gewann Elite um 20 und Arch um 0,5 Prozent. Einzig der Vinum verlor 3,1 Prozent. Der Vinum investiert in Bordeaux
in Spitzenweine wie Petrus, Château Cheval Blanc und Château Margaux. Die Mindesteinlage beträgt 10.688 Euro (10.000 Britische Pfund). Fondsmanager Robert Lench berichtet von steigendem Interesse und bezeichnet Wein als stabiles Investment. Der Nobles Crus investiert zu 70% in Grands Crus wie Romanée Conti 2005 oder Lafite-Rothschild 2007. Investoren dieses Fonds haben ein Wahlrecht, die Rendite in bar oder in Naturalien zu beziehen. Arch-Fondsmanager Duncan Hughes verkaufte Ende des Vorjahres 1982er Premier Cru Lafite-Rothschild, kaufte stattdessen den Jahrgang 1986 ein und erzielte dabei einen Wertzuwachs von 25 Prozent.

Das Weinzertifikat der RCB. Während Investitionen in „echten“ Wein ein großes Maß an Wissen erfordert und durch einen beträchtlichen Kapitaleinsatz gekennzeichnet ist, bietet das Anlagezertifikat der Raiffeisen Centrobank (RCB) eine günstige Möglichkeit den erlesenen Rebensaft zu einem geringen Kapitaleinsatz als solide Wertanlage ins Depot einfließen zu lassen. Der Raiffeisen-Weinbasket setzt sich aus 13 Unternehmen der (Wein)-Branche zusammen. Am stärksten sind Pernod-Ricard (11% ) Brown-Forman (19%), Diageo (20%) und Constellation Brands mit 15 Prozent im Weinkorb vertreten sind sowie Concha y Toro und Vina San Pedro. Mit einem Index-Zertifikat kann man sich ab einem aktuellen Kaufpreis von 9 Euro/Zertifikat an der Entwicklung der Weinaktien beteiligen. Steigen (Sinken) die 13 Aktien des Weinbaskets um zehn Prozent, steigt (sinkt) der Wert meines Investments in gleichem Ausmaß . Das Zertifikat läuft zeitlich unbegrenzt und ist jederzeit verkaufbar. Es fallen derzeit 30 Cent pro Zertifikat an Verkaufsspesen an. „Da es sich bei Wein um ein Spezialthema handelt und die Wertentwicklung des Zertifikats 1:1 mit der Entwicklung der 13 Aktien im Basket mitgeht, rate ich den Anlegern maximal 5-8 Prozent ihres Wertpapierportfolios in das Zertifikat zu investieren“, empfiehlt Mag. Philipp Arnold von der Abteilung „Strukturierte Produkte“ der RCB. Index-Zertifikate eignen sich für Investoren, die mittel- bis langfristig (drei Jahre und mehr) mit einem Steigen des Marktes rechnen. Sie wollen sich aber nicht auf Einzelwerte festlegen, sondern ihr Risiko streuen und investieren daher ihr Geld in einen
diversifizierten Index. Index-Zertifikate
haben in der Regel eine unbeschränkte Laufzeit (open-end).


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