Riesling 2008 Finale
Die positive
Überraschung
Nach mäßiger Frühform und dementsprechend geringen
Erwartungen präsentierten sich die 2008er-Premium-Rieslinge bei unserer herbstlichen VINARIA-Verkostung zwar als mittelkräftige, doch durchaus ausgeglichene und fruchtbetonte Exemplare, die in ihrer rassigen Art eine mehr als akzeptable Alternative zu den bedeutend kraftvolleren Vorgängerjahren 2007 und 2006 darstellen.


 

Von den schwierigen Verhältnissen, die das Weinjahr 2008 seinerzeit mit sich brachte, war in den VINARIA-Ausgaben 2009 so oft die Rede, dass wir auf eine eingehende Retrospektive verzichten wollen. Hier sei nur nochmals an die ungewöhnlich früh und extrem stark auftretende Pernospora und das feucht-kühle Herbstwetter erinnert, das eine verzögerte Reife und äußerst lange Lesephase mit sich brachte, auch wenn der Fäulnisdruck aufgrund der kühlen Nächte doch beherrschbar blieb.
Die ersten Jungweinverkostungen ließen zunächst Schlimmes und Parallelen mit den sperrigen 2004ern befürchten, da sich die meisten Rieslinge verkapselt und unscheinbar gaben und ihre typischen Fruchtnuancen so gar nicht freigeben wollten. Zum Glück änderte sich schon das Bild anlässlich der Anfang Mai durchgeführten Verkostung für den VINARIA-Weinguide, bei der unerwarteterwesie gar nicht so wenige Rieslinge mit der Höchstnote von drei Sternen bedacht wurden. Ein halbes Jahr später haben die positiven Aspekte eindeutig die Überhand gewonnen: Zahlreiche Weine präsentieren sich bei mittlerem Extraktgehalt durchaus balanciert, die besten auch sehr schön definiert und elegant verwoben; die rassige Säurestruktur ist zwar ein prägendes Merkmal, aber nur selten als aggressiv oder unreif einzustufen. Im Aromenspektrum überwiegen die Attribute eines kühlen Jahres, also das Duftspiel nach Kernobst von Apfel über Quitte bis zur Birne sowie Zitrusfrucht-Komponenten in allen Abstufungen von der Limette über die Zitronenschale bis zur rosa Grapefruit, aber auch Assoziationen nach Stachelbeeren und roten Ribiseln wurden gelegentlich geweckt. Da die Botrytis-Einflüsse in den meisten Fällen überschaubar blieben, ist auch während der mittelfristigen Lagerung nicht mit abrupten Änderungen des Bukett- und Geschmacksbildes zu rechnen.

Wachauer Spitze, Kamptaler Dichte. Insgesamt betrachtet war der Jahrgang, wie erwartet, für die Wachauer Winzer eine große Herausforderung, während sich die Kamptaler, und zwar auch die Exemplare einfacheren Zuschnitts erstaunlich homogen und präzise definiert gaben, sodass sie unschwer als Heiligensteiner oder Gaisberger zu identifizieren waren. An der Spitze sieht das Kräfteverhältnis freilich anders aus, denn unter den ersten zehn befinden sich sieben Wachauer und nur drei Kamptaler Rieslinge. Innerhalb der Wachauer Phalanx ist eine Abstufung nach den Unterabschnitten West, Mitte und Ost eigentlich nicht merkbar, auffallend jedoch die Verlässlichkeit, mit der sich die besten Lagen der Topproduzenten an der Spitze positionierten, aber das ist ja gerade in solch schwierigen Jahren nichts Neues; als erfreuliches Novum ist hingegen zu vermerken, dass sich auch die Smaragde weniger bekannter Winzer wie Johann Donaubaum mit seinem Setzberg und Franz Pichler mit seinem Harzenleiten ganz nach vorne schieben konnten.
Von den Kremstaler Gewächsen boten die Lagenweine der etablierten Güter des hinteren Kremstales, also die Rieslinge der Herren Nigl, Proidl und Schmid, die gewohnt hohe Qualität, wobei ihnen diesmal auch einige Gewächse aus dem Umland der Weinhauptstadt Krems auf Augenhöhe gegenübertraten, wie sich dies vom Kögl des Weingutes der Stadt Krems, vom Steingraben von Erich Berger, aber auch vom Gebling von Sepp Moser und vom Wieland des Mantlerhofes behaupten lässt. Geschlossen der Auftritt der Kamptaler Rieslinge: Sie haben in diesem Jahrgang wohl die am besten definierten Fruchtnuancen zu bieten, wobei die Spitzenlagen Heiligenstein und Gaisberg noch ein wenig hervorzuragen zu scheinen, aber auch vom Steinhaus, Seeberg und Steinmassl haben wir sehr gute Jungrieslinge verkostet.
Apropos jung: Da nur wenige 2007er eingereicht wurden, haben wir diese gemeinsam mit 2008 verkostet; am besten haben sich die gereiften Weine des Weingutes der Stadt Krems in Form des eben apostrophierten Kögl und die schon Tradition gewordene gleichnamige Riesling-Interpretation des Schlossweingutes Gobelsburg in Szene gesetzt. Der gleiche Modus gilt für die wenigen halbtrockenen Weine, die aus 2008 eingereicht wurden und in keiner Weise aus dem gewohnten Erscheinungsbild fielen, wobei als Spitzenduo hier der Seeberg von Fred Loimer und der Kapuzinerberg von Karl Fritsch hervorzuheben wären.
Alles in allem haben die positiven Aspekte die wenigen negativen – das wären in erster Linie zu starke Botrytis-Dominanz und bittere Gerbstoffnoten sowie unreife Säure – deutlich überwogen, sodass für die nächsten Jahre auch mit einer kontinuierlichen Reifeentwicklung der 2008er-Rieslinge zu rechnen ist. Ob eine Lagerung über fünf Jahre hinaus in den meisten Fällen wirklich Sinn hat, lassen wir dahingestellt; am ehesten wäre dies für das beste Dutzend zu bejahen, für das Trio der drei überragenden Gewächse sogar in uneingeschränkter Form. Zudem schmücken ja auch noch viele Repräsentanten der prachtvollen Jahrgänge 2006 und 2007 die Keller, was im Hinblick auf die erschreckenden Mengeneinbußen, die gerade für die Rieslinge 2009 drohen, für etwas Beruhigung sorgen sollte.

topriesling

Bründlmayer, Zöbinger Heiligenstein Alte Reben 19,0
Knoll, Dürnsteiner Schütt Smaragd 18,9  
F. X. Pichler, Kellerberg Smaragd 18,4  
Arndorfer, Imperator Taufwein Strasser Gaisberg   18,2 
Schmelz, Dürnsteiner Freiheit Smaragd 18,1  
Hirtzberger, Singerriedel Smaragd 18,0  
F. X. Pichler, Steinertal Smaragd   18,0 
Jamek, Ried Klaus Smaragd   17,9 
Johann Donabaum, Setzberg Smaragd   17,8 
Schloss Gobelsburg, Zöbinger Heiligenstein   17,8
 
Pichler-Krutzler Dürnsteiner Wunderburg                17,8  






zurück »