Burgunder Reserven
Klassiker an der Spitze
Die VINARIA Burgunderverkostung in Weiß war ein Heimspiel für die Sortenspezialisten: Chardonnay als primus inter pares war zu erwarten, dass sich ein exzellenter Grauburgunder an die Spitze setzten konnte, hat uns aber doch überrascht.


Chardonnay, Weiß- und Grauburgunder gelten in der Reservekategorie als klassische Lagerweine, denen Weinfreunde gerne etwas längere Flaschenreife gönnen. Die international höchst renommierte Weißweinsorte Chardonnay – man denke hier an Burgund oder die Champagne – stiehlt den beiden anderen Kollegen jedoch oft ein wenig die Show. Auch bei der alljährlichen VINARIA-Verkostung der Reserven aus 2007, 2006 und einiger Nachzügler aus 2005 stellt der Chardonnay respektive Morillon den Großteil des Spitzenfeldes, einige Ausnahmeweine aus Weiß- und Grauburgunder zeigen aber, dass diese Sorten in Österreich durchaus reüssieren können und wunderbar eigenständige Weine hervorzubringen vermögen.   

Grauburgunder on Top. Heuer offenbarte sich wieder einmal das Potenzial der Pinot-Vertreter: Der verdiente Sieger unserer Probe ist heuer nämlich kein Chardonnay, sondern ein Grauburgunder. Der Familie Winkler-Hermaden ist mit dem 2007er Grauburgunder Schlosskogel ein Vorzeigewein gelungen, der mit hoher Eleganz, Fruchttiefe und Mineralität ebenso zu überzeugen weiß wie mit Finesse und Substanz – ein überzeugender Beweis dafür, dass dieser steirische Traditionsbetrieb nach ein paar schwierigeren Jahren wieder ganz vorne mit dabei ist. Knapp dahinter folgten mit den Weingütern Kollwentz und Tement ebenfalls zwei Spezialisten: Der Chardonnay Gloria, der ohne Zweifel zu den hervorragenden Sortenvertretern Österreichs zählt, platzierte sich knapp vor dem Morillon Sulz, der manchmal im Schatten des großen Bruders Zieregg steht. Beim Vergleich der mehrheitlich eingereichten Jahrgänge 2006 und 2007 muss man die regionalen Unterschiede in Betracht ziehen: In der Steiermark gilt der hervorragend strukturierte und mit tollem Entwicklungspotenzial versehene 2007er im Vergleich zu seinem Vorgänger als noch größerer Jahrgang, in Niederösterreich, Wien und dem Burgenland hat dafür der hochreife, üppige 2006er vermutlich die Nase vorne.
Dass sich die steirischen Burgunder in Weiß nicht hinter den Sauvignon Blancs zu verstecken brauchen, ist hinlänglich bekannt – die qualitative Kontinuität der Spitzenbetriebe in der Grünen Mark unterstreichen unsere Verkostungsergebnisse einmal mehr: Alois Gross, Walter Skoff und die Familie Neumeister überzeugten – neben einigen weiteren Winzern wie Erwin Sabathi, Peter Skoff sowie Erich und Walter Polz – mit höchst charaktervollen Weinen. In der Spitze konnten sich erwartungsgemäß auch Spezialisten aus dem Burgenland wie Albert Gesellmann und Schloss Halbturn etablieren. Dass Wieninger mit Chardonnay Tribute und Bründlmayer mit seinem Pinot Gris im Spitzenfeld liegen würden, war zu erwarten, für positive Überraschungen sorgten jedoch einige Weinviertler Betriebe: Leo Uibel und Ebner-Ebenauer beeindruckten mit ihren Barrique-Chardonnays, Weinrieder mit seinem Weißburgunder. Mit letzterer Sorte punktete übrigens auch der Wösendorfer Franz Pichler. Hervorragend schlug sich schließlich der als Pirat ins Finale geschmuggelte 2007er-„1000 Weiß“ von Karl Fritsch: Eine Cuvée aus Grünem Veltliner und Chardonnay, die auf Grund ihrer burgundisch anmutenden Stilistik perfekt in die Verkostung passte.

Viele Wege führen nach Rom. Die unterschiedlichen stilistischen Zugänge sind auch innerhalb der jeweiligen Sortengruppe markant. Gerade beim Weißburgunder setzen viele Winzer auf die klassisch österreichische Ausbauweise – auch bei den kraftvollen Varianten. Diese Weine bestechen durch ihre trinkanimierende Frucht, öfters fehlte es aber ein bisschen an Tiefe und Vielschichtigkeit. Einen äußerst positiven Gesamteindruck hinterließen die (wenigen) Grauburgunder, die allesamt von Sortenspezialisten gefertigt wurden – hier zeigte sich, dass die manchmal zu Breite und Rustikaltiät neigende Sorte in Toplagen und bei entsprechend fürsorglicher Vinifikation auch elegante und ungemein langlebige Weine hervorzubringen imstande ist, die keinen Vergleich mit den besten Chardonnays im Lande zu scheuen brauchen. Dem Chardonnay eilt zu Recht der Ruf voraus, für Reserveweine prädestiniert zu sein, praktisch jedes Jahr stellt er die Mehrheit der Topweine bei unseren Vergleichsverkostungen. Jedoch ist bei den kraftvollen Chardonnays der Holzeinsatz bei manchen Kandidaten immer noch diskussionswürdig, hier trennt sich die önologische Spreu vom Weizen. Es gibt nur wenige Betriebe in Österreich, die den Spagat von Lagenausdruck, Fruchtreife und passender Holzuntermalung wirklich beherrschen. Alkoholdominanz ist bei den physiologisch vollreifen Reserveweinen ein unvermeidliches Thema, wobei hier der tatsächliche Alkoholgehalt nicht unbedingt etwas über die Finesse oder gar die Lagerfähigkeit des Weins aussagt. Ein Beispiel: Artners „massive a.“ hat annähernd den selben Alkoholgehalt wie Walter Skoffs Royal, beide Weine verfügen über ein gesundes Maß an juveniler Härte und ein kraftvolles Toasting, trotzdem dürfte der Royal längerfristig gesehen die ungestümen Komponenten Alkohol und Holztannin besser einbinden. Albert Gesellmanns Steinriegel hat hingegen „nur“ knapp über 13 Prozent, trotzdem steht er bezüglich Entwicklungspotenzial den kräftigeren Weinen um nichts nach.

Balance und Entwicklungspotenzial. Österreichs Winzer produzieren in Summe sehr respektable Reserveburgunder; die Auswahl an Weinen, die mit internationalen
Spitzengewächsen mithalten können, ist allerdings überschaubar. Dafür ist die Durchschnittsqualität innerhalb der letzten Jahre deutlich besser geworden, was nicht an einem Mehr an Substanz oder Kraft liegt, sondern an der besseren Ausgewogenheit und Balance der Weine, die wiederum zu mehr Trinkfreude führt. Erfreulicherweise gibt es im weißen Burgunder-Segment auch einige Aufsteiger zu vermelden sowie etliche Preis-Leistungs-Weine zu entdecken, z. B. Weinrieder, Bayer-Erbhof, Peter Dolle und Tschermonegg. Bezüglich des zu erwartenden Potenzials stehen die besten Weine unserer Verkostung natürlich erst am Anfang einer vielversprechenden Entwicklung, die sich bei den Topweinen aus 2006 und 2007 in deutlich zweistelligen Jahreszahlen manifestieren wird. Der doch sehr unterschiedliche stilistische Zugang und die teilweise wunderbar herausgearbeiteten regions- und lagenspezifischen Charaktere der besten Weine des Panels versprechen für Burgunderfans spannende Vergleichsverkostungen und Trinkerlebnisse.
Insgesamt gab es heuer deutlich weniger Ausfälle zu vermelden, was auf die in letzter Zeit besser gewordene Korkqualität hinweist. Dennoch: mit dem Chardonnay Lores von Reinisch erwischte es einen echten Klassiker. Aber auch die Alternativverschlüsse bieten Anlass zur Kritik: Winkler Hermadens Morillon Rosenleiten (Glasstöpsel) versagte sich durch unerklärliche oxidative Noten einer Bewertung. Derzeit unbeurteilbar war der komplett verkapselte, reduktive Tement’sche Morillon Zieregg 2007, diesen Wein werden wir nächstes Jahr nochmals verkosten.

topweine

Winkler-Hermaden 2007 PG Schlosskogel   17,8 
Kollwentz 2006 CH Gloria   17,7 
Tement 2007 CH Sulz 17,5  
Gross 2007 CH Ratscher Nussberg 17,4  
Fritsch 2007 „1000 Weiß“ 17,3  
W. Skoff 2006 CH Royal 17,3  
Uibel 2006 CH Reserve   17,3 
Gesellmann 2007 CH Steinriegel   17,1 
Franz Pichler 2007 PB Gaisberg Smaragd   17,1 











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