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Prädikatsweine 1
Elegante Süße
Gerade die unteren Prädikatsweinkategorien garantieren Trinkvergnügen pur. Im hochklassig besetzten Finale konnten neben Burgenland auch Niederösterreich und die Steiermark reüssieren, der verdiente Sieg ging diesmal an einen Riesling aus dem Kremstal.
Während im Nordburgenland die Hochprädikate à la Ausbruch und Trockenbeerenauslese nicht nur image-, sondern auch mengenmäßig deutlich ins Gewicht fallen, wird in den anderen Regionen und Gebieten – Ausnahmen gibt es in einigen wenigen traditionellen Süßweingegenden wie der Thermenregion – vor allem auf die Prädikatskategorien Auslese und Beerenauslese (bzw. Eiswein, wenn es der Jahrgang erlaubt) gesetzt, was natürlich unter anderem am weniger häufigen und intensiven Auftreten von Edelfäule liegt. Süße Spätlesen werden hingegen seltener erzeugt, da Trauben dieser Gradation überwiegend trocken ausgebaut und vielfach für die kräftigere Weißweinlinie des jeweiligen Betriebs verwendet werden. In den unteren Prädikatsweinkategorien sind mehrheitlich Vertreter aus den Jahrgängen 2007 und 2008 aktuell, was sich auch in unserer Verkostung zeigte. Beide Jahrgänge hatten ihre Tücken: 2007 ließ sich in der ersten Hälfte der Vegetationsperiode äußerst vielversprechend an, doch zerstörten – vor allem in den an und nördlich der Donau liegenden Weinbaugegenden Niederösterreichs – Niederschläge und kühlere Temperaturen im August und September diese Hoffnungen; deutlich bevorzugt waren Thermenregion und das Nordburgenland, und in der Steiermark feierte man einen großen Jahrgang. Nichtsdestotrotz gab es – bei entsprechend sorgfältiger Selektion teils ausgezeichnete trockene und süße Weißweine, die mit gutem Extrakt und knackiger Säure bestachen; die Botrytisbildung verlief allerdings lokal sehr unterschiedlich. Äußerst schwierige Bedingungen prägten den bereits früh von feuchtem Wetter und Pilzkrankheiten geprägten, recht späten Jahrgang 2008, in dem mancherorts das Auftreten von edler und weniger edler Fäule extrem intensive Selektionsarbeit erforderte; in diesem Jahrgang wurden daher wesentlich weniger hochgradiger Botrytisweine bzw. kleinere Mengen davon gemacht. Noch wesentlich wichtiger als 2007 war in diesem Jahrgang penibleste Traubensortierung unerlässlich für die Erzeugung qualitativ hochwertiger Weine. SPÄTLESE BIS BEERENAUSLESE. Die separat durchgeführte Verkostung der unteren Prädikatsweinkategorien von Spätlese bis Beerenauslese umfasst erfahrungsgemäß höchst unterschiedliche Weintypen: Diese reichen von kraftvollen, strukturierten Weißweinen mit eher dezentem Restzucker über leichte, frische Spät- und Auslesen mit kräftiger Restsüße und klarer, mäßig von Botrytis beeinflusster Frucht bis hin zu substanzreichen, tiefen Vertretern mit mittlerer bis kräftiger Edelfäulenote und selten auch mit Holzeinfluss. Auch wenn es in jeder Klasse Weine mit Trinkvergnügen gibt, so entstammen die komplexeren Vertreter meist der ersten oder dritten Gruppe. Im Vergleich zu früher nach wie vor etwas unterrepräsentiert sind Weine der Kategorie Spät- und teils auch Auslese, denen bedauerlicherweise immer noch ein negatives Image anhaftet – zu Unrecht, finden sich doch gerade in diesem Kategorien viele ansprechende Essensbegleiter, hin und wieder auch ganz hervorragende Weine. Viele der niederösterreichischen Topwinzer vermeiden bei der Benennung ihrer lieblichen Kreszenzen daher auch die Kategorienamen, und greifen lieber auf Begriffe wie „Reserve“, „Selektion“ o. ä. zurück. Die Aromasorten sind – wie bei den höheren Prädikaten – in diesen Gruppen relativ gut vertreten, vor allem Weine aus der Muskat-Sortengruppe sowie Traminer erfreuen sich steigender Beliebtheit. Topwein der heurigen Verkostung war jedoch ein Riesling der Sonderklasse: Franz Proidls Reserve 2008 ist ein herausragen-der Klassewein mit Riesenfülle, der vor saftiger Tropenfrucht übergeht und ein derart packendes Säure-Süße-Spiel aufweist, das der Vergleich zu deutschen Auslesen in diesem Fall tatsächlich legitim ist. Der Senftenberger konnte übrigens mit seinem hinsichtlich Alkohol-Restsüße-Verhältnis zum vorigen Wein beinahe antagonistisch anmutenden Veltliner „Only Sixteen“ auch einen weiteren Wein in den Top-Ten platzieren. Den zweiten Platz in den leichteren Prädikatsweinkategorien teilten sich jedoch zwei weitere Aromatiker in Beerenauslesegradation – der wunderbar ziselierte Riesling von Jamek, sowie der durchdringende Sämling von Hans Tschida. Beeindruckt haben uns jedoch auch die beiden Traminer vom südoststeirischen Weingut Müller, die den Ruhm von Klöch als Traminerherkunft eindrucksvoll untermauern. Sehr jung, mit heller Frucht, präsentierte sich die schön von Barriquenoten begleitete Beerenauslese von Neumeister, wohingegen die Ruster Vertreter von Triebaumer und Feiler-Artinger sich im besten Sinne des Wortes als strukturbetonte Klassiker mit schöner Würze erwiesen. Den geschmeidigen mundfüllenden Typ stellt schließlich der ausgewogene Ruländer von Fred Loimer dar, der diesmal den besten Kamptaler Süßwein stellte. Doch auch dahinter finden sich zahlreiche empfehlenswerte Weine – das Durchschnittsniveau in den Kategorien Spätlese bis Beerenauslese scheint erfreulicherweise generell in den letzten Jahren merklich zu steigen. Topweine
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