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Premium Rotweine
Erfüllte
Erwartungen
Erwartungen
Der Rotweinjahrgang 2007 hat im Großen und Ganzen die in ihn gesetzten Erwartungen erfüllt, wenn auch die Spitzenbewertungen von 2006 unerreichbar blieben und nicht alle Sortengruppen in gleicher Weise reüssiert haben; rundum erfreulich ist das erneut hohe Durchschnittsniveau der österreichischen Roten.
Während 2006 wegen des nahezu perfekten Witterungsverlaufes, der in einem herrlichen, nicht enden wollenden Altweibersommer kulminierte, als wohl bester Rotweinjahrgang der Neuzeit bezeichnet werden kann, war der Jahrgang 2007 wesentlich schwieriger zu bewältigen, vor allem das über Strecken kühle und regenreiche Herbstwetter verlangte den Winzern viel Können und Fingerspitzengefühl ab. BESTÄTIGTE HOFFNUNGEN. Unter den im Jahrgang 2007 herrschenden Bedingungen war ein herausragender Rotweinjahrgang zwar nicht möglich, doch haben unsere Jungweinverkostungen vor rund zwei Jahren eigentlich ein mehr als zufriedenstellendes Resümee erbracht. Glücklicherweise mussten wir diese Einschätzungen nach den großen Rotweinverkostungen des Jahres 2009 nicht oder nur in unbedeutender Weise revidieren, denn die Entwicklung der roten Gewächse scheint linear und kontinuierlich zu verlaufen, wirkliche Überraschungen sind diesbezüglich nahezu ausgeblieben. Im Allgemeinen können die 2007er auf der Habenseite feinstrahlige Struktur, klare Sortentypizität und zartgliedrige Frucht verbuchen, auch die hin und wieder konstatierte, nervige Säure passt gut ins Gesamtbild, während der Tanninrahmen generell unauffällig ausgefallen ist; als Soll ist allenfalls der gegenüber großen Jahren wie 2003, 2004 und 2006 festzustellende Mangel an Körperreichtum und samtiger Tanninfülle zu vermerken, wenn dieser auch durch die vorgenannten positiven Aspekte zumeist ausgeglichen wird. Die 2007er sind jedenfalls wesentlich kräftiger und strukturierter ausgefallen als die 2001er und 2005er, die diesbezüglich keinem Vergleich standhalten. Sie sind allerdings auch schwer mit anderen Jahrgängen der Vergangenheit zu vergleichen, denn die Einreihung als kleiner Bruder der 2002er und 2004er wird ihrem feinrassigen, ziselierten Charakter auch nicht so ganz gerecht – vielleicht handelt es sich also wieder einmal um einen Rotweinjahrgang, wie es ihn in der jüngsten Geschichte noch gar nicht gab? KEIN KULTURKAMPF. Der Richtungsstreit über zwei Extremstandpunkte in der Vinifizierung, über den wir letztes Jahr ausführlich berichtet haben, scheint glücklicherweise eher der Vergangenheit anzugehören. Denn nur wenige Gewächse haben die unterschiedlichen Auffassungen in überschießender Weise interpretiert. Auffällig war jedenfalls, dass zur Trinkmarmelade konzentrierte, übermächtige 2007er nur in ganz geringer Zahl vorzufinden waren – schon eher wurden einige 2006er in dieser Weise präsentiert, aber denen passt ja eine gewisse Opulenz weitaus besser. Auch die ausgemergelten Magersüchtigen unter den österreichischen Rotweinen waren Gott sei Dank nur selten anzutreffen. Als erfreulichster Aspekt dieser Verkostung lässt sich über den bereits angeführten hohen Punktedurchschnitt hinaus also der Verzicht auf das Einnehmen von Extremstandpunkten vermerken, der grundsätzlich zu einem harmonischen und fruchtbetonten Gesamtbild der Weine geführt hat. Die jetzt nachgereichten 2006er konnten zum Teil bestens reüssieren, aufgrund ihrer überlegenen Substanz waren sie relativ leicht aus dem Reigen der 2007er herauszuschmecken; ein schwereren Stand hatten da schon naturgemäß die jetzt präsentierten 2005er, wenn man einmal vom überragenden „Konstantin“ des Weingutes Gesellmann absieht. SEHR GUTE AUTOCHTHONE, UNTERSCHIEDLICHE ALLOCHTHONE. Während sich die heimischen Rebsorten wie Zweigelt und Blaufränkisch in der Regel sehr gut schlugen, lässt sich das von den Bordeaux-Trendsettern und dem Syrah nur bedingt sagen. Einige Zweigelt-Hersteller haben die Möglichkeiten dieser Rebsorte in einer Perfektion ausgelotet, die man noch vor fünf bis zehn Jahren für unmöglich gehalten hätte: Allen voran der prachtvolle Goldberg von Birgit Braunstein, aber auch der Olivin von Georg Winkler-Hermaden und der Altenberg des Golsers Helmuth Renner haben die Ressourcen dieser immer noch unterschätzten Rebsorte aufgezeigt, wobei zudem festzustellen ist, dass sich diese drei Gewächse vollkommen unterschiedlich präsentierten. Aber auch in der gehobenen Mittelklasse gab es viele mehr als zufriedenstellende Exemplare zu vermelden. Wenn auch 2007 kein Blaufränkisch-Jahrgang par excellence, wie etwa 2004, war, so ist doch für jeden Geschmack das Passende anzutreffen. Fruchtbetont und immens eindringlich zeigten sich etwa der Mariental-Klassiker von E. T. oder der Blaufränkische von Günter Schönberger, auch der Marienthal von Familie Mad und die Blaufränkisch-Reserve von Günter Triebaumer gehen in diese Richtung. Einer etwas härteren Stilistik verpflichtet waren der souveräne Perwolff des Weingutes Krutzler und der Leithaberg von John Nittnaus sowie der 2006er-Goldberg des Weingutes Prieler. Massiv und dicht wie eh und je waren so unterschiedliche 2006er wie der hochberc von Albert Gesellmann und der Cupido von Johann Heinrich. Wir können es nur wiederholen: Wer aus 2007 (und 2006) nicht den Blaufränkischen seines Geschmacks findet, hat in seinem Auswahlverfahren einen Grundsatzfehler eingebaut. Nicht ganz so befriedigend gestaltet sich das Resümee bei den zugewanderten Rebsorten, von denen die Cuvées aus Cabernet und Merlot, wiewohl sie in den Spitzenrängen selten anzutreffen waren, deutlich am besten abgeschnitten haben. Auch einige reinsortige Cabernets – Produzenten waren die üblichen Verdächtigen von Kollwentz, Igler, Triebaumer bis zu Reinisch und Juris – wussten zu gefallen, bei den Syrahs waren die beiden Wiener Repräsentanten überraschenderweise ganz im Vorderfeld zu finden, wie auch der Pegasos von Altmeister Hans Pitnauer. Wie schon im Vorjahr ergab das zahlenmäßig überaus große Feld der Merlots ein zwiespältiges Bild: So lagen die Alkoholwerte wieder einmal sehr hoch, ohne dass viele Weine diese feurigen Komponenten durch ausreichendes Volumen, geschweige denn die notwendige, feste Struktur ausgleichen konnten, weshalb manche Merlots im Geschmack einen seltsam diffusen, verschwommenen Eindruck boten. Freilich gab es auch zufriedenstellende bis sehr gute Exemplare, von denen die untadeligen Topweine von Franz Schindler und Franz Weninger noch besonders hervorzuheben wären. Als hervorragend abgestimmt erwiesen sich zahlreiche hochklassige Cuvées, von denen das Gros vor allem auf Blaufränkisch basiert, aber auch einige vom Zweigelt dominierte Premiumrote verstanden zu brillieren. REGIONALE PRÄFERENZEN? Für das Gros der verkosteten Rotweine waren eklatante Gebietsunterschiede punkto Qualität und Stilistik nicht wirklich festzustellen, lediglich zwei Momente fallen ein wenig aus diesem einheitlichen Rahmen. Zum einen nämlich der auffallende Umstand, dass viele der ganz hoch bewerteten Teilnehmer vom südlichen Westufer des Neusiedlersees stammen, also aus den traditionsreichen Weinorten Purbach, Oggau, Rust und Mörbisch. Zum anderen das Faktum, dass das kleine, aber feine südburgenländische Weinidyll diesmal nicht ganz an die hohen Noten der vergangenen Jahre anschließen konnte, wenn man einmal vom herausragenden Perwolff 2007 absieht. Aber die südburgenländischen Winzer haben ja zum Großteil selbst mehrfach beteuert, dass sie den 2008er sogar etwas höher einschätzen, was für österreichische Verhältnisse doch die Ausnahme bleiben sollte – hier machen sich offensichtlich Klimafaktoren bemerkbar, die auch für die im Vergleich ungewöhnlich guten Ergebnisse der südsteirischen und südoststeirischen weißen Kreszenzen gesorgt haben. Als positive Entwicklung ist auch die diesmal deutlich geringere Anzahl an Korkfehlern festzuhalten. BURGUNDISCHES SONDERTHEMA. Wie in den vergangenen Jahren, wurden die burgundischen Sorten Pinot Noir und St. Laurent gesondert verkostet, wobei die Anzahl der eingereichten Proben mit etwa 140 größer war als je zuvor – kaum verwunderlich, liegen doch diese beiden Sorten jüngst voll im Trend, was für den Pinot in noch stärkerem Maß gilt. Nicht zuletzt aufgrund der Tatsache, dass sich eine Reihe von Winzern erst seit kürzerer Zeit mit den roten Burgundersorten beschäftigen, ist die Bandbreite in Sachen Stilistik relativ groß, was heuer der großen Anzahl der Proben wegen besonders deutlich auffiel: Der Bogen spannte sich von eleganten, eher rotfruchtigen Vertretern mit dezentem Gerbstoff und pikanter Säure bis hin zu robusten, extraktsüßen Weinen mit dunkler Aromatik und kräftigem Tannin. Während man beim würzigeren St. Laurent erfolgreiche Exemplare beider Stilrichtungen findet, steht dem zarteren Pinot Noir, der bei Überreife zur Schwammigkeit und bei zu hoher Tannindosis zu Vierschrötigkeit neigt, die erste Ausbauvariante meist besser zu Gesicht. Viel Fingerspitzengefühl ist auch beim Holzeinsatz erforderlich, wobei Lagerzeit, aber auch Art und Behandlung des Holzes eine wichtige Rolle spielen – zu starkes Toasting und ausgeprägte Holztannine wirken sich in Sachen Sortencharakter und Harmonie oft negativ aus. Hinsichtlich Sauerstoffzufuhr und Schwefeldosierung während des Ausbaus wird offenbar sehr unterschiedlich vorgegangen. In unserer Verkostung spannte sich der Bogen von mehr oder weniger zart oxidativen Weinen bis hin zu relativ verkapselten Vertretern reduktiven Ausbaus. Mit Maß und Ziel angewandt, ist zweitere Variante eindeutig zu bevorzugen, legen diese Weine doch mit Luftzufuhr (bzw. Flaschenlagerung) im günstigen Fall ganz beträchtlich zu. Jene Weine, bei denen eine merkliche Oxidation schon kurz nach Öffnen der Flasche zu merken war, wurden bei unserer Verkostung ausgeschieden. Auch wenn es in etlichen Fällen noch Potenzial für Verbesserungen gibt, so war doch das Durchschnittsniveau bei der Verkostung der Pinots und St. Laurent sehr gut. Höchst erfreulich ist die Qualität der Spitzenvertreter, die überwiegend von Sortenspezialisten stammen. Besonders positiv zu vermerken ist dabei die Stilsicherheit und Eigenständigkeit, die etliche dieser Winzer mittlerweile zeigen. Die Stockerlplätze bei den Burgundersorten wurden heuer allesamt von Pinot Noirs besetzt. Unangefochten an der Spitze behaupten konnte sich Fritz Wieninger mit seinem beeindruckenden Grand Select 2006, der trotz des hochreifen Jahrgangs bemerkenswerte Eleganz und Struktur mitbringt. Hervorragend gefiel uns auch der 2007er von Gerhard Markowitsch, dessen Pinot seit Jahren eine Bank ist, sowie der hochfeine, zarte Vertreter von Graf Hardegg: eine echte Überraschung. Selbiges gilt für die sehr eigenständige Cuvée Bertrand vom Weingut Schloss Gobelsburg, bei der der Merlot-Anteil für zusätzliches Schmalz sorgt. Wie erwartet waren im Spitzenfeld auch die Thermenregion – allen voran die „Burgundermacher“ Heggenberger, Hartl und Schneider – sowie Gols – etwa mit Juris, Pittnauer, Heinrich und Beck – stark vertreten. Als Best-Buys hervorzuheben sind neben Gobelsburgs Bertrand auch die 2007er-Pinots von Mariell und Heiling. Topweine
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