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Portraits 01/2010
Vier Jahrhunderte Weinbautradition in einer atembe- raubenden Kulturlandschaft, dazu international beachtete Sortenspezialitäten wie Malbec und Torrontés machen Argentinien zu einer der bedeutendsten Weinbaunationen der Welt. s spanische Siedler im 16. Jahrhundert an der Mündung des Rio Plata begannen, kommerziellen Weinbau zu betreiben, hätten sie es wohl nicht für möglich gehalten, dass ihr vinophiles Schaffen den modernen, argentinischen Weinbau begründen würde. Die Erfolgsgeschichte des argentinischen Weins ist untrennbar mit Weinpersönlichkeiten wie Don Tiburcio Benegas (1844–1910) verbunden, der als Begründer des Weinbaus in Argentinien gilt. Im noch heute existierenden Weingut „El Trapiche“ in Godoy Cruz experimentierte er erfolgreich mit europäischen und chilenischen Reben. Mitte des 19. Jahrhunderts führte der französische Agronom Aimé Pouget die Sorten Cabernet Sauvignon und Malbec ein, vor allem dem Malbec sollte in der Folge in seiner neuen Heimat Argentinien eine beispiellose Karriere beschieden sein. Gegen Ende des 19. Jahrhunderts gab es auch – dank großer Einwanderungsströme , vor allem aus Italien, Spanien und Frankreich – zusätzliche Impulse für den Weinbau. GEMÄßIGTES KLIMA, IDEALE BEDINGUNGEN. Argentinische Weinbauregionen sind zwar – einem Atoll an Inseln nicht unähnlich – weit verstreut, liegen aber dennoch fast alle im Westen des Landes. Entlang der Andenausläufer als beeindruckende Naturkulisse erstrecken sich die Rebflächen, mit deutlich über 210.000 Hektar ist das Land nicht nur das größte Weinbau betreibende Land Südamerikas, sondern auch der fünftgrößte Weinproduzent der Welt. Mit Ausnahme der Bereiche für den Obstanbau am Rio Negro und Neuquén ist die Landschaft vom Steppenklima geprägt. In den größten Gebieten herrschen heiße Sommer mit geringen Niederschlagsmengen vor, hier gibt es beträchtliche Temperaturunterschiede von bis zu 30 Grad zwischen Tag und Nacht. Im oberen Mendoza und im Calchaquies-Tal herrscht hingegen schon eine wesentlich gemäßigtere Witterung vor. Ein trockenes, windreiches Klima in Verbindung mit der allgemein sehr geringen Luftfeuchtigkeit verringert die Gefahr von klassischen Pilzkrankheiten erheblich. Das freut nicht nur die konventionell arbeitenden Betriebe, die sich – und der Umwelt – eine Menge Spritzmittel sparen, es ermöglicht auch biologischen Weinbau in beachtlichem Ausmaß. Unabdingbar ist eine effektive Bewässerung, ohne die in praktisch allen argentinischen Anbaugebieten keine Weinproduktion möglich wäre. Neben moderner Tröpfchenbewässerung stellt ein ausgeklügeltes, über Jahrhunderte gewachsenes traditionelles Bewässerungssystem die Bereitstellung des kühlen Nass sicher. Eine Besonderheit ist die Tatsache, dass der massiven Rodungswelle in den 80er Jahren zum Trotz, immer noch viele sehr alte Rebanlagen existieren. Viele Weingärten sind mit über 50 Jahre alten, noch dazu oft wurzelechten Reben bestockt, da die Reblaus dank der oft sandigen Bödens wesentlich weniger Bedeutung hatte hat wie in Europa. TRADITIONELLE ANBAUGEBIETE, STRENGE QUALITÄTSKONTROLLE. Mendoza, die im äußeren Westen des Landes gelegene, durch eine mächtige Gebirgskette vom Nachbarn Chile getrennte Provinz, ist die mit Abstand größte und bedeutendste Weinbauregion Argentiniens. Beachtliche 600 bis 1000 Meter über dem Meeresspiegel reifen hier die Trauben in stabilem kontinentalen Klima heran. Malbec ist eine der Haupt-sorten, daneben spielen internationale Edelsorten wie der Cabernet Sauvignon eine gewisse Rolle. Aber auch die in Argentinien weit verbreiteten hellroten bis rosaschaligen Sorten wie Criolla und Cereza werden immer noch in großem Stil angebaut, hauptsächlich für den nationalen Markt, denn der Pro-Kopf-Verbrauch ist in Argentinien immer noch beachtlich hoch. Neben San Juan als zweitgrößtes Weinbaugebiet, das von der Tafeltraubenproduktion bis zu hochwertigen Weinen im Sherry-Stil eine breite Palette an Qualitäten und Sorten vorweisen kann, ist La Rioja die – historisch betrachtet – älteste Weinbauprovinz des Landes. Hier ist die Wiege der Torrontés- Traube beheimatet, eine hochwertige, traditionelle aromatische Sorte, die als aussichtsreiche Weißweinkreuzung Argentiniens gelten darf. Das 1959 gegründete „Instituto Nacional de Vitivinicultura“ gibt die Richtlinien vor und kontrolliert deren Einhaltung. Es gibt drei Qualitäts-Kategorien. Die „Vinos de Corte“ stammen hauptsächlich aus Mendoza und San Juan und sind ausschließlich für den Verschnitt bestimmt. Die relativ leichtgewichtigen „Vinos Communes“ verstehen sich als unkomplizierte Weine für den täglichen Gebrauch, ohne Angabe von Jahrgang, Herkunft oder Sorte. Die „Vinos Finos“ unterliegen hingegen genauen Vorgaben und strengen Kontrollen und werden in zwei Stufen unterschieden. Zur Stufe „A“ zählen die meisten Weiß- und Rosé-Weine, die zumindest ein Jahr in der Flasche reifen müssen. Zur Stufe „B“ gehören die qualitativ besten Weine, vor allem sind dies Rotweine. Im Jahre 1993 wurde darüber hinaus ein Ursprungssystem nach romanischem Muster eingeführt: Als erste DO’s wurden Luján de Cuyo (Mendoza), Maipú, Rio Negro, San Rafael und Valle de Calchaqui klassifiziert. ARGENTINIENS STOLZ: MALBEC UND TORRONTÉS. Es ist schon erstaunlich, was für eine Karriere die Malbec-Traube in Argentinien hingelegt hat. In ihrer alten Heimat, dem Südwesten Frankreichs, hatte sie nie eine große Bedeutung, in Argentinien jedoch spielt sie eine dominierende Rolle. Hier haben sich ganz spezifische Malbec-Klone entwickelt, die sich schon vom Aussehen her – sie sind wesentlich kleinbeeriger – von ihrem angestammten Pendant aus Cahors unterscheiden. Vor allem im oberen Mendoza scheint die Traube ihre wahre Heimat gefunden zu haben, dort vermag sie im Idealfall strukturierte, mächtige Weine von gleichzeitig ungewöhnlich kühler Finesse hervorzubringen. Seit Anfang der 90er Jahre haben sich argentinische Malbecs bei Weinfreunden weltweit einen exzellenten Ruf erworben, mittlerweile haben sich die Top-Rotweine des Landes weltweit etabliert. Die aromatische Torontés wiederum gilt vielen Weinliebhabern als die viel versprechendste Weißweinrebsorte Argentiniens. In guten Lagen und bei entsprechend sorgfältiger Verarbeitung erbringt sie Weine mit kraftvoller, animierender Säure und tiefer, muskatartiger Aromatik. Als hochwertigste Subvariante gilt übrigens die Torontés riojano, die wie der Name schon sagt, hauptsächlich in der nördlichen Provinz La Rioja verbreitet ist, sie gilt als die hochwertigste der drei Subvarianten dieser argentinischen Spezialität. |
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