Die Hilfen für Winzer im Zuge der Corona-Krise laufen an: Weinbauverband und Österreichische Weinmarketing (ÖWM) schnüren ein umfassendes Paket: 10 Millionen Liter Wein werden zu Biosprit und Desinfektionsmittel verarbeitet, Invest- und Exportflörderung verstärkt. ÖWM zieht im Marketing alle Register.
 

Österreichs Weinwirtschaft ist von der Coronakrise massiv betroffen. Alleine in der Gastronomie fehlen 23 Mio Liter Wein, die nicht verkauft werden konnten. Auch im Export gab es massive Einbrüche, manche Märkte sind total ausgefallen. Handel, Online und Ab Hof-Verkauf konnten nur einen Bruchteil ausgleichen.

„Um diese Krise aktiv zu meistern, hat nun der Österreichische Weinbauverband mit Hilfe der Corona-Krisen-Verordnungen der EU und der österreichischen Stützungsprogramme ein Hilfspaket ausgearbeitet“, erklärt Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager, zugleich mächtiger Präsident der Landwirtschaftskammer Niederösterreich. Diese Hilfe wird zusätzlich zu den Maßnahmenpaketen der Bundesregierung gestartet.

35 Cent pro Liter - Um die randvollen Weinlager in Österreich zu entlasten, werden zehn Millionen Liter Wein zu Biosprit und Desinfektionsmittel destilliert. Ähnlich radikale Maßnahmen hatten zuivor schon Frankreich und die Schweiz in die Wege geleitet. Der Wein, Jahrgang 2018 und älter, wird um 35 Cent pro Liter aufgekauft (meist über große Händler), im Lager Wolkersdorf im Weinviertel gesammelt und von der Agrana im Werk Pischelsdorf zu Ethanol verarbeitet. Dieses wird dann für Biospirt und Desinfektionsmittel verwendet. Für Letzteres ist dank Corona die Nachfrage explodiert.

35 Cent pro Liter sind zwar ein magerer, nicht kostendeckender Preis, aber besser als nichts. Österreich sitzt durch die großen Ernten der Vorjahre auf einem Weinsee. Die älteren Jahrgänge der meist einfachen Weine sind kaum mehr absetzbar, auch da hat Corona viel verschärft. Der aktuelle Jahrgang 2019 ist ein besonders schöner Jahrgang und stellt seinen Vorgänger in den Schatten. Voraussichtlich steht noch ein sehr guter Jahrgang 2020 ins Haus: die Weinblüte ist weit fortgeschritten, der Lesebeginn für Mitte September avisiert.

Die Mittel für den Ankauf der 10 Mio Liter Wein – bis zu 4 Mio Euro – kommen weitgehend aus Budgets der EU-Stützungsprpgramme. Hier wird intern umgeschichtet. Angekurbelt sollen zudem die Investitionen werden, besonders jene in die Qualität. Mit Förderungen von 40%. Etwa für Gärsteuerung, Kühltechnik und -neu – Lagertanks und Konzentrier-Maßnahmen wie Umkehrosmose und Vakuumdestillation. Johannes Schmuckenschlager ist die Problematik dieser Technologien durchaus bekannt: „Ich weiß, das ist umstritten, aber wir haben eine sehr strenge Kellereiinspektion!“

ÖWM lockt: „Komm zum Wein“ - Die Österreich Weinmarketing brennt unterdessen ein Feuerwerk an Aktivitäten ab, vor allem den massiven Einsatz neuer Werbekampagnen: „Komm zum Wein“ ist die multimediale Dachkampagne, startet Anfang Juli: „Möglichst viele Menschen sollen ihren Urlaub beim Wein erbringen“, spielt ÖWM-Chef Chris Yorke auf den Tourismus an: „Ein Weintourist gibt um die Hälfte mehr Geld pro Tag aus als ein regulärer Tourist“.

Eine eigene Website soll die Angebote und Events der Weinregionen und Winzer bündeln. Statt großer Events, die kaum möglich sind, präferiert Yorke eine Reihe kleinerer Veranstaltungen und Feste. Dazu kommt die bereits massiv angelaufene Kampagne für den „G’spritzten“, ein Klassiker im Lande, dessen Mischverhältnis gesetzlich geregelt ist – mindestens 50% Weinanteil.

Ein Herzensanliegen ist dem ÖWM-Chef die Förderung des Jahrgangs 2019 in Österreich und gereifter Weine. Der SALON Österreich Wein startet diesmal im September, geht verstärkt in die Bundesländer. Die Landesweinverkostungen laufen auf Hochtouren.

Diese Themen vertieft und ergänzt hat Chris Yorke im aktuellen Interview mit Vinaria, das in der Ausgabe 3/20 erschienen ist.

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