Der neuerliche harte Lockdown trifft die Weinwirtschaft zum zweiten Mal in diesem Jahr besonders hart. Bis zu 15 Millionen Liter Weinabsatz dürften bis 6. Dezember 2020 ausfallen; dazu wackelt die Wintersaison im Tourismus.

ÖWM-Chef Chris Yorke: „Online ist unseren Winzer ein großer Sprung gelungen!“ © LWmedia/Leonardo Ramirez

Der Lockdown im Frühjahr hat rund 23 Millionen Liter Weinabsatz gekostet. Diese Menge ist Winzern und in weiterer Folge Gastronomen entgangen, rechnete Chris Yorke, Chef der Österreich Weinmarketing (ÖWM) vielfach vor. Die Steigerungen des Verkaufs im Lebensmittelhandel waren nur ein Tropfen auf den heißen Stein, konnten die Ausfälle bei weitem nicht wettmachen.

Seit 2. November 2020 sind Restaurants und Hotels wieder geschlossen. Zumindest noch bis 6. Dezember. Das sind fünf Wochen, halb so lange wie im Frühjahr (16. März bis 14. Mai 2020). Damals fehlten unterm Strich die besagten 23 Mio Liter Wein im Absatz.

„Online ab Hof in 5 Monaten gepusht wie sonst in 5 Jahren“

„Jetzt hoffen wir, dass es sich auswirkt, dass Gastronomen und Winzer nicht ganz unvorbereitet vom zweiten Lockdown getroffen wurden“, sagt Georg Schullian Pressesprecher der ÖWM. Restaurants und Wirtshäuser bieten teils seit dem ersten Tag Abhol- und Lieferservice an, verkaufen dazu auch etwas Wein. Der Handel wird in den Wochen des harten Lockdowns auch beim Weinabsatz wieder zulegen, so hofft man. Advent und Weihnachtsgeschäft sollten ein gewisser Treiber sein.

Die Winzer sind auch besser aufgestellt als im Frühjahr, vor allem, was den Versand- und Onlinehandel ab Hof betrifft. „Im Frühjahr 2020 haben wir in diesem Segment innerhalb von fünf Monaten einen Sprung gemacht wie sonst in fünf Jahren“, ist ÖWM-Chef Chris Yorke überzeugt und lobt die Online-Anstrengungen der Winzer. Das sollte ebenfalls die Lücke etwas verkleinern.

Bangen um Wintertourismus; Punsch & Co fallen aus

Erschwerend kommt freilich der Totalausfall der Hotellerie hinzu. Nahezu jeder Winzer spürt im eigenen Betrieb, dass die heißbegehrten Ersteindeckungen der Wintersporthotels in West- und Südösterreich ausbleiben. Die Lage ist ungewiß, die Reisewarnungen, vor allem der Deutschen, lasten wie ein Mühlstein um den Hals. Deutsche Gäste machen im Wintertourismus in Österreichs Bergen 40 % der Buchungen aus. Besserung ist keine in Sicht. Tirol hat den Saisonstart schon um drei Wochen verschoben, auf den 18. Dezember 2020. „Am Ende fehlt alles auch beim Wein“, fasst Georg Schullian zusammen.

Die reihenweisen Absagen der Weihnachtsmärkte sind die nächste Wunde, die der Weinwirtschaft geschlagen wird. Wenn nach dem Lockdown noch Christkindlmärkte stattfinden sollten, dann wohl ohne Gastronomie. Alleine aus diesem Segment fehlen Millionen Liter Wein (Glühwein, Punsch).

Insgesamt könnten noch vor Weihnachten rund 15 Mio Liter Weinabsatz fehlen. Das alles angesichts voller Weinlager in ganz Österreich mit gut und gerne 2 Mio Hektoliter unverkauftem Wein in den Tanks und Fässern. Das sind fast 270 Millionen Flaschen 0,75 Liter!