Christian Jürgens vom bayerischen Tegernsee ist ein absoluter Star in der Küche, mit 3 Sternen und 5 Hauben. Weil er die Gastronomie in Corona-Geiselhaft sieht, schrieb er einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel.

Er ist einer der allerbesten Köche Deutschlands und Europas, der mit 3 Michelin-Sternen und 19,5 Gault&Millau-Punkten nebst 5 Hauben höchstdekorierte Christian Jürgens vom Althoff Seehotel Überfahrt in Rottach-Egern am Tegernsee. Weil er die Gastronomie in Corona-Geiselhaft sieht, schrieb er einen offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel und die Ministerpräsidenten der deutschen Bundesländer.

Konkret moniert Jürgens, dass in der Gastronomie im Verhältnis zum privaten Bereich die wenigsten Ansteckungen erfolgen. Die Branche aber seit Wochen und nicht absehbar komplett stillgelegt ist. Vinaria hat den Brief im Wortlaut:

„Sehr geehrte Frau Bundeskanzlerin,
Sehr geehrte Ministerpräsidenten,

da aus meiner Sicht die jetzigen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie im Hinblick auf die Schließung der Gastronomie und Hotellerie in eine falsche Richtung gehen, möchte ich mich an dieser Stelle direkt an Sie wenden.

Durch die veranlasste Schließung werden verstärkt die sozialen Kontakte ins häusliche Umfeld verlegt, dort herrschen keine Hygienekonzepte und findet auch keine Kontrolle über die Anzahl der Kontakte statt.

Dies alles wurde in der Vergangenheit durch die Gastronomie /Hotellerie und durch verantwortungsvolle Gastronomen/Hoteliers übernommen, so dass Infektionsketten (sofern vorhanden) gut nachvollzogen werden konnten. Jeder Gastronom/Hotelier hat mit größtmöglichem Einsatz und im eigenen Interesse dafür Sorge getragen, dass Hygienemaßnahmen eingehalten wurden und die geringe Infektionsrate hat die Wirksamkeit dieser Maßnahmen bestätigt! Auch die Problematik mit ausreichendem Lüften der Räumlichkeiten kann mit einer einmaligen Investition und Installation einer Lüftungsanlage gegengesteuert werden. Und sicher sind die meisten Gastronomen mehr als bereit, diese Investition zu tätigen.

Das elementare Bedürfnis der Menschen sich mit anderen Menschen zu treffen, Gastlichkeit und Genuss zu erleben, wird jetzt ins häusliche Umfeld verlegt und die steigenden Zahlen der Infektionen zeigen, dass dies der falsche Weg ist!
Um die Pandemie einzudämmen muss an den Stellen, in dem die Infektionsketten hoch sind, ein Lockdown erfolgen und nicht die Bereiche geschlossen werden, die anhand der belegten Zahlen nicht maßgeblich sind!

Wir müssen gemeinsam diese Pandemie in den Griff bekommen! Dies sollte aber durch Maßnahmen geschehen, die direkt an den Stellen greifen, an denen die Infektionsketten entstehen und nicht durch Maßnahmen, die ins Leere führen, wie die Schließung der Gastronomie und Hotellerie. Durch diese Maßnahmen wurden die Infektionsraten sogar noch in die Höhe getrieben (wie die jüngste Vergangenheit gezeigt hat), da das elementare Bedürfnis nach Sozialkontakt nach Hause verlegt wurde und so nicht mehr kontrollierbar nachvollziehbar ist! Dort werden keine Hygienekonzepte umgesetzt und kontrolliert, die so dringend notwendig sind, um dieser Pandemie Herr zu werden.

Das Beispiel Madrid zeigt vielleicht, dass es auch anders gehen könnte. Trotz geöffneter Restaurants und Bars bis Mitternacht gehen die Infektionszahlen zum Teil rapide nach unten. Der Unterschied zu anderen Ländern bzw. Regionen: Die Bürgermeisterin hat in diesen Bezirken umfassend Corona-Tests eingesetzt und so verzichtet man auf die Absperrung der gesamten Region oder ganzer Städte und Gemeinden und riegelt nur kleinere Bezirke ab, die hohe Zahlen haben. Diese Gebiete darf man nur mit triftigem Grund verlassen oder betreten, die Sperrstunde wurde auf 22 Uhr vorverlegt und innerhalb von 14 Tagen konnten 10 der insgesamt 32 Gebiete wieder „entriegelt“ werden, da sich die Infektionsrate halbiert hat.

So  ist es gelungen, die Situation wieder unter Kontrolle zu bringen, die Restaurants wieder öffnen zu können, die Kontakte aus dem privaten in den öffentlichen Raum zu verlegen, in dem die Hygienekonzepte zielgerichtet umgesetzt werden und zu guter Letzt dadurch eine bessere Nachvollziehbarkeit der neuen Infektionsketten gewährleistet werden kann.

Die Maßnahme, Hotellerie und Gastronomie zu schließen, ist ein Bauernopfer und führt zu nichts. Im Gegenteil: Millionen von Arbeitsplätzen sind bedroht, viele Gastronomen werden an den Rand der Insolvenz gebracht oder viele werden in naher Zukunft ihre Betriebe schließen müssen. Wir geben den Stimmen, die unseren Rechtsstaat als Kontrollstaat bezeichnen, immer mehr Nahrung, um ihre Parolen publikumswirksam in der Öffentlichkeit zu platzieren.

Nehmen Sie den Schulterschluss mit einer der stärksten Branchen in Deutschland - der Gastronomie & Hotellerie - an und lassen uns Seite an Seite diese große Herausforderung zum Wohle Aller in den Griff bekommen!“

Christian Jürgens