Vinaria Asien-Korrespondet Roland Müksch hat sich einmal mehr der aktuellen Verkostungs-Szene in der Metropole Hong Kong umgesehen. Vor der dortigen 4. Corona-Welle, wie zu befürchten ist.

Asien ist in diesen Zeiten wohl Europa immer ein bisschen voraus. Wir kommen aus der 3. Covid-19 Welle heraus und bereiten uns schon auf die 4. vor. Da wir auch technisch Early Adopters sind, heißt das in der Weinwelt, dass wir nun schon sehr gut gerüstet sind, um beim Weingenuss keine Abstriche machen zu müssen.

Willkommen zur Zukunft der Weinverkostungen in allen seinen Facetten:

Zoom und andere Online Videokonferenz Plattformen sind die Basis dieser Transformation und wurden schnell adaptiert um den verschiedenen Anforderungen der Weinwelt, sowie den Covid-19 Herausforderungen gerecht zu werden.

Alles begann, als physische Versammlungen in der Öffentlichkeit nicht mehr erlaubt wurden. Die Hong Kong Wine Society war an der Vorfront mit Zoom Initiativen. Wöchentliche thematische Zoom Verkostungen wurden im heimischen Komfort abgehalten. Zumindest konnte man sich sehen und über Wein plaudern, anstatt alleine den Weinkühlschrank zu plündern. Die Themen waren einfach gefasst: Pizzawein, weiße Burgunder, Supertuscans, … alles, was die Partizipation vereinfachte.

Schnell wurde dieses Format erweitert und verfeinert - der Champagner Orden war hier ebenso treibend – und man arrangierte mit hiesigen Weinhändlern nach Hause gelieferte Verkostungspackungen und Teilnahme der Winzer an den Videokonferenzen.

Ein Verkostungspaket lässt sich natürlich schwer alleine trinken und nicht jeder hat Coravin. In Anpassung an diese neue Biedermeier-Zeit wurden daraus schnell kleine heimische Verkostungsgruppen und Dinnerpartys.

Es stellte sich heraus, dass dieses Format einen sehr intimen und einsichtsreichen Austausch mit den Winzern ermöglichte, die ja nun auch nicht mehr reisen können. Antoine Billecart gab uns tiefe Einblicke in das Haus seiner Familie, die Verwendung von Holzfässern und die derzeitigen Herausforderungen in der Champagne.

The Flying Winemaker (derzeit unter Flugverbot) Eddie McDougall, präsentierte sein neues nachhaltiges Weinprojekt Gladstone Vineyard. JF Clouet war wohl die Krönung mit viel Personalität und Hubris, gekleidet in Schärpe und Säbel im Zeichen seiner Bürgermeisterschaft von Bouzy und historischen Kommentaren über Champagnergläser, Vergleiche von Champagner mit Koks, Anekdoten über seinen Citroën DS, sowie den Teenagerjahren mit seiner Model-Freundin.

Es stellte sich schnell heraus, dass dieses Format viele Vorteile hatte. Frankland River ist eine Weltreise entfernt, doch mit Zoom ist ein Besuch bei der Besitzerin von Alkoomi, Sandy Hallet, ein Knopfdruck im Wohnzimmer. Virtuelle Verkostungen sind so einfach zugänglich, dass auchWeinfreunde z.B. aus Spanien und Amerika sich zuschalteten können und sich die Weinkreise so weiter vernetzen.

Da nun Restaurants wieder offen sind, wurde die geplanten Zoom Verkostungen schnell umgestellt – Verkostungen im Restaurant, mit den Winzern präsent über Zoom. Die Verkostungen mit Mumm, Jacquesson und Lenoble sind ausgebucht.

Was bringt also die Zukunft. Da Vinexpo nach zwei Verschiebungen wohl auch nicht im Februar stattfinden wird, wird sich viel virtuell abspielen. Der Champagner Orden plant schon eine Grand Chapitre mit Live-Übertragung aus Reims.

En Primeur Verkostungen werden wohl weiterhin auch virtuell stattfinden. Die de Boüard Familie von Angelus war hier eine der ersten die dies im noblen Rosewood Hotel nach Hong Kong brachten.

Es ist mit guter Planung auch möglich Blindverkostungen virtuell zu organisieren. In einer Hong Kong Wine Society Domaine Guiberteau Verkostung wurden 12 Phiolen Wein an alle Teilnehmen geliefert. Wir sind also gewappnet für die 4. Welle.

Die China Wine and Spirits Awards funktionieren nun ebenso – die Juroren erhalten über 80 Weinproben in Phiolen zur Bewertung zugesendet. So wie es aussieht, wird die Weinwelt in Zukunft wohl durch mehr virtuellen Austausch bereichert werden. 2020 hat also auch ein paar positive Entwicklungen gebracht.