Nebbiolo in purezza – das charakterisiert am besten den famosen Jahrgang Barolo 2016. Tolle Struktur mit atemberaubender Fruchttiefe und Balance versprechen bereits in der Jugend hohes Trinkvergnügen. Die Zukunft ist gesichert – best Barolo ever!

Ein noch nie da gewesenes hohes Qualitätslevel zeigte die diesjährige Vinaria Barolo-Verkostung: Von den 95 eingereichten Weinen – so viele wie noch nie! – erhielt mehr als ein Drittel die Top-Auszeichnung von 5 Sternen. Der Vegetationsverlauf 2016 ist als idealtypisch zu bezeichnen: Das Frühjahr begann zwar mit etwas Wachstumsverzögerung, der Sommer verlief gleichmäßig mit guter Wasserversorgung, der Herbst war sonnig und trocken mit kühlen Nächten, die besonders zur Farbausbeute und aromatischer Komplexität beitragen. Und die Ernte startete etwas später als sonst Ende September bei trockenem Wetter und dauerte bis Mitte Oktober, sodass der Nebbiolo die phenolische Reife in allen Lagen problemlos erreichte. 

Was zeichnet den großen Barolo 2016 aus? 

Der Jahrgang 2016 wird sich als „außergewöhnlich“ in die Runde der großen „klassischen“ Jahrgänge 2006, 2008, 2010, 2013 einreihen. Vergleichbar ist er mit 1996, 2004 oder 2006, jedoch verfügt dieser bereits in der Jugend über mehr Tiefe und Struktur als seine Vorgänger. Das gesamte Barolo-Gebiet war hinsichtlich Wetter- wie Vegetationsverlauf weitgehend gleichmäßig begünstigt, höchste Qualitäten vom Jahrgang 2016 kommen aus der gesamten Produktionszone.

Auffallend ist, dass im vorderen Ranking-Bereich vor allem die drei großen Gemeinden Castiglione Falletto, Monforte und Serralunga stark vertreten sind, gefolgt von Barolo und La Morra. Vor allem die MGA-Lagen aus Serralunga gruppieren sich um das Tasting-Podest mit struktur- wie ausdrucksstarken Vertretern.

Serralunga führt das 2016er-Ranking geradezu mit einer Phalanx von MGA Crus an: Die Nachbarlagen Marenca (Luigi Pira), Margheria (Azelia) und Lazzarito (Guido Porro, Casa Edi di Mirafiore) sind ebenso vertreten wie die Paradelagen Vignarionda (Luigi Pira, Porro) und Brea als heuriger Tasting-Sieger – quasi als Monopollage von Brovia als „Bra Vigna Ca’ Mia“ geführt.

Neu an der vordersten Qualitätsfront scheint das Traditionsweingut Palladino auf: Mit dem MGA Ornato hat es nicht nur das Podest gestürmt, sondern zugleich mit dem feingliedrigen MGA Parafrada ein weiteres Musterstück geliefert. Aus Castiglione Falletto überzeugte am meisten der MGA Cru Villero mit strukturbetonten wie finessigen Gewächsen von den Poderi e Cantine Oddero und Giacomo Fenocchio.

Mit gleichfalls hoher Präsenz sind die Gewächse aus den Gemeinden Barolo und La Morra vertreten. Die Favoritenrolle der Top-Lage Cannubi in klassischen Jahren wird erneut eindrucksvoll unter Beweis gestellt: die großteils aus dieser Lage stammende Lagencuvée „Tre Tine“ von Giuseppe Rinaldi ist mit Podest-Silber erfolgreich, gefolgt von in der lagenrein ausgebauten Version vom Weingut Francesco Rinaldi, das sich zum Spitzenbetrieb emporgearbeitet hat.

Auf dem gegenüberliegenden Hang des Cannubi lieferte die Lage Castellero der Fratelli Barale, Giacomo Brezza, Giacomo Fenocchio exzellente Qualitäten. Der aus der Mini Lage stammende MGA Conca vom Weingut Fratelli Revollo aus La Morra erklomm mit fülliger Dichte samt feinstem Holzeinsatz den Podestplatz. Aus La Morra war der beste Barolo-Ortswein in der diesjährigen Verkostung vom Weingut Carolo Revollo  & Figli zu bejubeln. Ganz vorne im Placement positionierte sich der MGA Cru Giachini (gleich neben dem berühmten Rocche gelegen) von Giovanni Corino aus Barolo, und das zu einem ausgezeichneten Preis-Qualitäts-Verhältnis.

Der Qualitätsunterschied der Barolo-Ortsweine – auf dem Etikett ersichtlich mit der Bezeichnung „Barolo“ oder „Barolo del Comune di …“ – ist im Vergleich zu den berühmten MGA-Paradeweinen so gering wie nie zuvor. Und das gilt für das gesamte Barolo-Gebiet. Es erstaunt nicht, dass in der diesjährigen Top List jene Ortsweine (Barolo del Cumune) reüssierten, die von innovativen wie versierten Winzern stammen: Paolo Manzone, Palladino, Schiavenza aus Serralunga, Gianfranco Alessandria (Preis-Qualitäts-Hit), Domenico Clerico (in Top-Form), Parusso aus Monforte, Azelia (wieder groß) aus Castiglione Falletto, Carlo Revello & Figli (Überflieger) und Fratelli Barale (2016 top!) aus der Gemeinde Barolo.

Barolo Riserva & Late Release  

Für die heurige Jahrgangsverkostung konnten wieder Barolo-Weine eingereicht werden, die später in den Handel kommen, sei es in der Riserva-Kategorie (Marktfreigabe 62 Monate nach der Ernte) oder in Form eines Late-Release-Verkaufs. Sowohl Produktionsmenge als auch Gesamtumsatz dieser sehr hochpreisigen Weine sind gemessen an der Gesamtproduktion bzw. den -kosten im Weingut vernachlässigbar gering.

Luca Roagna gilt als „Finesse-Rockstar“ in Barbaresco und Barolo: Sein traditionell mit Spontangärung im großen Holz ausgebauter Barolo vom MGA Cru Pira (Castiglione Falletto) besticht durch Finesse und forderndes, helles Fruchtspiel, begünstigt durch den Cold-Climate-Jahrgang 2014. In gewohnt stilsicherer Interpretation der „Barbaresco-Ikone“ Gaja präsentiert sich sein Flaggschiff „Sperss“ 2015, der bereits in großartiger Frühform mit fruchtbetonter und feinziselierter Charakteristik strahlt. Stilistisch in ebenfalls moderner Ausbauweise vinifiziert, überzeugt der fein gereifte Barolo Riserva 2005 vom Weingut La Spinetta, das mit seinem Parade-Barolo seit Jahren als Fixpunkt auf dem Podium der Vinaria Top-Verkostungen zu finden ist.

Toplist Barolo 2016 (Auszug) – alle Vinaria 5 Sterne!

18,4  Brovia, Barolo Brea Vigna Ca’ Mia
18,3  Giuseppe Rinaldi, Barolo Tre Tine
18,2  Fratelli Revello, Barolo Conca
18,2  Palladino, Barolo Ornato
18,1  Luigi Pira, Barolo Marenca
18,1  Schiavenza, Barolo Broglio
18,0  Luigi Pira, Barolo Margheria
18,0  Giacomo Fenocchio, Barolo Castellero
18,0  Fratelli Barale, Barolo Castellero
18,0  Francesco Rinaldi & Figli, Barolo Cannubi
17,9  Carlo Revello & Figli, Barolo
17,9  Palladino, Barolo Parafada
17,9  Fratelli Barale, Selezione Sergio Barale, Barolo Bussia
17,8  Burlotto Comm. G.B., Barolo Acclivi
17,8  Domenico Clerico, Barolo Aeroplanservaj
17,8  Giovanni Sordo, Barolo Gabutti
17,8  Luigi Pira, Barolo Vigna Rionda
17,8  Azelia, Castiglione Falletto
17,8  Oddero Poderi e Cantine, Barolo Villero
17,7  Elvio Cogno, Barolo Ravera
17,7  Giovanni Corino, Barolo Giachini
17,6  Parusso, Barolo Mariondino
17,6  Guido Porro, Barolo Gianetto
17,6  Ciabot Berton, Barolo Rocchettevino
17,6  Casa Edi di Mirafiore, Barolo Lazzarito
17,6  Luigi Oddero, Barolo Rocche Rivera di Castiglione
17,6  Gianmatteo Raineri, Barolo
17,6  Giovanni Corino, Barolo del Comune di la Morra
17,6  Casa Edi di Mirafiore Barolo Paiagallo
17,5  La Spinetta, Barolo Campè
17,5  Domenico Clerico, Barolo
17,5  Azelia, Barolo Cerretta
17,5  Gianfranco Alessandria, San Giovanni
17,5  Giacomo Brezza & Figli, Barolo Castellero
17,5  Francesco Rinaldi & Figli, Barolo Brunate
17,5  Giacomo Brezza & Figli, Barolo Sarmassa
17,5  Paolo Manzone, 2016 Barolo del Comune di Serralunga

Toplist Barolo DOCG late release & Riserva 2005 bis 2015 (Auszug)

17,7  Roagna, Castiglione Falletto, 2014 Barolo Pira
17,6  Gaja, Barbaresco, 2015 Barolo Sperss
17,3  La Spinetta, Castagnole Lanze, 2005 Barolo Riserva
17,2  Giovanni Manzone, 2013 Barolo Riserva Gramolere
17,0  Palladino, 2013 Barolo Riserva San Bernardo

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Elena und Alex Brovia vom gleichnamigen Familienweingut in Castiglione Falletto © Brovia
Platz 2: Die Lagencuvée “Tre Tine” von Marta und Carlotta Rinaldi. © Rinaldi
Platz 3: MGA-Barolo Conca der Gebrüder Carlo und Enzo Revello aus La Morra. © Revello
“Angelo Nationale” Gaja mit Familie in Barbaresco mit neuen Höhen: Barolo Sperrs 2015. © Andrea Wyner
Das pulsierende Herz von La Spinetta: Giorgio Rivetti © Rivetti
© Brovia