Der Streit um die Erntemengen, die die Champagne-Winzer dieses Jahr pro Hektar lesen dürfen, eskaliert kurz vor Erntebeginn. Die Traubenlieferanten liegen im Krieg mit den großen Produzenten, die auf einer Milliarde(!) Flaschen sitzen.

Ende Juli wird üblicherweise die Erntemenge zwischen den Proudzenten und ihren vertraglichen Traubenlieferanten festgelegt. Dabei spielt die zu erwartende Qualität des Jahrgangs ebenso eine Rolle wie Lesemenge, Ausfälle durch Naturschäden wie Hagel und Frost, aber auch die weltweite Nachfrage. In den vergangenen Jahren wurde die Mengengrenze pro Hektar meist zwischen 10.000 und 11.000 Kilo Trauben pro Hektar festgelegt.

Nun fordern die Produzenten eine Reduktion auf 6.000 bis 7.000 Kilo Trauben pro Hektar. Die Winzer fordern mindestens 8.500 Kilo. Die Traubenpreise pendeln sich bei etwa 6,50 Euro pro Kilogramm ein. Die jüngste Verhandlungsrunde dazu wurde abgebrochen, die nächste für den 18. August 2020 anberaumt. Nur zwei Tage später beginnt in der Champagne die Lese.

Für die Traubenproduzenten besonders bitter: Der Jahrgang 2020 wird wohl einer der besten seit langem, qualitativ und quantitativ. Mit theroretisch machbaren Lesemengen von bis zu 16.000 Kilogramm pro Hektar. Die Mengen, die über der jeweils festgelegten Erntemenge für Champagner liegen, müssen als Trauben, Traubensaft, Billigwein oder zur industriellen Verwendung bis hin zur Destillation verwertet werden.

Auslöser des aktuellen Streits sind die weltweit eingebrochenen Absatzmärkte infolge der Corona-Pandemie. Die großen Champagner-Produzenten und die Winzerverbände, deren Mitglieder die Trauben liefern, sind tief zerstritten. Die großen Produzenten – alleine die fünf umsatzstärksten Marken gehören dem Luxusgüter-Konzern LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy) - fordern eine drastische Reduktion der Ernte, da die Verkäufe aufgrund der Pandemie weltweit deutlich rückläufig sind. Die Winzer sehen sich dadurch in ihrer Existenz bedroht, berichtet die frahzösische Nachrichtenagentur AFP.

In der Champagne gibt es überwiegend Traubenlieferanten für die großen und mittleren Champagnerhäuser. Für diese ist die Erntemenge existenziell wichtig. Nur etwa 400 unabhängige Winzer füllen ihren Champagner selbst und können dadurch auf höhere Wertschöpfung setzen.

Unterdessen hat der neue französische Premierminister Jean Castex eine Aufstockung der durch Corona bedingten Regierungshilfe für die Winzer seines Landes auf 250 Millionen Euro angekündigt.

Größter Einzelerzeuger ist mit 62,2 Millionen Flaschen der Luxusmarken-Konzern LVMH (Louis Vuitton Moet Hennessy) mit den Marken Moët & Chandon, Mercier, Ruinart, Veuve Clicquot, Krug und Dom Pérignon und einem prickelndenUmsatz von rund einer Milliarde Euro. Die ersten fünf Marken sind auch die Top 5 der weltweiten Champagner-Produzenten. Kleinere Handelshäuser mit Umsätzen zwischen 240 und 360 Millionen € sind Laurent-Perrier, Boizel Chanoine und Vranken-Pommery Monopole.