Roter Veltliner und Bio: Jüngst gründeten zehn österreichische Bio-Winzer mit ausgeprägter Affinität für den Veltliner-Urvater die Gruppe „Roter Veltliner Donauterrassen“, um diese österreichische Sortenrarität wieder jene Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, die sie verdient.

Ehemals weit verbreitet, galt der Rote Veltliner über die letzten Jahrzehnte eher als ampelografische Kuriosität, deren verwandtschaftliche Stellung bestenfalls Gegenstand von Mutmaßungen war. Bis schließlich der bekannte Rebgenetiker Ferdinand Regner vom Klosterneuburger Weinbauinstitut mittels DNA-Analyse mit Hilfe von Mikrosatelliten-Marker diese Sorte als Stammvater der Veltliner-Familie identifizieren konnte ­– und enttarnte parallel dazu den Grünen Veltliner auch gleich als Kukucksei im Veltliner-Nest. Zu den echten Sprossen des Roten Veltliners zählen dafür Sorten wie Rotgipfler, Frühroter Veltliner, Neuburger und Zierfandler.

Obwohl der Rote Veltliner somit zu den europäischen Ur-Sorten zu zählen sein dürfte, hat er heute dennoch nur eine sehr geringe Verbreitung. So etwa in der niederösterreichischen Donauregion westlich von Wien – vor allem am Wagram sowie vereinzelt im Krems- und Kamptal und anderen Herkünften –, wo er sich seit Jahren stetig wachsender Anerkennung und Beliebtheit erfreut.

Im Februar 2020 taten sich zehn österreichische Bio-Winzer mit ausgeprägter Affinität für Roter Veltliner zusammen, um diesen ampelografischen Urtypen und Charaktersorter ins Rampenlicht zu stellen. Sie bilden die Gründergruppe Slow Food Community „Roter Veltliner Donauterrassen“. Und als Würdigung für ihre Bemühungen soll es in Kürze die begehrte Anerkennung als Presidio-Projekt von der Internationalen Slow Food Stiftung für biologische Vielfalt geben.

Ende August gab es nun im Gut Oberstockstall die erste Präsentation der Gruppe, deren Mitglieder zwar Liebe zum Roten Veltliner sowie das Bekenntnis zur biologischen Bewirtschaftung eint, die aber ansonsten aber sehr unterschiedliche Charaktere mit ebenso unterschiedlichen Philosophien darstellen.

Als Obmann fungiert Demeter-Winzer Hans Czerny vom Weingut Wimmer-Czerny aus Gösing. Die weiteren Mitglieder sind Josef Mantler vom Mantlerhof in Brunn im Felde im Kremstal, wo der Rote Veltliner auch in Zeiten größter Ächtung verehrt wurde, dazu Josef Bauer aus Großriedenthal, Karl Fritsch und Fritz Salomon aus Oberstockstall, Moritz Hausdorf und Stefan Mehofer aus Neudegg, Paul Schabl aus Königsbrunn, Toni Soellner aus Gösing sowie Martin Obenaus aus Glaubendorf im Weinviertel.

Herzstück der Mission des Vereins „Roter Veltliner Donauterrassen“ ist die genaue Dokumentation der Geschichte des Roten Veltliners sowie die Weiterentwicklung der Sorte entlang der Donauterrassen in Österreich und damit über die weinbaupolitischen Grenzen hinaus. Um den Roten Veltliner fit für die Zukunft zu machen, werden in jedem Weingut ausgewählte, besonders vitale Stöcke selektioniert und vermehrt. So wird die Sorte noch unabhängiger von Wettereinflüssen, Klimawandel und dem Zutun der Winzer. Doch die Gruppe will noch weiter gehen und je Weingut eine eigene Hoflinie mit spezifischem Charakter schaffen. Damit kann noch mehr Wissen gesammelt, geteilt und an die nächste Generation weitergegeben werden. Zudem ist diese intraspezifische Diversität auch als eine Art Lebensversicherung für etwaige kommende Herausforderungen durch die Natur zu erachten.

Bei der Veranstaltung im großartigen Ambiente des Gut Oberstockstalls wurden die vielen Facetten der Sorte vorgestellt. Unter den 2019ern stachen der Mantlerhof Reisenthal, der Halterhaus von Fritz Salomon und der Steinberg von Karl Frittsch ebenso wie der Ried Hinterberg vom Arkadenhof Hausdorfbesonders hervor. Unter den gereiften Roten Veltliner waren etliche gelungene Vertreter wie Josef Bauers Hinterberg, Wimmer-Czernys Alte Reben und weitere. Einen beeindruckenden Beweis für die Lagerfähigkeit der Sorte lieferte der Rote Veltliner 1979 Reisenthal vom Mantlerhof.

Die Schneckenpartie Vol.1 im Gut Oberstockstall war Teil des Auftakts der neuen Slow Food Community Roter Veltliner Donauterrassen © Christine Miess
Obmann Hans Czerny vom Weingut Wimmer-Czerny © Christine Miess
Roter Veltliner: In der richtigen Balance zwischen Wachstum und Reife liegt der Schlüssel für perfekt gereifte Roter Veltliner Trauben. © Christine Miess