Unter dem Motto „Das Beste aus 30 Jahren Comondor“ präsentierte Hans Nittnaus diese bereits legendär gewordene Rotweincuvée in einer Vertikalverkostung.

Man schrieb das Jahr 1990 - übrigens ein sehr gutes Rotweinjahr –, als Hans Nittnaus beschloss, eine neue Spitzencuvée zu kreieren, die nach dem starken, aber zuverlässigen und gutmütigen Hirtenhund ungarischer Rasse Comondor getauft wurde.

Konzipiert wurde dieser neue Wein zunächst als Blend von Cabernet und Blaufränkisch. Wenn auch der Cabernet seinerzeit, zumindest nach heutigem Dafürhalten, meist etwas grün und vegetal ausfiel, handelte es sich von Anfang an um eine Erfolgsstory.

Der Merlot kommt ins Spiel

Ab Mitte der Neunzigerjahre setzte John Nittnaus vermehrt auf Merlot, der in der Folge rund zwanzig Jahre lang etwa die Hälfte des Blends ausmachte. Damit hat der Merlot wohl den Charakter dieser Cuvée geprägt, weshalb immer wieder der Vergleich mit Weinen aus dem Bordelais, vorzugsweise aus Pomerol, gesucht wurde. Komplettiert wurde sie zunächst noch durch Cabernet und etwas Zweigelt, 2000 auch das einzige Mal durch zehn Prozent Syrah.

Ein großartiges Trio bildeten die drei Jahrgänge 1998, 1999 und 2000. Der 2000er aus der Magnum präsentierte sich fraglos als Weltklassewein – schließlich ist er schon seit Längerem eine wahre Legende, die punkto Fruchtsüße und Finesse zu den Allzeitgrößen der österreichischen Rotweinszene zählt.

Sehr elegant ist auch der reine Bordeauxblend aus 1999 geraten, wohingegen der vielfach unterschätzte 1998er mit harziger Pikanz und Rasse glänzte.

Ebenfalls bestens in Form zeigten sich die „Millenials“, die vom überaus charmanten und süßen 2002er angeführt wurden, der in seiner verführerischen wie molligen Art nahezu an den großen 2000er herankam.

Ein tolles Paar bildeten die Jahre 2006 und 2004: Während sich die Mehrzahl der Verkoster am ebenso vielschichtigen wie ausgereiften 2006er besonders delektierte, der sich offenbar auf dem ersten Höhepunkt befindet, setzt John Nittnaus eher auf den etwas strafferen, puristischen 2004er, dessen beste Zeit seiner Ansicht nach erst kommt.

Nicht ganz auf dem gleichen Niveau, aber dennoch sehr schön präsentierte sich das Duo aus 2007 und 2008. Ersterer erschien klar und pikant, wenn auch etwas streng und fast noch verhalten, Letzterer lieferte hingegen eine große Jahrgangsüberraschung, zumal der wankelmütige Jahrgang nur selten überzeugen konnte. Dieser 2008er punktete jedenfalls mit geschmeidiger Eleganz und juvenilem Temperament.

Die Neuzeit hat begonnen

Als prägende Entwicklung des vergangenen Jahrzehnts ist die Beschränkung auf die beiden Rebsorten Merlot und Blaufränkisch anzusehen. Allerdings nimmt der Merlot mit rund 80 Prozent dabei die Hauptrolle ein. 2012 zeigte sich als überaus reicher und extraktsüßer Repräsentant, der vielleicht einmal die strahlende Güte des 2002ers erlangen könnte. Beide Jahrgänge erinnerten übrigens stark an große Pomerol-Gewächse. 2010 und 2014 wurde begreiflicherweise kein Comondor erzeugt, weil der Merlot nicht die nötige Reife erreichte.

Eher massiv gab sich der sehr ausgereifte, nahezu üppige 2015er, dessen große Zeit erst kommen wird. Gleiches gilt für den allerdings ganz anders gearteten 2016er, der mit unterkühlter Eleganz über den Gaumen gleitet, zumal ihm der in diesem Jahr großartige Blaufränkische viel Schliff, ja messerscharfe Definition verleiht.

2017 ist vielleicht der allergrößte Comondor

Der große Rotweinjahrgang 2017 hat nach der Prognose von John Nittnaus den vermutlich bisher besten Comondor erbracht. Dieser geht insofern auf geänderte Verhältnisse zurück, als der Merlot nicht nur vom Kurzberg, sondern auch von zwei Joiser Rieden stammt, während der Blaufränkische erstmals aus den Purbacher Spitzenlagen Eisner und Thenau, und zwar aus ganz altem Rebbestand, kommt.

Alles in allem hat die Degustation eindrucksvoll gezeigt, dass der Comondor zweifellos zu den allerbesten österreichischen Rotweinen zu zählen ist.

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