Der welttbekannte Wiener Nussberg ist das Herzstück der Weinstadt Wien. Seine legendären Einzellagen sind für einige der allerbesten Wiener Weine verantwortlich.

Egal, ob man sich an einem etwas erhöhten Standort in Mauer, Schönbrunn oder am Belvedere befindet oder bloß auf dem Weg vom Flughafen oder auf der Nordbrücke: Der je nach Jahreszeit grün, braun oder weiß getönte, 322 Meter hohe Weinberg ist stets im Fokus des aufmerksamen Betrachters.

Der Flysch-Mergel, ein wasserdurchlässiger Sandstein, wird auf dem Nussberg an den meisten Stellen von Verwitterungslehm sowie von Schotterablagerungen der Urdonau in unterschiedlicher Höhe überdeckt. Das prägende Kennzeichen der besten Nussberger Lagen ist aber der von der einstigen Uferzone des Urmeeres stammende hohe Kalkgehalt des Bodens.

Große Vergangenheit, leuchtende Zukunft

Bei den Wiener Weinbeißern hatten die Weine vom Nussberg schon immer einen hervorragenden Ruf, freilich nicht im reinsortigen Ausbau, sondern als Gemischte Sätze.

In hohen Ehren stand übrigens auch der Weißburgunder, während der Grüne Veltliner in ganz Döbling, vor allem jedoch am Nussberg kaum Bedeutung hatte.. In den Grinzinger Toplagen wie Steinberg, Schenkenberg oder Reisenberg sieht das hingegen ganz anders aus, denn dort blüht der Grüne regelmäßig auf und erbringt beachtliche Ergebnisse, aber auch in den Gemischten Sätzen vom Nussberg hat er sich als wichtiger und wertvoller Bestandteil etabliert

In den Achtziger- und Neunzigerjahren war es sehr schlecht um den Wiener Wein bestellt. So hatte kein renommiertes Wiener Lokal auch nur einen einzigen Wiener Wein auf der Karte. Noch sehr gut in Erinnerung ist mir eine heute wohl als Brainstorming zu definierende Krisensitzung der Wiener Weingranden, in der so manche kuriosen Ideen gewälzt wurden. Das treffende Schlusswort sprach freilich der für seinen trockenen Schmäh weithin bekannte Ferdinand Hengl: „ Ich sag euch was, Freunde: Wir müssen einfach einen besseren Wein machen, dann werden wir ihn auch verkaufen!“

Apropos Stadt Wien: Deren Wein-interessierten Bürgermeistern, allen voran Michael Häupl, ist es zu verdanken, dass rechtzeitig jene legistischen Schritte in Form von Landesverordnungen geschaffen wurden, welche die Wiener Weinberge mittels zeitgemäßer Raumordnung vor drohender Verbauung schützten; später folgte dann die Verordnung zur Definition des Wiener Gemischten Schatzes (DAC), der dessen Renaissance schützend begleitete.

Privatwirtschaftlich wurde glücklicherweise vom Verkauf des Weinguts Cobenzl abgesehen und dieses großzügig modernisiert, was sich umgehend in der Weinqualität spiegelte. Schon 2007 war der Übergang im Hause Mayer am Pfarrplatz gelungen, wo der erfolgreiche Unternehmer Hans Schmid schließlich ein junges Team rund um Geschäftsführer Gerhard Lobner installierte, das sich auch durch schwierige, von Wetterunbill gekennzeichnete Anfangsjahre nicht beirren ließ und das Wiener Flaggschiff schon bald auf Erfolgskurs steuerte.

In Neustift am Walde betrat einige Jahre später der damals blutjunge Thomas Huber die Bühne, die zuvor von seinem Großvater, Ernst, ebenfalls ein Döblinger Weinbaupionier, erfolgreich bespielt worden war. Für den Riesling setzt er auf Lagen am Nussberg wie Preussen und Obere Schoß.

Im Sog des wiedergewonnenen Prestiges betraten auch weinbegeisterte Akteure aus anderen Berufen die Wiener Weinszene, sogenannte Orchideenwinzer, zu denen beispielsweise Jutta Kalchbrenner, Peter Uhler, Georg Wailand, Norbert Walter und Franz-Michael Mayer zu zählen sind. Allen ist gemeinsam, dass sie von Beginn an mit Feuereifer bei der Sache waren, sodass aus dem anfänglichen Hobby bald zumindest ein Nebenberuf wurde. Fast allen aus diesem illustren Kreis ist es auch gelungen, einzelne Parzellen am Nussberg zu erwerben.

Der Nussberg im topografischen Sinn ist mit der gleichnamigen Großlage keineswegs identisch. Diese größte Lageneinheit von Wien wurde zwar nicht wie anderswo übertrieben ausgedehnt, beinhaltet aber Rieden, die nicht am Nussberg gelegen sind. Das ist nicht als Kritik zu verstehen, denn irgendwo müssen eben auch kleinere Parzellen und Enklaven hinzugerechnet werden.

Von langen Teufeln und Wiener Preussen

Von oben betrachtet, ähnelt der Nussberg gleichsam einem Kegelstumpf, der an drei Seiten steil abfällt, während er im Norden durch einen sanft geneigten Steg mit dem Kahlenberg verbunden ist.

Zur rechten Hand, also nach Süden hin, fallen die bekanntesten und besten Rieden ab. Den Beginn setzt der Langteufel, dann folgen Platte und darunter die lang gezogene Preussen, Obere Schoß, Gollin und Ulm; weiter unten am Hang liegen dann nach einer Geländestufe eingebettet die kleinen, doch feinen Rieden Langbrunner und Rosengartl. Wer hingegen den Blick nach links oder Norden richtet, sieht im Vordergrund die immer beliebtere Nordlage Weisleiten und gegenüber den bereits erwähnten Burgstall, der sich vor die Donau schiebt.

Für das Nussberg-Riedenporträt hat sich Vinaria entschieden, die Degustation auf Weine aus Wiener Gemischtem Satz und Riesling zu beschränken.

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Topliste Nussberg (Auszug)

17,5   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Weißer Marmor
17,4   Fuhrgassl-Huber | 2019 Preussen
17,4   Mayer am Pfarrplatz | 2017 Weißer Marmor
17,3   Weingut Cobenzl | 2012 Senator (Nussberg)
17,1   Wieninger | 2019 Rosengartl
16,9   Fuhrgassl-Huber | 2019 Gollin
16,9   Fuhrgassl-Huber | 2017 Preussen (halbtrocken)
16,8   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Nussberg
16,6   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Langteufel
16,6   Rotes Haus | 2018 Preussen
16,6   Wieninger | 2018 Rosengartl            
16,5   Mayer am Pfarrplatz| 2019 Preussen
16,4   Franz-Michael Mayer | 2019 Nussberg
16,4   Weingut Cobenzl | 2013 Senator (Nussberg)
16,4   Wieninger | 2017 Rosengartl
16,4   Wieninger | 2013 Nussberg     

Topliste Wiener Gemischter Satz (Auszug)

17,1   Wieninger | 2019 Rosengartl
16,9   Fuhrgassl-Huber | 2019 Gollin
16,8   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Nussberg
16,6   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Langteufel
16,6   Rotes Haus | 2018 Preussen   
16,4   Franz-Michael Mayer | 2019 Nussberg
16,4   Wieninger | 2013 Nussberg    
16,3   Mayer am Pfarrplatz | 2018 Preussen
16,3   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Preussen

Topliste Riesling Wien (Auszug)

17,5   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Weißer Marmor
17,4   Fuhrgassl-Huber | 2019 Preussen
17,4   Mayer am Pfarrplatz | 2017 Weißer Marmor
17,3   Weingut Cobenzl | 2012 Senator (Nussberg)
16,9   Fuhrgassl-Huber | 2017 Preussen (halbtrocken)
16,6   Wieninger | 2018 Rosengartl   
16,5   Mayer am Pfarrplatz | 2019 Preussen
16,4   Weingut Cobenzl | 2013 Senator (Nussberg)
16,4   Wieninger | 2017 Rosengartl
16,3   Pedalones | 2019 Obere Schoß

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2019 Riesling Weißer Marmor, Weingut Mayer am Pfarrplatz, Wien
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Nussberg © Mayer am Pfarrplatz
Gerhard Lobner (rechts) mit Kellermeister Dragos Pavelescu von den Weingütern Mayer am Pfarrplatz und Rotes Haus © Mayer am Pfarrplatz
Kellermeister Georg Königsbauer mit Betriebsleiter Thomas Podsednik vom Weingut Cobenzl © Weingut Cobenzl
Franz-Michael Mayer © FM-Mayer.Vitikultur
Fritz Wieninger © Wieninger
Thomas Huber © Raimo Rudi Rumpler