Es ist ein mystisches Erlebnis, dem Wein im Keller beim Gären zuzuhören. Jetzt hat es wieder Saison: Das helltönige Blubbern hat etwas Medidatives, die beruhigende Überzeugung: Hier reift Großes heran.

In Bild und Ton aktuell aufgenommen im neuen Gärkeller von Heidi & Andi Kollwentz in Großhöflein bei Eisenstadt. Am Rande der Jahrgangspräsentation übrigens. Mit hervorragenden Weinen von Ausnahme-Winzer Andi Kollwentz, der seinen Weinen traditionell Zeit gibt.

2018 ist der aktuelle Jahrgang bei seinen Chardonnays aus den Rieden Neusatz, Katterstein, Tatschler und Gloria. Es gibt wohl kaum einen Winzer, der Chardonnay aus vier großartigen Rieden sein Eigen nennen kann. Bald werden es fünf sein, wenn die Ried Spiegeln mit ihrer Jungfernlese im nächsten Jahr dazu kommt.

Diese cremige Fülligkeit, die feinen Fruchtnuancen, die engmaschige Struktur, der perfekte – ja, unerreicht perfekte – Barrique-Einsatz mit soviel Fingerspitzengefühl, die Dichte, Länge und Saftigkeit: das macht dem Andi Kollwentz wohl niemand so schnell nach. Es ist eine wahre Freude, die Terroirs der einzelnen Rieden zu schmecken: da Gloria und Tatschler mit ihrer Fülle und dem feinen Holzeinsatz, dort der straffere Neusatz und schließlich der extrem burgundische Katterstein mit seiner salzigen Mineralität.

Aus dem Jahrgang 2020 dürfen sich Kenner wieder auf den Sauvignon Blanc Steinmühle Methusalemreben freuen, gekeltert eben von besonders alten Rebstöcken, eine Selektion aus der Ried Steinmühle, die zuverlässig beste Sauvignon Blancs liefert.

Die Geschichte der Rieden des Weinguts reicht übrigens bis zu 450 (!) Jahre zurück. In einzelnen Rieden ist der Weinbau bis zu 2800 Jahre zurück nachweisbar. Fast alle Weine im Sortiment von Kollwentz sind Riedenweine. Die Weinpyramide wird hier auf den Kopf gestellt: oben ein breites Spektrum an Spitzenweinen, darunter ein schlanker, solider Mittelbau und an der Basis eine zarte Spitze zum Einstieg, die etwa der auch sehr gute Rosé bildet.

Die rote Phalanx des Hauses Kollwentz ist ohnehin eine Klasse für sich. Das beginnt schon bei den Leithaberg-Ausgaben von Zweigelt und Blaufränkisch, reicht über die Cuvée Eichkogel (BF/ZW – 70:30), die es längst zum Klassiker gebracht hat, bis zum hervorragend dichten, saftigen Pinot Noir aus der Ried Dürr. Dazu kommt der wunderbar ausgereifte, endlos lange Cabernet Sauvignon, dessen Wegbereiter in Österreich Anton Kollwentz (80) war, Andis Vater und Vinaria Lebenswerk-Preisträger.

Zum absolut Besten am Markt zählen Kollwentz‘ reinsortige Blaufränkische aus den Rieden Point und Setz, die schon in den Jahrgängen 2017 und 2016 viel Freude machen, ihren Höhepunkt aber sicher erst in zehn Jahren erreichen und danach noch lange strahlen werden. Über allem thront dann die legendäre Cuvée Steinzeiler (>80 BF/10 CS/ 10 ZW).

Besondere Erwähnung verdienen die Süßweine, weil diese in den elegischen Schwärmereien über die Weißen und Roten meist im Schatten verweilen müssen. Völlig zu unrecht, wie jedes Tasting sofort beweisen wird. Aktuell gibt es eine Beerenauslese von der Scheurebe, prädestiniert für Süßweine, sowie Trockenbeerenauslesen von Chardonnay und Sauvignon Blanc.

Die Weine von Heidi & Andi Kollwentz verfügen generell über enormes Lagerpotenzial und sind im Weingut noch in vielen gereiften Jahrgängen und in Großflaschen bis zu 18 Liter erhältlich; auch eine Kollwentz’sche Spezialität, die Sammler und Weinfreaks zu schätzen wissen.

Das Weingut Kollwentz ist seit vielen Jahren von Vinaria mit der Höchstwertung von 5 Kronen ausgezeichnet und damit Teil der Vinaria Hall of Fame des österreichischen Weins.

Andi und Heidi Kollwentz © Weingut Kollwentz
Pionier Anton Kollwentz © Weingut Kollwentz
© Weingut Kollwentz