Die größte Muskateller-Verkostung Österreichs ist geschlagen. Der überraschende Vorjahressieger schlug erneut zu und die PIWI-Sorte Muscaris sorgte für eine riesen Überraschung.

Sieger der Muskateller-Verkostung © LWmedia/Vinaria

Aromen zum Verlieben: 2019 darf als herausragendes Jahr für Muskateller bezeichnet werden: Eine derartige Transparenz und Feinheit der Aromen hat es schon lange nicht gegeben

Uralte Sorte, ganz jung: Muskateller vulgo Muscat Blanc à Petit Grains zählt zu den ältesten Rebsorten, die vom Menschen kultiviert werden. Innerhalb der mit über 100 Sorten besonders reichen Muskatgruppe gilt der aromatische Greis als eine der edelsten Sorten, wenn er auch in Sachen Häufigkeit von manchen Geschwistern überflügelt wird.

Der aromatische Charmebolzen hat ja im Idealfall jede Menge gute Eigenschaften vorzuweisen: Neben der ebenso ausgeprägten wie charakteristischen Aromatik besitzt er auch elegante Frucht und eine gute Säure; zudem liegt der Alkoholgehalt Weine aus dieser in Sachen Zuckerbildung eher moderaten Sorte überwiegend im niedrigen bis mittleren Bereich.

Die mit mehrheitlich großen, oft relativ dichtbeerigen Trauben ausgestattete Sorte kann recht reichlich tragen; ein dichter Behang kann sich aber unter bestimmten Bedingungen auch negativ auswirken. Die Muskateller-Trauben sind eher dünnhäutig, wodurch die Gefahr des Aufplatzens besteht. Zudem ist die Sorte anfällig für Pilzkrankheiten und kann daher recht kapriziös sein.

Launische Aromasorte - Je mehr man auf physiologisch vollreifes, gesundes Traubenmaterial hinzielt, desto wichtiger werden Lage und Weingartenpflege. Um optimale Ergebnisse zu erzielen, sollte Muskateller in gut durchlüfteten, durchaus höheren Lagen mit eher leichten, durchlässigen Böden stehen, wobei hier auch der Fäulnisdruck deutlich geringer ist.

Viele Sortenspezialisten vertrauen auf die Traubenteilung, bei der die untere Hälfte jeder Traube auf den Boden geschnitten wird; der auf dem Stock verbleibende Traubenteil wird durch diese platzschaffende Praxis wesentlich lockerbeeriger und damit weniger botrytisanfällig.

Zugelassen zur Vinaria Verkostung waren auch Verwandschaften aus der Muskat-Gruppe. Dazu zählt etwa der inzwischen schon recht seltene Muskat-Ottonel. Seit einigen Jahren wird auch hin und wieder die PIWI-Sorte Muscaris aus Muskateller und Solaris eingereicht, die meist aufgrund der intensiven, teils plakativen Aromatik auffällt.

Brillante Frucht, gediegene Aromen - Die gelungenen 2019er zeichnen sich durch eher dezente, elegante Aromatik aus, immer wieder spielen auch dunkle Gewürzanklänge (Traminerreminiszenz) eine Rolle. Zu den traubigen Noten gesellen sich oft Noten von Orangen oder Mandarinen, überhaupt reife Zitrusfrüchte, aber auch exotische Noten.

Auch auf dem Gaumen herrscht vielfach Eleganz vor, Restzucker wurde überwiegend mit Bedacht eingesetzt, allfällige Noten vom biologischen Säureabbau waren fast nie störend. Was der 2019er noch als Trumpf ausspielen kann, sind die vitale Säure und entsprechende Knackigkeit, die ihn von klassischen Hitzejahren unterscheiden.

Bei all dem Lob mag man nach dem Grund für dennoch nicht überschießende Wertungen im Mittelfeld fragen, und dafür gibt es jene Erklärung, die bereits in den vergangenen Jahren Gültigkeit hatte: Sehr viele Weine sind als schlanke Sommerweine angelegt, die vor allem durch das Bukett betören, aber auf dem Gaumen nicht immer einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Trinkvergnügen bereiten diese Weine dennoch, vor allem im Jahrgang 2019.

Im Top-Bereich duellierten sich die Steiermark und Niederösterreich, die Spitze holte sich nach dem Vorjahressieg wieder Niki Windisch mit seinem geschmeidigen, seidigen Satzen Privat mit Holzfassreifung.

Knapp dahinter landete das Weingut Adam-Lieleg aus der Südsteiermark mit dem Muscaris Arum-Lilie, der lediglich angepresst und auf der Maische vergoren wurde – dabei handelt es sich um den besten Wein, den wir bisher aus Österreich aus dieser Sorte verkostet haben.

Den dritten Rang sicherte sich ein Dauergast in den Muskateller-Rankings: Gustav Schneeberger vom Weingut Schmölzer mit dem vielschichtigen Privat; der Lagenwein vom Gaisriegl landete nur ein paar Plätze dahinter. Es folgten Krispel mit Rosenberg sowie zwei Wachauer Muskateller: der reife, gelbfruchtige Rixinger sowie Knolls pointiertes Muskateller Federspiel, das den Smaragd derzeit knapp überflügelte.

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Topliste Muskateller & Co 2019 aus Österreich (Auszug)

17,3  Niki Windisch | 2019 Gelber Muskateller Ried Satzen Privat
17,1  Adam-Lieleg | 2019 Muscaris Arumlilie
16,8  Weingut Schmölzer | 2019 Gelber Muskateller Privat
16,7  Weingut Krispel | 2019 Gelber Muskateller Ried Stradener Rosenberg
16,5  Weingut Rixinger | 2019 Muskateller
16,4  Weingut Knoll | 2019 Gelber Muskateller Loibner Federspiel WA
16,4  Weingut Schmölzer | 2019 Gelber Muskateller Gaisriegl
16,4  Weingut Waldschütz | 2019 Gelber Muskateller
16,3  Weingut Knoll | 2019 Gelber Muskateller Loibner Smaragd
16,3  Weingut Schwarzböck | 2019 Gelber Muskateller
16,2  Vorspannhof Mayr | 2019 Gelber Muskateller
16,2  Richard Walzer | 2019 Gelber Muskateller Krems
16,2  Weingut Wannemacher | 2019 Gelber Muskateller
16,2  Weingut Wohlmuth | 2019 Gelber Muskateller
16,1  Weingut Frauwallner | 2019 Gelber Muskateller Straden
16,0  Weingut Jäger | 2019 Gelber Muskateller Federspiel
15,9  Kodolitsch | 2019 Gelber Muskateller Gamlitz
15,8  Weingut Am Berg | 2019 Gelber Muskateller Mittelberg
15,8  Wolfgang Bäuerl | 2019 Gelber Muskateller Federspiel
15,8  Felberjörgl/Temmel | 2019 Gelber Muskateller Kitzeck-Sausal
15,8  Franz-Josef Gritsch | 2019 Muskateller Hartberg Federspiel

Best Buy Muskateller & Co. aus Österreich 2019 (Auszug)       

16,2  Richard Walzer | 2019 Gelber Muskateller Krems  € 7,50    
15,6  Weingut Michael Bauer | 2019 Gelber Muskateller  € 7,50    
15,6  Weinhof Christian Parzer | 2019 Gelber Muskateller Ried Hoher Rain  € 7,50    
15,5  Erich Bayer | 2019 Gelber Muskateller Federspiel |  € 8,00   
15,5  Weingut Jatschka | 2019 Gelber Muskateller Kirchgärten |  € 7,50    
15,4  Heinz Fink | 2019 Gelber Muskateller Göttweigerberg |  € 6,00    
15,4  Weingut Frotzler | 2019 Gelber Muskateller |  € 6,50     
15,4  Pröll | 2019 Gelber Muskateller Ried Karln |  € 7,20    
15,4  Rudolf Rabl | 2019 Langenloiser Gelber Muskateller Limited V.O.  € 8,00    
15,3  Blaha | 2019 Gelber Muskateller |  € 6,50    
15,3  Weingut & Buschenschank Weber | 2019 Gelber Muskateller Klassik  € 7,40    
15,2  Gotthard und Doris Eichberger | 2019 Gelber Muskateller  € 7,30    
15,2  Weingärtnerei Engelbrecht | 2019 Gelber Muskateller Ried Am Berg 2. Lese  € 7,50    
15,2  Winzer Krems | 2019 Gelber Muskateller Kellermeister Privat  € 7,20     

© Alexander Seidl

Niki Windisch

© Stefan Leitner

Florian Adam-Lieleg

© Weingut Rixinger

Friedrich Rixinger

© Monika Löff

Erich Bayer

© PatPic

Michael Bauer

© Herbst

Kellermeister Michael Nastl mit Silke Mayr

© Weingut Jäger

Roman Jäger

© Moodley

Gerhard und Gerhard J. Wohlmuth

© Markus Waldschütz

Markus Waldschütz

© Alexander Seidl

Niki Windisch

© Philipp Monihart

Heinz, Martina und Anneliese Fink

© Philipp Monihart

Sebastian, Andrea, Alexander und Christian Parzer

© Weingut Schneeberger

Gustav & Nicole Schneeberger vom Weingut Schmölzer