Die Vinaria Riesling Premium Verkostung, Österreichs wichtigste Riesling-Vertikale, eruierte die Allerbesten aus einem prächtigen Jahrgang: 2019 wird in die Weingeschichte eingehen. Mit großen Namen und vielen Überraschungen.

Alle neune! Die idealen Ausgangsbedingungen wurden von den österreichischen Weingütern genützt, um selten schöne Rieslinge zu keltern. Deren makellose Struktur, die Balance der Inhaltsstoffe und der passende Säurefonds werden bewirken, dass sich die Weinfreunde noch lange an diesen Riesling-Schönheiten erfreuen können.

Besonders augenfällig erscheint 2019 – im Unterschied zu den meisten Weinjahren – die einheitlich hohe Qualität der Weißweine, die sich in seltener Einmütigkeit durch alle Weinbaugebiete zieht. Das nächste signifikante Merkmal ist die wunderbare Balance, die den Großteil der verkosteten Rieslinge auszeichnet.

Weder sind die Fruchtkomponenten vorlaut oder gar unreif, noch drängt sich ein zu plumper, schwermütig anmutender Körper oder eine forsche, allzu dominante Säure in den Vordergrund. Vielmehr sind die Inhaltsstoffe so fein zueinander abgestimmt, als wären die Weine unter Laborbedingungen entstanden.

Apropos fruchtige Aromen: Prägnant ist 2019 eine ganz helle, manche würden sagen: europäische Frucht, die an weiße Pfirsiche, Stachelbeeren und Ribiseln sowie an Zitrusfrüchte wie Limette und Grapefruit, seltener auch an Marille erinnert. Buketteindrücke von gelben Pfirsichen, Ananas, Maracuja und Karamell kommen zwar auch vor, bleiben aber in der Minderheit und scheinen eher noch heißeren Jahren eigen zu sein.

Die Säurestruktur bewegt sich in einem optimalen Rahmen, zu wenig oder zu viel bleibt die Ausnahme. Ein geringfügiger Mangel, der sich bei sehr kritischer Betrachtung des heurigen Riesling-Angebots konstatieren lässt, besteht vielleicht darin, dass manchen Tropfen einfach der letzte Druck fehlt und sie sich im Abgang relativ rasch verabschieden. Nun sind schlanke Rieslinge grosso modo aber auch etwas Hübsches, so dass dieses ohnehin nicht oft auftretende „Defizit“ nicht schwer ins Gewicht fällt.

Manche Kreszenzen konnten scheinbar nicht ganz durchgären, oder der Winzer wollte von Anfang an einige Gramm Zuckerrest erhalten. Die daraus resultierenden Weine waren alles in allem dennoch nicht einseitig und werden vermutlich nach längerer Lagerung erst recht Gefallen finden.

So viel Schonheit

So viel Schönheit in einer Verkostungsserie ist wahrlich selten. Ausgangspunkt dieses erfreulichen Ergebnisses waren die rundum optimalen Wetterbedingungen, die während der Vegetationsperiode das Weinjahr 2019 prägten.

Die weitaus überwiegende Mehrheit der eingereichten Proben war mit Schraubverschlüssen versehen, wenn auch vor allem einige Wachauer, Kamptaler und Kremstaler Betriebe dem Naturkork den Vorzug gaben; Glasverschlüsse waren hingegen sehr selten. Nach vollendeter Vorrunde waren wir schon zur Aussage bereit, dass sich die Korkqualität endlich gebessert hat, aber dann kam die Zwischenrunde, die aufgrund mehrfacher Korkfehler gleich zum Ausscheiden von fünf hoch eingeschätzten Rieslingen sehr renommierter Produzenten geführt hat.

An der Spitze präsentierte sich ein strahlendes Siegerduo, denn bei einem an Skirennen erinnernden Vorsprung von 1,5 Hundertstel, bevor die Rundungsregel greift, kann man wohl von einem ebenbürtigen Auftritt sprechen. Sowohl die hochelegante, punkto Finesse unnachahmliche Lyra von Willi Bründlmayer als auch der glockenklare, von Fruchtaromen überquellende Ehrenfels von Proidl haben in jeder Hinsicht begeistert.

Strahlende Spitze

Ähnliche Attribute kann man dem ebenso puristischen wie schneidigen Kalkofen von Franz-Josef Gritsch, den erhabenen, ihre Noblesse bereits andeutenden Alten Reben von Bründlmayer, dem trotz der jugendlichen Frische schon seine kalkigen Meriten ausspielenden Weißen Marmor von Mayer am Pfarrplatz, dem wunderbar abgestimmten Heiligenstein von Birgit Eichinger und dem seinen Restzuckergehalt bereits perfekt integrierenden Wein vom Stein von Ludwig Neumayer zuschreiben.

In eine etwas andere Richtung gehen einige Wachauer Hochkaräter, angeführt von der verführerischen, saftigen Dürnsteiner Burg von F. J. Gritsch und dem überaus lagentypischen, enorm dichten Schütt von Emmerich Knoll, die quasi für eine gelbfruchtige, sehr körperreiche Stilistik stehen.

In ebendiese „Kategorie“ könnte man auch den vor tiefer Frucht strotzenden Tausendeimerberg von Karl Lagler, die beiden Loibenberg Smaragde von Leo Alzinger und Wolfgang Bäuerl und den Singerriedel von Franz Hirtzberger sowie den aus der unmittelbaren Nachbarschaft stammenden Kremser Marthal des Vorspannhofes einordnen.

Dazu sei jedoch ausdrücklich festgehalten, dass keiner dieser voluminöseren Rieslinge in irgendeiner Weise allzu breit, schwermütig oder üppig erschien, wie wir dies aus so manchen warmen Weinjahren kannten. Und eigentlich lässt sich dieses erfreuliche Fazit gleich auf sämtliche Gewächse erweitern, die unter den besten dreißig gelandet sind. Den gebotenen Leistungen entsprach auch das Punkteniveau, welches mit elf Weinen im 18-Punkte-Bereich noch nie da gewesene Höhen erreichte.

Überragendes 2018er-Trio

Aus früheren Jahrgängen ist ein überragendes 2018er-Trio hervorzuheben, das von einem ausgesprochen engmaschigen, satten Fruchtschmelz verströmenden Seeberg vom Weingut Steininger als eindeutiger Primus inter Pares angeführt wurde. Eine nahezu ebenso ausgezeichnete Performance haben die in ihrer Stilistik sehr unterschiedlichen Rieslinge von Thomas Dockner und Gerhard Wohlmuth geliefert, die ebenso wie der Erstplatzierte noch ein langes Leben vor sich haben.

Das einsame Banner des sehr guten Jahrgangs 2017 hat schließlich der Riesling Tradition von Schloss Gobelsburg hochgehalten. In seiner überaus individuellen Ausbauweise stellt er gleichsam ein Unikat dar, das aber nicht aus der Zeit gefallen, sondern vielmehr zeitlos erscheint.

Alles in allem eine brillante Riesling- Vorstellung, die an vorangegangenen außergewöhnlichen Jahrgänge wie 1999 und 1997, unter anderen Vorzeichen vielleicht auch 1993 und 1990 erinnerte. Schließlich besitzen die 2019er Rieslinge alle Attribute für ein gesichertes Ausbaupotenzial.

Ausgezeichnete Preis-Leistung-Weine

In den Best Buy-Rankings finden sich durch die Bank großartige Weine, die der Pracht der Gesamtsieger um nichts nachstehen. Viel Wein um günstiges Geld in jedem Fall. Die Kategorie bis 15 Euro pro Flasche sicherte sich das Bioweingut Kemetner aus Etsdorf am Kamp vor dem Weingut Müller aus Krustetten im südlichen Kremstal. In der Kategorie darunter – bis 10 Euro – setzte sich Markus Deim aus Schönberg am Kamp vor Josef Edlinger aus Furth bei Göttweig durch.

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Topliste Riesling Premium 2019 Österreich (Auszug) 

18,8 Weingut Bründlmayer | 019 Ried Zöbinger Heiligenstein 1ÖTW Lyra KA-R
18,7 Weingut Proidl | 2019 Ried Ehrenfels 1ÖTW KR-R
18,5 Franz-Josef Gritsch | 2019 Ried Kalkofen Smaragd WA
18,4 Franz-Josef Gritsch | 2019 Ried Dürnsteiner Burg Reserve WA
18,4 Weingut Mayer am Pfarrplatz | 2019 Nussberg Weisser Marmor WI
18,3 Weingut Bründlmayer | 2019 Ried Zöbinger Heiligenstein 1ÖTW Alte Reben KA-R
18,1 Weingut Knoll | 2019 Ried Dürnsteiner Schütt Smaragd WA
18,0 Weingut Eichinger | 2019 Ried Heiligenstein 1ÖTW KA-R
18,0 Weingut Lagler | 2019 RI Ried 1000 Eimerberg Smaragd WA
18,0 Ludwig Neumayer | 2019 Der Wein vom Stein TR
17,8 Weingut Alzinger | 2019 Ried Loibenberg Smaragd WA
17,7 Weingut Vorspannhof Mayr | 2019 Ried Kremser Marthal KR-R
17,6 Familie Bäuerl | 2019 RI Ried Loibenberg Smaragd WA
17,6 Weingut Hirtzberger | 2019 Ried Singerriedel Smaragd WA
17,6 Weingut Prager | 2019 Wachstum Bodenstein Smaragd WA
17,5 Weingut Eichinger | 2019 RI Ried Zöbinger Gaisberg 1ÖTW KA-R
17,5 Bioweingut Kemetner | 2019 RI Ried Karl KA-R
17,5 Wein-Gut Nigl | 2019 Ried Hochäcker 1ÖTW Privat KR
17,5 Weingut Prager | 2019 Ried Klaus Smaragd WA
17,2 Weingut Mayer am Pfarrplatz | 2019 Ried Preussen Nussberg 1ÖTW WI
17,1 Franz-Josef Gritsch | 2019 1000-Eimerberg Smaragd WA
17,1 Weingut Rabl | 2019 Ried Steinhaus Rote Erde KA-R
17,0 Weingut Müller | 2019 Ried Leiten KR

Topliste Riesling Premium Reserve Österreich (Auszug) 

18,3 Weingut Steininger | 2018 RI Ried Seebeerg 1ÖTW KA-R
17,7 Tom Dockner | 2018 Ried Inzersdorfer Pletzengraben TR-R
17,7 Weingut Wohlmuth | 2018 Ried Edelschuh SST
17,4 Weingut Schloss Gobelsburg | 2017 Tradition NÖ
17,0 Weingut Sax | 2017 Ried Loiserberg KA-R

Willi Bründlmayer am Zöbinger Heiligenstein © Herbert Lehmann
Franz Josef Gritsch in Steillage © Gregor Semrad
Gerhard Lobner (Mayr am Pfarrplatz & Rotes Haus) © Steve Haider
Franz Proidl © Gregor Semrad
Katharina und Leo Alzinger © Thomas Kirsch
Silke Mayr vom Vorspannhof © POV / Robert Herbst
Wolfgang und Martina Bauerl © Weingut Bäuerl
Birgit und Gloria Eichinger © POINT OF VIEW GmbH
Stefan (links) und Leopold Müller vor dem neuen Keller, der weitgehend in den Hang gebaut wurde. © Robert Herbst
Julia und Markus Deim © Weingut Deim
Emmerich und Monika Knoll mit Sohnen August und Emmerich H. Knoll © Günter Standl
Anna und Josef Edlinger mit Paul und Gabriele Edlinger © Philipp Monihart
Karl, Eva und Peter Steininger © Weingut Steininger
Nikolaus, Julia und Simon Kemetner (v.l.) © Weingut Kemetner
Silke, Tom und Rosalie Dockner © Weingut Tom Dockner