Die beeindruckende Vinaria Verkostung steirischer Riedenweine hat gezeigt, dass die Grüne Mark viel mehr zu bieten hat als Sauvignon Blanc von Weltformat. Alle drei Weinbaugebiete lieferten hochkarätige Gewächse.

In Zusammenarbeit mit Wein Steiermark führte Vinaria eine Verkostung steirischer DAC Riedenweine durch. Auf den Prüfstand kamen alle neun Rebsorten, die nach den DAC Regeln in den drei Weinbaugebieten zugelassen sind. Wenig überraschend dominierte zahlenmäßig Sauvignon Blanc, gefolgt von der weißen Burgunderfamilie, also Chardonnay/Morillon, Weißburgunder und Grauburgunder.

Weine made in Styria platzieren sich in beeindruckender Regelmäßigkeit beim Concours Mondial du Sauvignon Blanc im Spitzenfeld, nicht selten zuoberst auf dem Siegerpodest. Im Schatten dieser Erfolgsgeschichte sind die Burgunder ein wenig in den Hintergrund gerückt – völlig zu Unrecht, wie die besten Produkte dieses Bundeslandes immer wieder beweisen.

Riedenweine bilden die Spitze der DAC Qualitätspyramide. Die gesetzlichen Bestimmungen sind für alle drei Weinbaugebiete – Weststeiermark, Südsteiermark und Vulkanland Steiermark – sehr ähnlich, die geologischen Verhältnisse und damit die Böden hingegen sind ausgesprochen heterogen. Mitunter wechseln die Bodentypen innerhalb weniger Hundert Meter.

Insbesondere die lagenrein ausgebauten Weine erzählen von ihrer Herkunft, spiegeln die Bodenverhältnisse aromatisch wider. So gesehen ist eine Riedenverkostung eine beson­dere Gelegenheit, sich einen Eindruck vom Terroir zu verschaffen.

Sand und Sandstein finden wir in der Südsteiermark ebenso wie im Vulkanland und in der Weststeiermark. Schiefer und Gneis begegnen uns in Teilen der Südsteiermark – insbesondere im Sausal – sowie im Schilcherland, in Spuren auch in der Südoststeiermark.

Das Vulkanland hat seinen Namen seiner erdzeitlichen Vergangenheit zu verdanken, hier findet man allenthalben Gestein vulkanischen Ursprungs. In großen Teilen der Südsteiermark wurzeln die Reben in Opokböden, d.h., in verfestigten Sedimenten des vor Urzeiten hier wogenden Meeres. Kalkstein und Schotter sind weitere Domänen der Südsteiermark.

So zeigt sich diese bunte Vielfalt in den Weinen:

Welschriesling: Dem Welschriesling haftet noch immer der Ruf des einfachen Brot-und-Butter-Weines an, obschon diese Varietät viel mehr kann. Zur Verkostung wurden nur zwei Proben eingereicht, aber diese haben (aufs Neue) bestätigt, dass der „Wölsch“ imstande ist, ernst zu nehmende und völlig eigenständige Weine zu liefern.

Riesling: Es ist kein Geheimnis mehr, dass im südsteirischen Sausal charaktervolle und vielschichtige Rieslinge gekeltert werden, denen man nicht selten das Attribut „deutsch“ verleiht. Ausschlaggebend dafür sind die kristallinen Böden, und die mikroklimatischen Verhältnisse tun ein Übriges. Das Weingut Wohlmuth hat mit dem Riesling aus der renommierten Ried Edelschuh einen fruchtbetonten Sortenrepräsentanten im Portfolio, der viele Facetten zeigt. Felberjörgl aus Kitzeck wusste mit einer dichten Reserve zu überzeugen. Dass auch im Vulkanland ansprechende Gewächse gekeltert werden, beweist der Riesling Ried Stradenberg vom Weingut Fischer in St. Anna am Aigen. Die Eignung des Schilcherlandes für diese Rebsorte hat Stefan Langmann unter Beweis gestellt.

Gelber Muskateller: Lange Zeit herrschte ein veritabler Hype um den Gelben Muskateller made in Styria. Lagenrein ausgebaute Sortenvertreter waren und sind in der Minderheit. Die eingereichten Weine zeigen, dass diese Sorte die Charakteristika der Böden klar transportieren kann. Die Nase vorne hatte die Südsteiermark, sprich: die Weingüter Kollerhof am Eichberg, Markus und Sabine Pongratz, Schmölzer und Peter Skoff.

Sauvignon Blanc: Mit nahezu 60 Weinen war Sauvignon Blanc am stärksten vertreten. Auch hier war das Niveau bemerkenswert hoch; der Mittelwert von 16,5 Punkten ist alles andere als alltäglich. Langweilig wurde es nie, die Bandbreite der Stilistik und der Aromen war groß. Es ist schon erstaunlich, dass in einem doch nicht sehr großen Anbauland wie der Steiermark derart unterschiedliche Weine gekeltert werden.

In dieser Rebsorte spiegelt sich die Zusammensetzung des Untergrundes ausgesprochen prägnant wider, und ein Sauvignon aus dem warmen Vulkanland schmeckt unverkennbar anders als aus der kühlen Weststeiermark. Von einer einheitlichen steirischen Sauvignon-Stilistik kann man nicht sprechen, dafür ist die Szene zu bunt. Als steirisch jedoch waren fast alle eingereichten Proben zu erkennen.

Gewonnen hat der 2018er Sauvignon Blanc Ried Rosengarten T.M.S. vom Weingut Kodolitsch aus der Südsteiermark, ein eleganter und engmaschiger Wein, dahinter mit minimalem Abstand Stefan Potzingers vielschichtiger „Joseph“ Ried Sulz, Jahrgang 2019. Die unmittelbar folgenden Spitzenplätze teilen sich der 2019er Sauvignon Blanc Ried Pössnitzberg Alte Reben von Erzherzog Johann Weine, das Weingut Tschermonegg mit seinem Oberglanzberg 2017, das Weingut Krispel mit dem Sauvignon Blanc Ried Neusetzberg aus 2018 und das Weingut Gollenz mit dem gleich alten Sauvignon Blanc Ried Preguckenberg.

Gruppe Burgunder: Wir haben Weißburgunder, Chardonnay/Morillon und Grauburgunder zu einer Gruppe zusammengefasst. Es waren mehr als 50 Weine angemeldet. Der Mittelwert liegt bei beeindruckenden 16,8 Punkten, womit die Burgunder die Nase vor den Sauvignons haben. Auch in dieser Gruppe zeigt sich eine große geschmackliche Bandbreite, die der Herkunft und den unterschiedlichen Ansätzen bei der Vinifizierung geschuldet ist. Das Resümee der Verkostung: Steirische Burgunder spielen in der obersten Liga, und sie sind der Leitsorte Sauvignon Blanc ebenbürtig.

Gewonnen hat der 2019er Morillon Ried Grassnitzberg von Matthias List, ein ausgesprochen gediegener Wein, ein Auftreten mit besten Manieren sozusagen. Punktemäßig liegt er gleichauf mit dem Sauvignon Blanc T.M.S. von Kodolitsch. Auch den zweiten Platz in der Verkostung teilen sich diese beiden Rebsorten. Bei den Burgundern hat das Weingut Gollenz aus Tieschen mit dem 2018er Chardonnay Ried Königsberg zugeschlagen. Mit nur einem Zehntelpunkt Abstand folgt der gleich alte Weißburgunder Ried Neusetzberg vom Weingut Krispel in Straden.

Traminer: Eine ausdrucksstarke Rebsorte mit treuen Anhängern. Mengenmäßig spielt sie eine Nebenrolle, und zwar weltweit. Der Punkteschnitt liegt bei 16,9. Traminer-Spezialist Müller aus Klöch hat mit dem Gewürztraminer Ried Hochwarth einen straffen und fokussierten Wein ins Rennen geschickt, sein Kollege Frühwirth aus dem gleichen Ort den unglaublich eleganten Gelben Traminer Ried Hochwarth.

Schilcher: Die pinkfarbenen Weine aus der autochthonen Rebsorte Blauer Wildbacher, beheimatet in der Weststeiermark, haben in den vergangenen Jahren eine signifikante Wandlung vom urwüchsigen Bauernwein zum feinen Rosé vollzogen, ohne ihre Typizität zu verleugnen. Dass diese Rebsorte großes Potenzial in sich trägt, hat sich am Beispiel des Schilchers Pirkhofberg Reserve vom Schilcherweingut Friedrich gezeigt. Dieser Wein hat das Zeug, Wegbereiter einer völlig neuen und eigenständigen Stilrichtung zu werden. Seinen Sieg bei der diesjährigen Sortenverkostung bestätigt hat der Schilcher Rosé Engelweingarten Alte Reben von Reiterer. Merklich gesteigert hat sich der Schilcher Ried Krass von Christian Jauk. Auch die beiden Proben des Schilcherspezialisten Johannes Jöbstl wussten voll und ganz zu überzeugen.

Topliste Steirische Riedenweine (Auszug)

17,9  Kodolitsch, Leibnitz | 2018 Sauvignon Blanc Ried Rosengarten T.M.S.
17,9  List, Siebing | 2019 Morillon Ried Grassnitzberg
17,8  Potzinger, Gabersdorf | 2019 Sauvignon Blanc „Joseph“ Ried Sulz
17,8  Gollenz, Tieschen | 2018 Chardonnay Ried Königsberg
17,7  Krispel, Straden | 2018 Weißburgunder Ried Neusetzberg
17,5  Müller, Klöch | 2018 Gewürztraminer Ried Hochwarth
17,4  Erzherzog Johann Weine, Ehrenhausen | 2019 Sauvignon Blanc Ried Pössnitzberg Alte Reben
17,4  Krispel, Straden | 2018 Sauvignon Blanc Ried Neusetzberg
17,4  Tschermonegg, Glanz | 2017 Sauvignon Blanc Ried Oberglanzberg
17,4  Platzer, Tieschen | 2018 Chardonnay Ried Aunberg Reserve
17,4  Lambauer, Kitzeck | 2018 Morillon Ried Gaisriegel
17,4  Friedrich, St. Stefan | 2018 Schilcher Pirkhofberg Reserve
17,3  Gollenz, Tieschen | 2018 Sauvignon Blanc Ried Preguckenberg
17,3  Wein.Gölles, Hatzendorf | 2018 Chardonnay Ried Kirchenegg
17,3  Dreisiebner Stammhaus, Sulztal | 2018 Chardonnay Ried Hochsulz Alte Reben
17,3  Sternat Lenz, Leutschach | 2018 Chardonnay Ried Remschnigg
17,3  Frühwirth, Klöch | 2018 Gelber Traminer Ried Hochwarth
17,3  Sternat, Eichberg-Trautenburg | 2018 Chardonnay Ried Annaberg

Abo bestellen - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews sowie Fotos finden Sie in der Ausgabe Vinaria 7/2020. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das Jahresabo Vinaria mit 7 Ausgaben pro Jahr inklusive dem großen Weinguide Österreich ist um € 49,00 (EU-Ausland € 65,00) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen