Der gefeierte Jahrgang 2019 setzt Maßstäbe: Nicht nur bei den Weine aus der Spitzenklasse, sondern auch besonders bei den mittelgewichtigen Weinen mit 12,5% vol. Alk., die so viel Spaß machen wie selten zuvor. Diesmal: Rieslinge.

Für die in Österreich meist im Schatten der berühmten Gewächse stehenden Rieslinge aus dem Mittelbau ist 2019 ein Traumjahrgang: Dank überwiegend glockenklarer Frucht und knackig-reifer Säure zeichnen sich die Kategorieweine durch beinahe kollektives Trinkvergnügen aus. Aus der trinkanimierenden Truppe stachen Vertreter aus Kamptal, Kremstal und Wachau besonders hervor.

Diven aus dem Traumjahrgang 

Riesling zählt ohne Zweifel zu den herausragendsten Weißweinsorten der Welt. Allerdings stellt die Sorte auch hohe Ansprüche an Lage, Boden und Mikroklima. Essenziell sind letztlich auch das Können des Winzers und dessen Erfahrung im Umgang mit der weißen Diva. Gerade bei Riesling ist eine gute physiologische Reife immens wichtig, zeigen sich doch die Sortenvertreter bei Vorhandensein von unreifen, grünen Noten, die in diesem Fall oft noch von spitzer Säure begleitet werden, meist ziemlich abweisend.

Gerade im klassischen Kabinett- bzw. Federspielbereich kann es zu dieser Konstellation kommen, insbesondere wenn ein Jahrgang reifemäßig nachhinkt, was in letzter Zeit allerdings selten aufgetreten ist. Doch auch ein aufgrund von Trockenheit oder Sonneneinstrahlung allzu prägnanter Gerbstoffeintrag kann das Trinkvergnügen deutlich trüben. Nun, im an sich heißen Jahr 2019 mit seinem eigenwilligen Klimaverlauf inklusive besonders mieselsüchtigem Mai wurden derartige Fallen elegant umrundet, und so ist ein Jahrgang herausgekommen, der nicht nur insgesamt als ausgezeichnet bezeichnet werden kann, sondern spezifisch als Jahr der weißen Mittelgewichte, die bemerkenswertes Trinkvergnügen an den Tag legen. Die Verbindung von puristischer Frucht und reif-rassiger Säure lassen die Rieslinge in dieser Gewichtsklasse besonders glänzen.

Klassische Herkünfte dominieren 

Wenig überraschend, dominierten Weine aus den donaunahen Herkünften Niederösterreichs westlich von Wien das Vorderfeld. Im klassischen wie reifen Jahrgang 2019 dominierten die klassischen Herkünfte, auch wenn sich das südsteirische Weingut Kodolitsch mit dem 12. Platz im erweiterten Spitzenfeld behaupten konnte.

Den Sieg beanspruchte heuer das Weingut Bründlmayer mit dem hervorragenden Riesling aus der Spitzenriede Heiligenstein: Ein Wein, der sich zweifellos auch bei den Premium-Rieslingen bewähren würde. Die Kombination aus stets zunehmendem Trinkgenuss und Tiefe hat alle Verkoster in den Bann dieses Weins gezogen, der zudem eine subtile Länge aufweist, die sehr gutes Potenzial andeutet. Mit 12,5% Alkohol und moderatem Restzucker ausgestattet, zeigt er auf vortreffliche Weise, dass hohe Gradationen und Alkohol nicht unbedingt Voraussetzung für mundfüllenden Geschmack darstellen.

Hinter dem Erste-Lagen-Wein folgte eine Überraschung: Der fruchtgetränkte wie fein verwobene und rassige Riesling Vom Löss vom Vorspannhof Mayr setzte sich in zwei Vorrunden mühelos durch und erkämpfte sich im Finale den zweiten Platz vor dem dafür substanzreicheren Setzberg-Federspiel von Lagler, das fast wie ein kleiner Smaragd daherkommt.

Duftig und recht extraktreich präsentierte sich der Haide-Riesling von Haimerl aus Gobelsburg, Haiderers Donauleiten Federspiel glänzte mit einem Mix aus grün-knackigem Steinobst und Kräutern, Franz-Josef Gritschs 1000-Eimerberg Federspiel bestach dafür mit vibrierender Pfirsichfrucht und anregendem Säure-Fruchtsüße-Spiel.

4 Dutzend Mal „sehr gut“ 

Knapp dahinter folgte mit Markus Huber der erste Traisentaler Winzer vor Petra Unger aus dem südlichen Kremstal und Bründlmayers klassischem Steinmassl-Riesling, der sich ex aequo mit dem Loibenberg der Domäne Wachau und Hutters Federspiel platzierte. Nach dem oben genannten Südsteirer folgten noch knapp drei Dutzend „sehr gute“ Weine.

Für unmittelbaren Genuss ist der Jahrgang 2019 fast vorbehaltlos zu empfehlen, doch dürften die meisten Weine auch zumindest weitere drei bis vier Jahre Vergnügen bereiten. Bei etlichen der Lagenweine – auch unter den Federspielen aus der Wachau – kann man durchaus längere Reifephasen einplanen; und am Heiligenstein von Bründlmayer wird man sehr viele Jahre seine Freude haben – wenn man sich zurückhalten kann.

INFO: Zur Verkostung  -  Es kamen trockene Weine der Sorte Riesling aus dem Jahrgang 2019 mit 12,5 Volumsprozent Alkohol (Etikettenangabe) zur Degustation. Fast alle Rieslinge kamen aus Niederösterreich. Die überragende Anzahl an Weinen war mit Schraubverschluss ausgestattet. Alle eingereichten Weine wurden wie immer sowohl in der Vorverkostung als auch in der Finalverkostung gedeckt degustiert. Für Vinaria verkostet haben: Dietmar Bruckner, Peter Schleimer, Adi Schmid und Hans Pleininger.

Abo bestellen - Die gesamte Verkostungs-Reportage mit allen Weinbewertungen und -beschreibungen und den Winzer-Interviews sowie Fotos finden Sie in der Ausgabe Vinaria 5/2020. Bestellen Sie Vinaria jetzt einfach & bequem zum Erscheinungstermin nach Hause. Das Jahresabo Vinaria mit 7 Ausgaben pro Jahr inklusive dem großen Weinguide Österreich ist um € 49,00 (EU-Ausland € 65,00) erhältlich. Jetzt im Vinaria Abo-Shop bestellen

Topliste Riesling 2019 mit 12,5 % vol. Alk. (Auszug)

17,2  Weingut Bründlmayer | RI Zöbinger Heiligenstein
16,9  Vorspannhof Mayr | RI vom Löss
16,8  Weingut Lagler | RI Setzberg Federspiel
16,7  Weingut Haimerl | RI Haide
16,6  Winzerhof Haiderer | RI Donauleiten Federspiel
16,5  FJ Gritsch | RI 1000-Eimerberg Federspiel
16,4  Markus Huber | RI Getzersdorfer Engelsberg
16,3  Petra Unger | RI Steinterrassen
16,2  Weingut Bründlmayer | RI Steinmassl
16,2  Domäne Wachau | RI Loibenberg Federspiel
16,2  Weingut Hutter | RI Federspiel
16,1  Weingut Kodolitsch | RI Kitzeck-Sausal
16,0  Weingut Buchegger | RI Gedersdorf
16,0  Rudolf Rabl | RI Langenlois
15,9  Weingut Völkl | RI Ametsberg
15,8  Ludwig Neumayer | RI Grillenbart Inzersdorf
15,7  Matthias Hirtzberger | RI Zier Federspiel
15,7  Weingut Steininger | RI Langenlois

Topliste Best Buy bis € 8,00: Riesling 2019 mit 12,5 % vol. Alk. (Auszug)

16,6  Winzerhof Haiderer | RI Riede Donauleiten Federspiel € 7,50
16,3  Petra Unger | RI Steinterrassen € 7,90
15,9  Weingut Völkl | RI Ried Ametsberg € 7,80
15,6  Roman Gritsch | RI Ried Setzberg Federspiel € 8,00
15,6  Hofbauer-Schmidt | RI Klassik € 6,80
15,5  Weingut Müller Klöch | RI Vulkanland Steiermark € 7,60
15,4  Weingärtnerei Aichinger | RI Terrassen € 8,00
15,3  Josef Bauer | RI Feuersbrunn € 7,00
15,2  Erwin Beck | Wilder Riesling € 7,50
15,2  Josef Edlinger | RI Furth bei Göttweig Göttweiger Berg € 7,00

Eindrucksvoller Sieger: Willi Bründlmayer © Anna Stöcher
Strahlende Topwinzerin: Silke Mayr © Robert Herbst
Karl Lagler jun. © Weingut Lagler
Johannes Haimerl © Weingut Haimerl
Anton Haiderer © Weingut Haiderer, www.loutocky.com
Franz-Josef Gritsch © Gregor Semrad
Petra Unger © Sabine Jackson
Heinz Frischengruber von der Domäne Wachau © Domäne Wachau
Markus Huber © Weingut Huber
Elfriede und Fritz III. Hutter mit Söhnen Richard und Fritz IV. © Weingut Hutter
Mario Weber vom Weingut Kodolitsch © Weingut Kodolitsch
Ludwig Neumayer © Weingut Neumayer
Markus Waldschütz © Michael Holzmayer
Roman Gritsch © Weingut Gritsch
Rudi Rabl © Weingut Rabl
Stefan Müller aus Klöch © Weingut Müller Klöch
Marion, Oliver & Peter Völkl © Weingut Völkl
Petra, Johannes & Leopold Hofbauer-Schmidt © Weingut Hofbauer-Schmidt