Der Weintourismus in diesen drei Provinzen hält sich nach wie vor in Grenzen, doch gibt es aus den Weinbergen Mittelitaliens einiges zu entdecken, und zwar vor allem Köstliches aus autochthonen Rebsorten. Eine Vinaria Weinreise mit Verkostung.

Weine aus Umbrien waren und sind auf den deutschsprachigen Märkten nicht wirklich eine bekannte Größe. Am ehesten waren noch die Weißweine aus der DOC Orvieto ein Begriff und selbstverständlich die erfolgreichen Versuche von großen Weingütern wie Lungarotti und Antinori, mit speziellen Weintypen, wie dem Rubesco oder dem Cervaro della Sala, Fuß zu fassen. Heutzutage bemühen sich zahlreiche qualitätsorientierte Weingüter, stellvertretend seien etwa Barberani, Barbi und Palazzone genannt, um ein verlässliches Niveau ihrer Weiß- und Rotweine.

Bei der Zusammensetzung des Orvieto Classico Superiore gibt es offensichtlich nur wenige Schranken, wenn auch Procanico, Greccheto und Trebbiano zumeist vertreten sind, zu denen fallweise Pinot Blanc, Chardonnay, Viognier und andere vertrautere Rebsorten hinzukommen. Ganz allgemein scheint die Tendenz vernünftigerweise zu frischeren und eleganteren Gewächsen zu gehen. Noch breiter gestreut ist das Spektrum der Rotweine, bei denen, abgesehen von den international gebräuchlichen Varietäten, Sangiovese und Montepulciano dominieren.

Am Balkon von Umbrien 

In eine sanfte Hügellandschaft eingebettet liegt das mittelalterliche Städtchen Montefalco, das aufgrund seiner Höhenlage und der herrlichen Aussicht in das Tibertal, die bei günstiger Wetterlage bis nach Perugia und Assisi reicht, zu Recht mit diesem Kosenamen bedacht wurde. Innerhalb der Stadtmauern kommt tatsächlich das mittelalterliche Flair zum Tragen, zumal die Autos außerhalb bleiben müssen.

Auch wenn es schon immer Weinbau in diesen Gefilden gab, ist der mit der autochthonen Rebsorte Sagrantino untrennbar verbundene Aufschwung der Rotweine von Montefalco erst in der jüngsten Vergangenheit gelungen. Da man die unbändigen Tannine der roten Riesen nicht bändigen konnte, wurde der Sagrantino nämlich traditionell als Passito ausgebaut, also aus monatelang getrockneten Trauben gewonnen, die mit ihrem Restzuckergehalt die Trinkbarkeit sicherstellten.

In der ersten Hälfte der Achtzigerjahre begann dann Arnaldo Caprai mit dem trockenen Ausbau des Sagrantino, dem dann die Weingüter Adanti und Antonelli-San Marco folgten. Der wirkliche Aufschwung des Sagrantino ereignete sich aber erst gegen Ende der Neunzigerjahre, als immer mehr Produzenten auf die eigene Abfüllung setzten und auch größere Güter von außerhalb Rebflächen im Umland von Montefalco erwarben. Auf diese Weise entwickelte sich die Rebfläche von seinerzeit rund 60 Hektar auf das mehr als Zehnfache im neuen Jahrhundert, sodass man tatsächlich von einem regelrechten Sagrantino- oder Montefalco-Boom sprechen kann.

Rotwein aus Montefalco ist aber nicht unbedingt mit Sagrantino gleichzusetzen, denn auch die DOC Montefalco Rosso und Montefalco Rosso Riserva kann überaus attraktive Tropfen liefern. Zumeist wird sie aus Sangiovese oder Montepulciano und einem kleineren Anteil von Sagrantino gewonnen, es können aber auch andere Verschnittpartner, wie etwa Merlot, Cabernet oder Barbera, gewählt werden, wobei dem Vernehmen nach die neue Regelung auf lediglich zwei Rotweinsorten abzielt.

Während der Rosso Normale nach 18 Monaten auf den Markt kommen darf, ist für die Rosso Riserva eine Lagerung von 30 Monaten, davon mindestens zwölf Monate im Eichenfass, obligatorisch. Wer die stolze DOCG Montefalco Sagrantino am Etikett ausweist, muss dem Wein ganze 37 Monate Lagerzeit gönnen, davon mindestens zwölf Monate in Eichenfässern. Einige Produzenten gelangen mit ihren Weinen auch erst deutlich später in den Verkauf, sodass gegenwärtig der Jahrgang 2015 aktuell ist. Als sehr gute, kühlere Jahrgänge werden 2010 und 2016 genannt, von den wärmeren Jahrgängen liefern beispielsweise 2012 und 2015 verlässliche Qualitäten, was auch für 2017 und 2018 gelten sollte.

Die kleine Weinwelt von Montefalco besteht aber nicht nur aus Rotwein, denn in den letzten Jahren hat eine wahre Renaissance des einstmals wenig beliebten Trebbiano Spoletino eingesetzt. Diese sehr robuste und verlässliche Rebsorte wurde ursprünglich in der Ebene gepflanzt, und zwar in der antiken Alberate-Erziehung, bei der sich die Reben auf Bäumchen emporranken, sodass deren Pflege und Ernte zur Kletterpartie mutiert. Dieser

Trebbiano Spoletino hat nichts mit dem Trebbiano der Toskana oder der Abruzzen zu tun, sondern ist eine autochthone Spezialität, die sich nur im lokalen Bereich zwischen Trevi und Montefalco auffinden lässt. In kühleren Jahren entwickelt sich ihre anfangs eher an Trüffel, Honig und Zitrusfrüchte gemahnende Nase in eine Petrol-artige Richtung, die frappant an Rieslinge aus deutschen Regionen oder dem Elsass erinnert. Der Trebbiano Spoletino ist auch überaus lagerfähig, wobei im Ausbau sowohl Stahltanks als auch große Holzfässer zum Einsatz kommen.

Im Reich der roten Riesen: Ein Besuch der Kellerei Antonelli-San Marco ist gewissermaßen Pflicht, wenn man den Geheimnissen von Montefalco auf die Schliche kommen will. Gegründet wurde das Weingut bereits im Jahr 1883 von Francesco Antonelli, einem Rechtsanwalt aus Spoleto. Im Jahr 1979 wurde auf dem Weingut schließlich mit der Flaschenfüllung und Vermarktung der Weine begonnen, und im Jahr 1986 hat der heutige Eigentümer Dr. Filippo Antonelli, der auch lange Zeit Präsident des Consorzio war, dessen Leitung übernommen. Heute wird auf 50 Hektar Weinbau betrieben, wobei die Weinberge hauptsächlich nach Süden und Westen exponiert sind. Als Untergrund dienen sowohl schwere Lehmböden als auch eher sandig-steinige.

Eine Kathedrale voll Wein: Eine Kathedrale voll Wein hat sich Giampaolo Tabarrini für seine exquisiten Gewächse geschaffen. Eine Kellerführung mit Giampaolo ist ein Erlebnis für sich, denn der quirlige Vierziger, der sich erst relativ spät dem Weinbau zuwandte, sprüht förmlich vor Ideen und Engagement und springt in Blitzesschnelle von einem Thema zum anderen. Wenn man den Weinkeller besucht, der in seiner aufgeräumten und schlichten Art und seinem Säulengang bewusst den mittelalterlichen Vorbildern nachempfunden ist, aber nie ins Kitschige ausartet, wird man davon überzeugt sein, dass das neue Tabarrini-Anwesen ein Ausrufzeichen für das gesamte Gebiet setzen sollte.

Ebenfalls überzeugend waren im Übrigen einige Weine des kleinen Weinguts Villa Mongalli, darunter ein schwebend-eleganter, ziselierter Trebbiano Spoletino und ein Lagen-Sagrantino aus dem Jahr 2007, der punkto Dichte, Balance und Fruchtreichtum keinerlei Wünsche offenließ und sein Alter in keiner Phase verriet.

An den Hängen des Apennin  -  Dass an den Hängen des Apennin in der Region Abruzzen ausgezeichnete Rotweine unter dem Siegel Montepulciano d’Abruzzo gedeihen, ist bekannt. Erzeuger wie Emidio Pepe, Masciarelli, Medoro, Cataldi Madonna und Valentini haben dafür den Weg bereitet. Die verkosteten Rotweine haben den positiven Trend bestätigt, wenn auch die Abkehr vom übermäßigen Holzeinsatz offensichtlich nur zögernd stattfindet, sodass viele Rotweine sozusagen ein etwas „modernistisches“ Gepräge besitzen.

Großzügige Fruchtaromen, Extraktsüße und reife Tannine sind aber stets vorhanden, wie dies etwa der Malandrino von Cataldi Madonna oder der Adrano von Villa Medoro nachhaltig bewiesen haben. Bei den Weißweinen sorgen der fruchtig-frische, zuweilen mit geradezu kecker Säure ausgestattete Passerina und der vornehmere, durchaus kraftvolle Pecorino für eine sinnvolle Ergänzung des Portefeuilles.

Besonders gut gefallen die Weißweine aus diesen Rebsorten aber im benachbarten Piceno, das bereits zur Region Marken gehört. Hier im südöstlichsten Zipfel der Region werden in der Provinz Ascoli Piceno wunderbar ausgewogene, elegante Weißweine erzeugt und Reben auf Weinbergen kultiviert, die in ihrer Steilheit an das steirische Sausal erinnern. Das Kernland dieser vor Frische vibrierenden Tropfen befindet sich rund um die Bergstädtchen Offida und Ripatransone, die sowohl mit ihrem mittelalterlichen Stadtbild als auch mit ihren wohlgepflegten, steilen Weinhängen das Auge erfreuen.   

Verkostung

Umbrien    

**  2018 Palazzone, Terre Vineate Orvieto Classico Superiore
Nach Birnen und Agrumen duftend, knusprig und animierend; feine Struktur bei mittlerem Volumen, recht elegant gerundet, frisch und lebhaft, zartbitterer Abgang.

**  2018 Palazzone, Viognier
Sortentypisches Duftspiel nach Orangenblüten und Mandeln, auch etwas Torrone, seidig und animierend; feine Klinge, schöne, helle Fruchtnuancen, klar und jugendlich bei mittleren Maschen.

*** 2016 Palazzone, Armaleo (CS/CF)
Minze und Cassis im suggestiven Bukett, ausgereift und üppig; süße Beerenfrucht, extraktreich, ja nahezu mächtig, fast kitschige Ausprägung, reichhaltig, rund und harmonisch, sehr intensive Cabernet-Interpretation, ganz jung und lang, Potenzial.

*** 2018 Castello della Sala, San Giovanni
Feine Mandelnote, auch etwas Orangenzeste, zartblumig und elegant; geht mit Luftzufuhr schön auf, relativ schlank, doch fein strukturiert, glockenklar, der Viognier-Anteil kommt deutlich durch, gute Länge.

*** 2016 Barberani Luigi & Giovanni, Orvieto Classico Superior
Dezente Honignote, auch etwas gelber Pfirsich, generös und saftig; geht schön in die Tiefe, recht pikante Würze, wieder etwas Steinobstfrucht, salzige Note vor dem rassigen Abgang.

**** 2015 Castello della Sala, Pinot Nero
Recht typische Nase nach Mandeln, Himbeeren, ja ein bisschen Eisenkraut, reduktiv und kompakt, kommt nicht so recht aus den Startlöchern; geht mit Luftzufuhr schön auf, sehr sortentypisch, die Himbeerfrucht kehrt wieder, herzhaft und ausgewogen, wirkt noch etwas unentwickelt, rassiger Nachhall und einige Länge; eine jugendliche Pinot-Variante, die aber die großen Vorschusslorbeeren nicht ganz rechtfertigen kann.

*** 2013 Lungarotti, Rubesco DOC Torgiano (Sangiovese & Colorino)
Zarte Nase nach Herzkirschen und Marzipan, auch etwas Dirndlbeeren, durchaus einladend; kompakt und fest verwoben, kernige Angelegenheit, mittleres Gewicht, balanciert und nervig, dezenter Auftritt.

** 2013 Le Velette, Calanco (Sangiovese & CS)
Blumiger Start: Flieder, Heidelbeeren und Cassis, beschreibt einen weiten Bogen; fest strukturiert, mittleres bis gutes Gewicht, relativ großzügiger Holzeinsatz, dadurch leichte Mokkanote, straff im tanninigen Finale.

 

Abruzzen

***  2018 Tenuta Ulisse, Pecorino Terre di Chieti DOC
Komplexes Bukett nach Salbei und Thymian, ja Macchie, sehr frisch und lebhaft; am Gaumen dann feines Fruchtspiel à la Limette und Grapefruit, dahinter Wacholder, überhaupt harzige Note, beachtlicher Körper, dicht und saftig, schöne Länge, schönes Potenzial – ein Modellbeispiel für diese hochwertige Rebsorte.

** 2018 Società Olearia Vinicola Orsogna, Passerina Terre di Chieti DOC
Lindenblüten und Menthol in der blumigen und frischen Nase, sehr ziseliert; klar, pikant und pfeffrig, schlanker Körperbau, herzhaft und individuell, sehr rassiger Abgang.

*** 2017 Cataldi Madonna, Malandrino Montepulciano d’Abruzzo DOC
Reduktiv und pelzig, geht langsam auf und offeriert dann dunkle Kirschen und Waldbeeren; reichhaltig und offenherzig, sehr saftig und fruchtsüß, geht schön in die Tiefe, wunderbarer Holzeinsatz, harmonisch und überraschend finessereich, reife Tannine im langen Nachhall.

**** 2016 Torre dei Beati, Cocciopazza Montepulciano d’Abruzzo DOCG
Ledrig und herb beginnend, dann aber nach Brombeeren und Maulbeeren, noch ganz jung und unentwickelt; enorme Dichte, fruchtsüß und herzhaft, viel dunkelbeeriger Schmelz, wuchtig, aber nicht zu opulent, erbringt viele Details und bleibt mit samtigen Tanninen auch lange haften, großes Potenzial.

 

Marken

** 2018 Cantine d’Ercoli, Passerina DOC
Blumige Nase, Zitronenschale und ein ganzer Kräutermix, lebhaft und pikant; erfrischend, agil und zupackend, einiges Volumen, glockenklar und animierend, überaus rassig im zartbitteren Abgang.

** 2018 Cantine d’Ercoli, Pecorino DOC
Intensive Birnenfrucht, auch etwas Karamell und Blütenhonig, erfrischend und animierend; Vanilleschoten am Gaumen (aber kein Holz), fest verwoben und kernig, einiges Volumen, wiederum satte Kernobstnote sowie gute Länge.

****  2018 Simone Capecci, Ciprea Pecorino DOC (bio)
Rosa Grapefruit in der Nase, aber auch weiße Ribiseln, überaus pfeffrig und pikant, erinnert entfernt an Sauvignon Blanc; sehr reichhaltig und dicht, feine Stachelbeerfrucht, geht in die Tiefe und bleibt hochelegant, viele Facetten und große Länge, offensichtlich der Modellfall eines Pecorino, ein Erlebnis.

***  2017 Falchetti, Pecorino DOC (bio)
Duftspiel nach Limette und Apfel, blitzsauber und straff, sehr herzhaft; elegant gelöst, vibrierende Frische und feine Fruchtsüße, überhaupt sehr zart und ziseliert, zahlreiche Nuancen und hohe Rasse vor dem langen Abgang, immer noch am Beginn der Entwicklung, beispielhaft.

 

Weingüter aus Montefalco (Umbrien)

Antonelli-San Marco

***  2018 Trebium Trebbiano Spoletino DOC
Im großen alten Holz vergoren wurde dieser nach Birne und Blütenhonig duftende Spoletino, auch etwas Lebkuchen und hefige Würze; noch sehr reduktiv und jung, dabei voluminös und reichhaltig, viel Power, aber im Ansatz auch feine Klinge (wurde eben erst abgefüllt), lang und zukunftsträchtig.

*** 2016 Montefalco Rosso
Schöne Brombeer- und Kirschfrucht, rauchige Untertöne; blumig, fruchtbetont und relativ dicht, sehr hübscher Standardwein, der viel Trinkfluss bietet, quasi unkompliziert auf gutem Niveau, beachtliches Preis-Leistungs-Verhältnis.

**** 2015 Montefalco Riserva
Leder und Brombeeren in der noch recht verkapselten Nase, kraftvoll und ausgereift; voluminös und dicht verwoben, hier auch gelbe Fruchtakzente, mächtig angelegt, noch etwas wilde, ungebändigte Tanninfülle, doch Riesenpotenzial (die dunkelbeerige Frucht muss erst aufkeimen).

** 2015 Contrario (Sagrantino)
Als Umbria Rossa läuft dieses Experiment: Kirschen und Dirndlbeeren in der Nase, rund und saftig; geradlinig und unkompliziert, satter Schmelz im Hintergrund, einige Details, recht rassig und unverblümt, der gute Jahrgang macht sich bemerkbar.

*** 2014 Sagrantino di Montefalco
Rund und sanft strömend, sehr blumig, etwas Veilchen und Menthol; Brombeerfrucht am Gaumen, einiger Fruchtschmelz, jahrgangsbedingt etwas schlanker als gewohnt, einige Länge.

****  2008 Sagrantino di Montefalco
Der kühle Jahrgang zeigt, was er kann bzw. wie gut er sich entwickelt hat: Zwetschken, ja Powidl in der süßen und einladenden Nase, reichhaltig und nuanciert; satte Maulbeerfrucht, generös und offen, extraktsüß und fruchttief, viele Facetten und reife Tannine im langen Nachhall.

**** 2012 Chiusa di Pannone Sagrantino
Bukett nach Weichseln und Zwetschken, reichhaltig und ausgereift; sehr saftig und engmaschig, vor allem aber vielschichtig, Unmengen von dunklen Beeren am Gaumen, beschreibt einen weiten Bogen, tolle Dichte und langer Abgang, erst am Beginn der Entwicklung – sehr schöne Interpretation eines heißen Jahrgangs.

**** 2012 Sagrantino Passito
Zwetschken und Maulbeeren in der weit ausholenden Nase, generös und animierend; sehr saftig, tiefe, dunkelbeerige Frucht, Restzucker und Tannine befinden sich in bester Balance, dadurch sehr harmonisch und elegant, aber nie übermächtig oder klebrig, ein wunderbarer Dessertwein sui generis, der auch noch ein langes Leben vor sich hat.

 

Tabarrini

*** 2017 Adarmando Trebbiano Spoletino
Leichte Trüffelnote in der Nase, aber auch Waldhonig, reich und rauchig, gewisse Riesling-Ähnlichkeit; Frucht nach weißen Pfirsichen am Gaumen, mittlere Maschen, zarter Säurebogen, noch sehr jung und reduktiv, leichtes Bitterl vor dem Abgang

**** 2016 Adarmando Trebbiano Spoletino
Hochfeines Bukett nach gelbem Pfirsich und Ananas, subtil und ziseliert; kraftvoll und engmaschig am Gaumen, sehr extraktreich, nahezu mächtig angelegt, intensive Kräuterwürze und grüner Tee, ganz jung und hochelegant, große Länge, großes Potenzial – ein Spoletino zum Verlieben.

*** 2010 Adarmando Trebbiano Spoletino
Ein bisschen Petrol und weiße Trüffel, rauchige Untertöne; reich und vom satten Schmelz geprägt, jahrgangsbedingt kühle Eleganz, einige Details, junggeblieben und auch relativ lang, kann durchaus noch lagern.

*** 2015 Boccatone Montefalco Rosso
Cassis und Maulbeeren im hochfeinen Duftspiel, fein liniert und großzügig in gleicher Weise, geht schön in die Tiefe; überaus rund, balanciert und cremig, dunkelfruchtig und konzentriert, ein wunderbar harmonischer, von reifen Tanninen bloß umrahmter Montefalco, der auch mit seiner Klarheit und Länge besticht, dabei sehr preisgünstig.

**** 2014 Colle Grimaldesco Sagrantino
Fest, pikant und pfeffrig, sehr herzhaft, feine Trüffelwürze und großzügige, dunkelbeerige Fruchtansätze; reichhaltig und offenherzig, dicht verwoben, die Waldbeerenfrucht behält die Oberhand, samtige Tannine im langen Abgang, erst am Beginn der Entwicklung.

*** 2014 Campo alla Cerqua Sagrantino
Sehr verhalten und schwer zu beurteilen, nur spärliche Fruchtanklänge; reduktiv, streng und verschlossen, etwas Teer, nur ein Hauch von dunklen Beeren, ruppige Tannine und etwas bitter ausklingend.

**** 2014 Colle alle Macchie Sagrantino
Der mächtigste Sagrantino aus dem Angebot von Tabarrini kommt vom Lehmboden: feines Duftspiel nach Granatapfel und Blutorange, reichhaltig und athletisch; fest verwoben, voluminös, aber nie üppig oder alkoholisch, Waldboden und dunkle Beerenfrucht, mächtig angelegt, reichliche Tanninfülle im langen Nachhall, Potenzial für viele Jahre.

 

Villa Mongalli

**** 2016 Calicanto Trebbiano Spoletino
Sehr eigenständiges Bukett nach Orangenschalen und Marzipan, dann auch Ringlottenfrucht, viele Nuancen, subtile Sache; verspielt und facettenreich bei relativ schlanker Struktur, sehr vital, ein bisschen Holz wird gut integriert, führt eine ganz feine Klinge, sehr individuell und aussagekräftig, unterscheidet sich in der Stilrichtung deutlich von den vorhergehenden Weingütern.

***** 2007 Poggio del Curato Sagrantino
Dunkle Schokolade und Zwetschken im Überfluss, ausgereift und kraftvoll, ja beinahe üppig; konzentriert wie balanciert, hier satte Brombeerfrucht, cremiger Schmelz, viel Delikatesse und weiche, samtige Tannine, in jeder Hinsicht bestechend, große Länge, kann noch beruhigt weiter gelagert werden.

Trebbiano Spoletino wird auch auf Bäumen gezogen. © Horst Mondl
Giampaolo Tabarrini in seinem Keller. © Horst Mondl
Marco Baldovin und der Autor, Viktor Siegl © Horst Mondl
Weingut Antonelli © Horst Mondl
Die Weinberge von Montefalco vor der Lese. © Horst Mondl
Geringer Ertrag bringt beste Weine © Horst Mondl