Eveline und Walter Eselböck möchten in Rust, direkt am Neusiedlersee, ein spektakuläres Gastroprojekt samt Apartements hochziehen. Jetzt eskaliert der Politstreit in der Freistadt, eine Bürgerinitiative droht.

Beim Ruster Stadthafen, neben dem Seehotel, will Walter Eselböck ein Restaurant bauen. © google maps / bvz

In der Storchenstadt herrscht Aufregung um ein geplantes Bauprojekt im Stadthafen. Auf der Wiese zwischen Seehotel und Spielplatz soll ein Restaurant mit Lounge und Apartments von Starkoch Walter Eselböck errichtet werden. Unmut regt sich darüber in der Bevölkerung und bei der Ruster ÖVP, die zu niedrige Preise für das Grundstück vermutet. Das berichtet die Lokalzeitung BVZ.

1.300 Quadratmeter der Seewiese sollen demnach an die Familie Eselböck verkauft, weitere 1.600 Quadratmeter für eine „Chill out Area“ mit Terrasse und Lounge verpachtet werden. Geplant ist auch die Entfernung von Teilen des Schilfgürtels, um mehr Anlegeplätze im Stadthafen zu schaffen. Der Gemeinderat hat das Projekt bereits abgesegnet. Die SPÖ um Bürgermeister Gerold Stagl stimmte geschlossen dafür, die ÖVP um Vize-Bürgermeister Georg Seiler - mit Ausnahme eines türkisen Gemeinderates – dagegen, so die BVZ.

Dabei handelt es sich um ein durchaus spannendes Projekt, das die Gastro-Familie Eselböck in Rust plant. Vorbild ist zum Teil des viel gelobte „Haus im See“, das die Eselböcks auf ungarischer Seite des Neusiedlersees betrieben. Das blieb in diesem Jahr geschlossen. Einerseits wegen Corona, andererseits wegen latenter Probleme mit den ungarischen Behörden.

Im Unterschied zum „Haus am See“ soll das neue Projekt am Ruster Stadthafen einen größeren Restaurantbereich und einen weitläufigen Lounge- und Terrassenbereich beinhalten. Die Küche soll nicht nur im Luxussegment fischen, sondern für eine breite Gästeschicht attraktiv sein. Das Angebot, dem Trend entsprechend, regional. Fisch etwa nur aus dem Neusiedlersee.

Bis dahin ist es aber noch ein Stück des Weges. Die oppositionelle ÖVP in Rust kritisiert die Pläne aus mehreren Gründen, ist aber nicht grundsätzlich gegen das „durchaus ansprechende Vorhaben. Aber nicht an diesem Standort und nicht um diesen Preis“, erklärt Seiler. Bemessen wurde der Grundpreis mit 150 Euro pro Quadratmeter. Im benachbarten Oggau gebe es etwa zwei Baugründe am See um 420 bis 490 Euro pro Quadratmeter, in Neusiedl sind es sogar 1.250 Euro. ÖVP-Seiler plädiert zudem für eine Pacht-Lösung für die gesamte Fläche, die Freistadt sollte an diesem exponierten Ort gar nichts verkaufen.

Viel Kritik aus der Bevölkerung ortet die Opposition in Rust, weil durch das Projekt der Blick auf See und Schilfgürtel verstellt werden würde. Hier droht sogar eine Bürgerinitiative. Walter Eselböck kontert diesen Befürchtungen: Geplant werde ein begrünter Hügel, damit sich das Gebäude stimmig in die Landschaft einfüge und von der Stadt aus gar nicht sichtbar sein soll. Der Bau soll ökologisch nachhaltig und mit regionalen Materialien wie Schilf und Sandstein erfolgen.

Im Idealfall möchten die Eselböcks im kommenden Früghjahr mit dem Bau beginnen und 2022 eröffnen. Gemäß der Beschlusslage des Gemeinderates ist Bürgermeister Stagl nun mit den Verhandlungen beauftragt, Verträge wurden noch keine abgeschlossen. Für den Spatenstich fehlt noch die Zustimmung der Landesregierung.

Das Eselböck-Projekt soll direkt am Seehafen entstehen. © google maps
Das Reich der Familie Eselböck rund um den Neusiedler See soll um ein spektakuläres Projekt in Rust ergänzt werden. © Taubenkobel / Eselböck
Freistadt Rust, Blick über Schilfgürtel und Neusiedlersee © Freistadt Rust